Folia Theologica 1. (1990)

Béla Fila: Die Geschichtlichkeit als theologisches Problem - in Auseinandersetzung mit M. Heidegger

42 B. FILA behalt und nicht ohne jede Bedenken darauf gehen, sonst wird sich ihr der Weg all zu leicht zum Irrweg verwandeln. Dabei sollen mindestens zwei entschlossene und gewichtige Warnungen berücksichtigt werden. Heidegger schlägt der Theologie vor, auf eigenem Weg zu gehen, damit sie die Evidenz des Glaubens erlangen und rechtfertigen kann. Das ent­scheidendste für den Theologen, was er erlernen muss, ist das, dass er, wenn er zu seinem eigentlich Denkwürdigen hingelangt ist, das Theolo­gische auf theologische Weise auszutragen vermag. Heidegger drückt sich ganz einfach aus: Wo der Theologe sich jenem Theologischen be­gegnet, was er auf theologische Weise austragen soll, da versagt die Sprache.18 Nun aber Karl Rahner, der sich als ein Schüler von Martin Heidegger bekannt, betont mit Recht, dass der Theologe noch da wei­tersprechen muss, wo der Philosoph zu schweigen beginnt.19 Bei Heidegger geht es darum, die Seinsfrage ontologisch zu begründen. Dabei wird das Sein nur als transzendentales Vorverständnis, als jener Horizont des Daseins in Betracht genommen, in dem das Dasein den Seienden begegnen kann. Dennoch ist es wahr, dass Heidegger in spä­teren Phasen seines denkerischen Weges, oder besser: seiner denkeri­schen Wege, das Seinsverständnis noch aufgeschlossener sieht, und wenn er die Eröffnung des transzendentalen Horizontes betrachtend von dem Verhältnis spricht, das zwischen einer Gabe und ihrem Geber gibt, die betreffenden Ausführungen können theologisch so ausgewer­tet werden, als verborgene Hinweise auf das Verhältnis zwischen Sein und Gott. Im Ereignis des Seins ist schon jenes Offene geöffnet, in dem das Wesen der Dinge, das Wesen des Heiligen und der göttliche Gott erscheinen können. Interessanterweise ist dieser Gedankengang für die Theologie Weg und Irrweg in einem. Verständlicherweise möchte die katholische Theolo­gie die von Heidegger aufgeworfene ontologische Frage metaphysisch interpretieren, wie es in der Scholastik geschah, so dass das Sein selbst in dieser Interpretation im metaphysischen Sinne genommen nichts 18. Mit dieser knappen Wendung endete M. Heidegger ein Gesprächsgang mit evangelischen Theologen. Aus dem Referat E. JÜNGEL in M. Heidegger, Fragen an sein Werk, Stuttgart, 1982. S.37. 19. K. RAHNER, Grundkurs des Glaubens, Freiburg, 1976. S. 66-68.

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