Folia Theologica 12. (2001)

Zoltán Rokay: Die Selbstverwirklichung des Menschen in der Philosophie von J. G. Fichte

54 Z. ROKAY braucht den kritischen Beistand und „produktive Mitwirkung" an­derer; daher ist das gute Leben nicht nur ein vernünftiges Leben, sondern „das gemeinsame gute Leben."97 Fichte sagt etwas Ähnliches wenn er behauptet: „alle Menschen wünschen das Leben, jedesmal um irgend etwas, die edleren noch zu tun, die weniger edlern noch zu genießen."98 Die soziale („mit­menschliche") Komponente kommt bei Fichte oft zum Ausdruck im SSL und im NR, u.a. sagt er: „Der Mensch... wird nur unter Men­schen ein Mensch."99 Auch Fichte behauptet eine Unreduzierbar­keit des Wollens. 3. M. Theunissen (Selbstverwirklichung und Allgemeinheit, 1982) Er hat Bedenken, die Selbstverwirklichung aus der je eigenen In­dividualität abzuleiten. Die Realisierung einer „ethisch qualifizier­ten" Selbstverwirklichung hat die Realisierung der Allgemeinheit zur Voraussetzung. Das geschieht dadurch, daß das Subjekt „in sich vernünftige Sachen" verfolgt,100 d.h. solche, die für die „Allheit gleicher Subjekte" relevant sind.101 „Die Selbstverwirklichung die von uns gefordert ist, konkretisiert sich heute... in der Bekümme- rung um die Weltweite Ausbeutung der Natur, in der Betroffenheit von Flunger in der Welt, in der Sorge um den Weltfrieden."102 Bei Fichte werden wir schwer „in sich vernünftige Sachen" vor­finden, das würde er „Dogmatism" oder „Spinozism" nennen (Spi- noza=Schelling), aber das schließt die Verbindlichkeit der durch das Ich als vernünftig erkannten Aufgaben, - namentlich der Welt­verbesserung nicht aus.103 97 Ebd. S.20. 98 FICHTE, NR 118. (1,3; §11). 99 Ebd. S.39. (§3. Corollaria) 100 THEUNISSEN, Selbstverwirklichung, S. 27. 101 Ebd. 102 Ebd. S.46. 103 FICHTE BdM S.101. (Galube, II): „Ich kann mir die gegenwärtige Lage der Menschheit schlechthin nicht denken, als diejnige, bei der es nun bleiben könne... Es ertönt unwiderstehlich in meinem Innern: So kann es unmöglich bleiben sollen; es muß, o es muß alles anders und besser werden.” Ähnlich auch Spalding (Die Bestimmung des Menschen) S. 27f: „Nein! Es ist nicht möglich, daß die Welt also regiert werde da sie regiert wird; es muß notwen­dig ein besseres Verhältnis der Dinge da sein... Es ist hier Disharmonie, die unstreitig ein Fehler sein würde, wenn sie sich nicht hernach in eine vollkom­mene Zusammenstimmung auflösete.”

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