Folia Theologica et Canonica 1. 23/15 (2012)
SACRA THEOLOGIA - Zoltán Rokay, Leo Scheffczyk und die Tübinger Schule
114 ZOLTÁN ROKAY (445 a/b) 1992 publiziert wurde. Der Herausgeber stellt in seinem Nachwort fest: „Mit der Veröffentlichung der Urfassung ist aber nun eine Möglichkeit geschaffen die ursprüngliche, schlichte Konsequenz des Gedankens der Philosophie der Offenbarung zu verfolgen. Das Vorurteil von ,mystischer Dunkelheit1 im Spätwerk Schellings wird niemand mehr wiederholen mögen. Es wird niemand mehr sagen können, dass diese Philosophie ihr Ziel nicht bewahrt habe. Die ,Urfassung der Vorlesungen über Philosophie der Offenbarung1 befreit die Schellingforschung aus der unwürdigen Lage, sogar bei der böswilligen Paulusnachschrift Hilfe suchen zu müssen Was aber für unseren Zusammenhang noch interessanter ist, ist die Tatsache, dass der Abschreiber und Besitzer der Niederschrift J. M. Wachtl ein katholischer Priester der Diözese Eichstätt ist, der 1829-1832 in München studiert und Schelling gehört hat. Er wurde 1833 zum Priester geweiht und starb 1882 in Eichstätt, bevor er 1848-1882 Pfarrer in Kevenhüll war.99 100 Er hat einen Vortrag über die zweite Ankunft Christi und den Chiliasmus veröffentlicht, in welchem er in der Bewertung Schellings über den Protestantismus von der Kuhn’s abweicht: „Nach Schellings Lehre ist die Reformation nur der Übergang zu einer dritten Periode, in welcher die Einheit als ideale wieder hergestellt ist, wo in diesem durch Wissenschaft vermittelten und so erst möglich gewordenen allgemeinen Bewusstsein die Kirche ihren wahren Triumph, ihren Ruhestand feiert, - wo ihre Ruhe auf die Überwindung des Widerspruchs sich gründet, und die Einheit nicht mehr eine bloss äussere, sondern eine innere ist. - Das Christentum dieser dritten Periode ist das Christentum des heiligen Johannes. Dieser ist ausersehen, der Apostel einer zukünftigen Kirche zu sein, jenes zweiten neuen Jerusalem, das er selbst wie eine Braut vom Himmel herabfahren sah.“101 VIII. Gesamtkritik: Wieder nach Scheffczyk Scheffczyk berichtet nicht einfach in seinen Publikationen über den Standpunkt der Tübinger Schule und deren Mitglieder, sowie über den denkgeschichtlichen Hintergrund derselben, er bewertet dieselben auch. Ich gehe in der gegenwärtigen Darstellung chronologisch vor. In der „Theologie in Aufbruch und Widerstreit“ ist von dem Standpunkt Dreys zu lesen: „Demgegenüber (d. h. der Vorstellung von Sailer - Z. R.) ergibt 99 Schelling, F. W. J., Urfassung, Meiner, Nachwort, 741. 100 Ebd. 732 f. 101 Ebd. zitiert nach Ehrhardt, 733. - Es ist umso interessanter, weil damals der Bischof von Würzburg den Katholiken verboten hat die Vorlesungen von Schelling zu besuchen wegen seines Pantheismus, Schelling aber in Würtemberg keine Stelle bewerben konnte wegen seiner katholischen Beziehungen. Vgl. Sandkühler, H. J., Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Stuttgart 1970.