AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1978. Budapest (1980)

III. Az OSZK gyűjteményeiből és történetéből - Havasi Zoltán: 1919 és a Széchényi Országos Könyvtár - Das Jahr 1919 und die Nationalbibliothek Széchényi

DAS JAHR 1919 UND DIE NATIONALBIBLIOTHEK SZÉCHÉNYI Z. HAVASI Bislang bestand eine grosse Schuld darin, dass das Verhältnis zwischen der National­bibliothek Széchényi und der ersten ungarischen Arbeitermacht noch nicht hinreichend analysiert wurde. Dadurch war es auch noch nicht möglich Lehren aus dieser Beziehung abzuleiten. Das Bibliothekswesen der Räterepublik gestaltete sich fast ausschliesslich nach den Intentionen von Ervin Szabó, die im wesentlichen in den Jahrzehnten vor den Revolutionen von 1918/19 entstanden waren. Die Verantwortlichen für das nationale Bibliothekswesen waren 1919 bestrebt, diese bis dahin entwickelten Gedan­ken zu verwirklichen. Ervin Szabás Ansichten über das Zusammenwirken der wissenschaftlichen Bibliotheken soivie der Nationalbibliothek Ervin Szabó hat sich in keiner separaten Publikation zur Bibliothek des National­museums (— Nationalbibliothek) geäussert. Er kämpfte für die moderne, öffentliche Bibliothek (public library). Szabó dachte aber immer an ein über das ganze Land auszudehnendes Bibliothekssystem, wobei er eine sinnvolle Arbeitsteilung, aber auch Zusammenarbeit der verschiedenen Bibliotheksinstitutionen wollte. Er betrachtete die damalige Bibliothek des Nationalmuseums als zentralen Speicherplatz der ungari­schen und auf Ungarn bezogenen Literatur. Konsequent strebte er eine Arbeitsteilung aber auch Zusammenarbeit vor allem der Budapester wissenschaftlichen Biblio­theken an. Die Bibliothekspolitik der Räterepublik und die Széchényi-Landes- Bibliothek Ervin Szabó erlebte weder die Räterepublik noch die vorherigen bürgerliche Revolu­tion. Seine Schüler nahmen seine unter bürgerlichen Verhältnissen entstandenen, fortschrittlichen bibliothekarischen Ideen auf, entwickelten sie zeitgemäss weiter und überholten sie teilweise. Sie strebten eine zentrale Leitung der einzelnen Biblio­theken auf staatlicher Ebene an und wollten das sowohl für wissenschaftliche als auch allgemeinbildende Bibliotheken verstanden wissen. Selbstverständlich sollten dabei die grossen alten Bibliotheken einbezogen und deren überholter Arbeitsstil abgelöst werden. Die Leiter des Bibliothekswesens während der Räterepublik ergriffen die Initia­tive und erarbeiteten ein Programm, das sie in Bezug auf die Bildungs- und Biblio­thekspolitik durch Hinweise zu realisieren versuchten. Anfänglich blieb allerdings die Landesbibliothek aus ihren Betrachtungen ausgeschlossen. Die Széchényi-Landes­bibliothek war auf Grund ihrer herkömmlichen Struktur nicht so leicht in die Reform­struktur einzuordnen. Ausserdem war sie zusehr dem Organismus des Nationalmuseums verhaftet und deshalb schwer beweglich. Zur inneren Erneuerung fehlten die nötigen Voraussetzungen, so dass sie unfähig war entsprechend ihrem Rang eine Rolle in der revolutionären Umgestaltung einzunehmen. Die Beauftragten für das Bibliothekswesen in der Räterepublik kannten die historisch bedingten Gegebenheiten, wonach die Landesbibliothek Ungarns keine universelle Bibliothek war. Dabei waren sie sich aber auch darüber einig, das der Gedanke der universellen grossen, selbständigen Bibliothek ansich während der Räterepublik schon überholt war. Nach ihren Vorstellungen wäre es Aufgabe des Landesinstitutes für Bibliothekswesen und Bibliographie gewesen, das Bibliothekswe­sen des Landes, die mit den Bibliotheken verbundene wissenschaftliche Forschungs­tätigkeit und die volkserzieherische Tätigkeit einheitlich zu lenken und zu über­wachen. 244

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