Folia Theologica 12. (2001)

Zoltán Rokay: Die Selbstverwirklichung des Menschen in der Philosophie von J. G. Fichte

DIE SELBSTVERWIRKLICHUNG DES MENSCHEN 47 3. Die Selbstbestimmung und das „sich-machen" Zum Ausdruck „Selbstverwirklichung" kommen wir am näch­sten dort, wo Fichte von „sich-machen" spricht. Er stellt in der WNM die Frage: „Wer bin ich?" - und antwortet: „Derjenige zu welchem ich mich mache."51 52 (Dabei beruft er sich auf die Sittenleh­re - s. weiter unten.) „Meine Bestimmtheit hängt ab von meinem freien Entschluß, dies kommt aus der Aufgabe, sich selbst zu be­schränken. Wer soll ich sein? Dies liegt in meiner Individualität. Der reine Wille ist nicht beschränkt durch ein Sein, sondern es liegt in ihm ursprünglich das Gesetz, wie er sich alle Zeit beschränken soll. Es ist, ...das Sittengesetz."53 Die Stellen im System der Sitten­lehre, auf welche sich Fichte dabei berufen könnte, lauten folgen­dermaßen: „...bin lediglich der, zu dem ich mich mache."54 „Ich bin von dem Augenblicke an, da ich zum Bewußtsein ge­kommen, derjenige, zu welchem ich mich mit Freiheit mache, und bin es darum, weil ich mich dazu mache."55 „Wer bin ich denn überhaupt? Es bleibt dabei: der, zu dem ich mich mache."56 Ähnliche Behauptungen lesen wir auch in der Bestimmung des Menschen: „Ich mache mich selbst: mein Sein durch mein Denken; mein Denken schlechthin durch das Denken."57 „Ich bin durchaus mein eigenes Geschöpf. Ich hätte blind dem Zuge meiner geistigen Natur folgen können. Ich wollte nicht Natur, sondern mein eigenes Werk sein; und ich bin es geworden dadurch, daß ich es wollte."58 (Das Willensprinzip springt sofort ins Auge.) Gerade durch die Selbstbildung unterscheidet sich der Mensch von der übrigen Natur. So behauptet Fichte in der Grundlage des Naturrechts (NR): „Alle Tiere sind vollendet und fertig, der Mensch 51 Ebd. 52 Ebd. S. 168,1 f. 53 Ebd. 54 SSL S.181. 55 Ebd. S.218. 56 Ebd. S.224. 57 BdM (Meiner) S.29f. 58 Ebd. S.92.

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