Folia Theologica et Canonica 1. 23/15 (2012)

SACRA THEOLOGIA - Zoltán Rokay, Leo Scheffczyk und die Tübinger Schule

LEO SCHEFFCZYK UND DIE TÜBINGER SCHULE 117 doch dessen Stellung in der Kirche (wie seine Beziehung zum Sakrament) nicht voll zu werten. So kam Joh. Ev. v. Kuhn [...] (Die Lehre von dem Worte Gottes und den Sakramenten, in: TQ 37/1855. 3-37.) nur zur Feststellung einer mora- lisch-dispositiven Bedeutung des Wortes, aber nicht zur Anerkennung seiner gnadenhaften Wirksamkeit.“111 In seinem Werk, Katholische Glaubenswelt (...) von welchem wir ausgegan­gen sind, nimmt Scheffczyk gelegentlich auch Bezug auf die Tübinger. Gleich am Anfang, wo er von der Aktualität der theologischen Entwicklung im 19. Jahrhundert spricht: „Im 19. Jh., dessen Problemstellungen im Grunde weithin die unsrigen geblieben sind, fanden solche theologischen Bemühungen, angeregt von der Ganzheitsschau des Deutschen Idealismus, Ausdruck in der Schaffung einer eigenen theologischen Disziplin, der sogenannten, theologischen Enzyk­lopädie. Hinter dem Wort (...) deutet sich das Anliegen einer Zusammen­fassung und Ganzheitsschau des theologischen Wissens und seiner Inhalte an, die schon damals der Gefahr des geistigen Auseinanderstrebens der Teile be­gegnen sollte. Damals waren es vor allem die Vertreter der katholischen Tübin­ger Schule, die mit modernen Mitteln das Verständnis für die Ganzheit des ,Katholischen1 zu erwecken suchten. Joh. Seb. v. Drey (...) stellte so in seinen .Ideen zur Geschichte des katholischen Dogmensystems1 (1812-1813) die ka­tholische Glaubenswirklichkeit als in der Offenbarung Gottes grundgelegte Einheit dar, die sich in der Gemeinschaft der Kirche organisch entfaltete.“112 113 Dann kommt Scheffczyk auf Staudenmaier zu sprechen: „Eine ähnliche Ganz­heitsdarstellung bot Fr. A. Staudenmaier in seiner Enzyklopädie der theologi­schen Wissenschaften ( 1840), in welcher er die Besonderheit der Catholica als, die harmonische Auflösung des großen Gegensatzes (zwischen Gott und Welt in der Person des Erlösers) erfasste.“1113 Neben Aktualität der Gedanken der Tübinger, sieht aber Scheffczyk auch die veränderte Zeitumstände ein: „Aber solche Begründungen, so wertvoll sie zu seiner Zeit waren, die sich aus der ra­tionalistischen Dürre der Aufklärungsepoche zu einem idealistischen Gedanken­flug erhob, können das Gegenwartsanliegen nicht ganz treffen, das viel weniger theoretisch-wissensmässig ausgerichtet ist (...) als viel mehr religiös-existen­tiell von der Frage nach der Catholica betroffen ist.“114 Der durch Scheffczyk in seinem Buch „Katholische Glaubenswelt“ am meisten zitierte „Tübinger“ ist Joh. A. Möhler.115 Er ist auch der am wenigsten beanstandete Autor, wahrscheinlich wegen seiner inkamatorischen und sakra­111 Ebd. 243. 112 Scheffczyk, L., Katholische Glaubenswelt, 7 f. 113 Ebd. 8. 114 Ebd. 115 Ebd. 16-18, 110, 119, 135, 172, 177 ff.

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