AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1974-1975. Budapest (1978)

II. Az OSZK gyűjteményeiből és történetéből - Fallenbüchl Zoltán: Sigray László Ignác emlékirata - Die Memoiren des Barons László Ignác von Sigray

seine Studentenzeit, die eben in die Jahre des ungarischen Freiheitskampfes von Fürst Ferenc RÁKÓCZI II. fiel. Zur Gelegenheit seiner Prüfungen im Jahre 1712 und 1713 gab er, zusammen mit seinen Studiengefährten, zwei interessante Bücher seines Pro­motors, des Jesuitenpaters Mihály FÖLDVÁRI heraus. Beide Werke sind geschichtlichen Inhalts; die „Quaestiones historicae" (1712) bearbeiten die Frage der Ethnogenese der ungarischen Nation, die „Idea Principum. . ." (1713) ist ein Fürstenspiegel, der an die Regierung des berühmten Ungarnkönigs, MATTHIAS CORVINUS anknüpft. Nach Beendigung seiner Studien widmete sich SIGBAY den juridischen Studien, die er in der Praxis aneignen zu strebte. 1714 macht er eine Reise nach Krakau, wo er besonders von den Denkmälern beeindruckt wurde. Er hebt überall die ungarischen Beziehungen in seinen Memoiren hervor. Bei einen anderen Reise ist er Zeuge eines Attentates, wodurch der königlich-ungarische Hofkanzleiregestrator Imre ÚJVÁRI sein Leben einbüssen musste. Er schildert die Geschehnisse in lebhabter Weise. In den folgenden Jahren berichtet er von den ungarischen Landtagen und vom Türkenkrieg 1716—1719. Besonders gefallen ihm die in Wien erbauten grossen Kriegsschiffe, die entlang der Donau nach Belgrad fuhren. Er selbst wird 1717 Beamter des Komitates Pressburg. Als Gutsbesitzer interessi­eren ihn die Wetterverhältnisse, die Ernteerträge und die Steuererhebungen der Un­tertanen ganz besonders. Er selbst nimmt an Steuerkonskriptionen als Kommissarius teil. Im Jahre 1724 wurde sein Onkel Joseph in den Freiherrnstand erhoben, er selber aber gibt 1725 seine Stellung beim Komitate auf. Nun reist er nach Wien um eine höhere Anstellung zu erwerben. Erzbischof KOLLONITSCH ernannt ihn zu seinen Ple­nipotentiarius in Ungarn. Auch vom Kaiser wird er auf einer Privataudienz empfan­gen. Er bekommt aber keine Anstauung. Nun führt er seine Reisen fort und besucht die Bergstädte in Ungarn. 1728 wird er auf Grund der Verdienste seines Vaters in den Freiherrnstand gehoben. Von nun an aber kann er nur mehr für höhere Anstellungen werben, die aber ihm stets versagt werden. Stolz nimmt er an den Landtagen als neuer Magnat teil und berichtet von der Kämpfen die für die Aufrechterhaltung der Steuer­freiheit des ungarischen Adels gefochtet wurden. 1730 ist er wieder am kaiserlichen Hofe, nimmt in den Zerstreuungen der Höflinge teil, und berichtet von einem Opern­vortrag. Er nimmt auch an den industriellen Unternehmungen teil: will eine Bier­bräuerei in Pressburg öffnen. Da er aber immer mehr in Rechtsstreitigkeiten mit seinen Verwandten und anderen, zum Teil höhergestellten Magnatenfamilien geriet, verliert er sich immer mehr in diesen. Bei der Trauung von MARIA THERESIA mit FRANZ VON LOTHARINGEN ist er anwesend, und erregt staunen mit seinen schönen ungarischen Nationaltrachten. Er hegt auch Heiratspläne, die aber nicht verwirklicht werden. Dann beschreibt er die Kriegsereignisse der Jahre 1737 — 1739, wo auch sein Schwager, Freiherr von GRAU sein Leben verlor. Die Friedensverträge von 1740 geben ihm Ge­legenheit, die südlichen Teile Ungarns als freiwilliges Mitglied der kaiserlich-könig­lichen Gesandtschaft zu bereisen. Die Ereignisse der Tronfolge nach KARL III (VI.) schildert er lebhaft, nimmt aber am Österreichischen Erbfolgekrieg — im Gegenteil mit vielen seiner Standesgefährten — nicht teil, sondern macht eine Lustreise nach Salzburg und Oberösterreich. Er wird auch Mitglied einer Handelskompagnie, kauft einige Häuser in Wien und führt dort Schildwirtschaften. Er kränkelt oft, bewahrt aber reges Interesse für die politischen Geschehnisse, die er eifrig in seinen Erinnerungen wiedergibt. Von 1745, der Frankfurter Kaiserkrönung bis 1748, zum Friedensschluss be­schreibt der Verfasser der Memoiren die politischen Ereignisse, in seiner Schrift nehmen aber die Geschehnisse um ihn selber immer grösseren Platz ein. In die Gutsbesitzpro­zesse verwickelt, verliert er immer mehr das Interesse für die Aussenwelt. Nur beim Landtag 1751 gibt er noch einmal einen ausführlicheren Bericht über die Verhandlun­gen. Im Jahre 1753 verkauft er sein letztes Haus in Österreich. Sichtbar stehen seine finanziellen Gelegenheiten ungünstig. Aber 1755 — im letzten Jahre seiner Aufzeichnun­gen macht er noch eine grosse Reise im Transtybiscanischen und Transdanubiani­schen Gebiet. Am Endre des Jahres ist er wieder in Pressburg. Mit dem Jahr 1756 brechen seine Notizen ab. SIGRAY war ein literarisch nicht unbegabter Schriftsteller. Sein Latein ist voll­kommen, obwohl er ungarischer Muttersprache war. In den Einzeldarstellungen zeigt sich, trotz eines gewissen Chroniqueur-Stils immer wieder ein guter Beobachter und Erzähler. 194

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