Dr. Kassai Tibor - Dr. Murai Éva szerk.: Parasitologia Hungarica 8. (Budapest, 1975)

dem Harn ins Freie; zur Zeit, wo sie ausgeschieden werden, enthalten sie je eine in­fektionsfähige Larve. Die aus dem Ei ins Freie gelangende Larve ist 230 bis 300 u lang, 8-10 /U breit, der Kopfteil ist um ein geringes breiter, und trägt einen 6 n langen, ge­spitzten Ansatz. Die Infektion erfolgt bei der Ratte durch orale Aufnahme der Eier, ohne Mitwirkung von Zwischenwirten. Etwa 3 Stunden nach erfolgter Infektion schlüpfen die Larven aus den Eiern, und gelangen über den Blutkreislauf zunächst ins Herz und dann in die Lun­gen. Ein Teil der Larven wandert über die Bauchhöhle in die Brusthöhle, und von dort unmittelbar in die Lunge. Von der Lunge lassen sie sich durch den Blutstrom in die Nieren schleppen, und gelangen dann zu ihrem endgültigen Sitz, in die Harnblase. 3 bis 6 Wochen post infectionem ist der Wurm bereits geschlechtsreif. Das Männchen dringt in den Uterus des Weibchens ein, und bleibt dort sitzen. Larven, die im Laufe ihrer Wanderung in andere Organe gelangt sind, sterben ab (7, 8). Wo es zu sehr schweren Infektionen kommt - hauptsächlich in Fallen von künstlicher Infektion - können die wandernden Larven schwere Lungenblutungen und Lungenentzündun­gen hervorrufen. Die befaUenen Ratten sind blutarm, kümmernd, manche gehen sogar ad exitum. In den Lungen der Ratten mit schwerer Infektion zeigt die histologische Unter­suchung granulöse, entzündliche Veränderungen mit Hämosiderose, mit lokaler Eosino­philie, und ein Verschwinden der Schichtung in den Gefässwenden (3). Die in der Harn­blase verankerten, d. h. mit dem Kopfende an die Schleimhaut haftenden, reifen Würmer verursachen im Vergleich zu den wandernden Würmern nur gelindere Veränderungen. Die Harnblase erweitert sich ein wenig, die Wanddicke nimmt eventuell zu. Im histolo­gischen Befund zeigt die Blasenschleimhaut eine papilläre Wucherung hypertropisches Epithel, erweiterte Submucosa mit diffuser Einlagerung von Lymphozyten; die muskuläre Schleimhaut hat an Dicke zugenommen (3). Durch schwache infektionen wird der Gesund­heitszustand der Ratten nicht in bemerkbarem Masse gestört. Nach einigen Literaturangaben (1,5) sind die Würmer zum Teil für das Entstehen von strukturlosen mucoiden Steinen (calculus) von radiergummiartiger Konsistenz in der Harn­blase der Ratte verantwortlich. Wir sind anderer Meinung, da solche Steine auch in der Harnblase von nicht infizierten Ratten vorkommen. Aus der Tatsache, dass Harnsteine vornehmlich in männlichen Ratten vorkommen, kann darauf geschlossen werden, dass die Harnsteinbildung mit der Beschaffenheit des Geschlechtsapparates der männlichen Ratte zusammenhängt (wenn die Sekrete der Prostata und der Samenblase in die Harnblase zu­rückfliessen, so kann dies zur Bildung von Steinen führen). Es wurde auch die Anwesenheit von anderen Parasiten festgestellt. In den koprologi­schen Untersuchungen konnten in 135 von 223 Prüfproben ( = 60,5 %) Wurmeier nachgewie­sen werden, darunter Syphacia muris-Eier in 116 Proben ( = 52%), Hymenolepis nana­Ei­er in 13 Proben ( = 5, 8 %) und Aspiculuris tetraptera-Eier in 6 Proben (= 2, 6 %), Es soU hier auch darauf verwiesen werden, dass in einem der untersuchten Bestände auch Coc­cidium-Oozysten gefunden worden sind. II. Therapie Wir fanden nur einen Literaturbericht (1) über die Therapie der vorliegenden Para­sitose. Die Ratten erhielten über 8 Wochen ein mit 0,2% Furadantin (ein Nitrofurantoin­Derivat) medikiertes Futter. Obwohl die Infektion auf diese Weise bekämpft werden konn­te, war diese Behandlung auch nach der Meinung des Verfassers allzu kostspielig und langwierig, d. h. praktisch unbrachbar. Die Therapie der Trichosomoidose ist ein bisher ungelöstes Problem. Wir unternah­men deshalb Therapieversuche mit einigen verfügbaren, und unseres Erachtens einen Heilerfolg versprechenden Arzneipräparaten. Es wurde zunächst ein Gemisch von gleichen Teilen Tetrachlorkohlenstoff und Paraf­finöl untersucht. 20 weisse Ratten von durchschnittlich 300 g Körpergewicht, mit beste-

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