AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1971-1972. Budapest (1973)
IV. Könyvtörténeti és művelődéstörténeti tanulmányok - Fallenbüchl Zoltán: Grassalkovics Antal aforizmái - Die „Langweiligen und krankhaften Gedanken" des Ungarischen Hofkammerpräsidenten Anton Grafen v. Grassalkovics
Werken — so z. B. mit PASCAL, LAROCHEFOUCAULT, LOGATJ, aber auch mit Baldasar GRACIAN und William DARRELL — jedoch steht ihr Wert darin, dass sie nicht Nachahmungen dieser, sondern originelle Empfindungen eines bedeutenden ungarischen Staatsmannes jener Zeit sind, und zwar eines Mannes, der sine Karriere nicht mit Hilfe einer vornehmen Verwandtschaft, sondern aus eigener Kraft gemacht hatte. Diese Tatsache ist schon an der grossen Zahl der Aphorismen, die sich mit dem Weg zum Erfolg, des gesellschaftlichen Durchringens beschäftigt, abzuwiegen. Aus den Sprüchen zeichnet sich die markante Persönlichkeit des Hofkammerpräsidenten so deutlich heraiis, dass die Autorenschaft auch ohne des Beweises der Autographie — die Handschrift ist mit einer etwas archaisierenden Kalligraphie verfasst — ganz sicherzunehmen ist. Aus dem Werk ist es erkenntlich, dass GRASSALKOVICS, wenn er auch ziemlich utilitaristisch gesinnt war, die christlichen moralischen Prinzipien achtete, und am katholischen Glauben festhielt. Sein Verhalten anderen Menschen gegenüber kann als gutmütig und patriarchal gekennzeichnet werden. Liebe und Freundschaft spielen bei ihm eine untergeordnete Rolle; sein Element ist Streben und Schaffen. Von der Aphorismensammlung ist auch eine Variante auf uns geblieben, mit dem selben Titel, ohne Widmung, die aus dem Jahre 1757 datiert ist. Sie wird in der Universitätsbibliothek Budapest, Handschriftensammlung, unter Signatur H 22 aufbewahrt. Dieser Text besteht aus 338 Sprüchen; 38 davon sind im ersterwähntem Bande nicht zu finden. Die Reihe der Gedanken lässt darauf schliessen, dass dieses Manuskript auch von GRASSALKOVICS stammt, aber eine andere Abfassung sei. Im Grund sind sie beiden Werke jedoch identisch, nur ist das zweite unvollständig. Das Werk kann als ein Versuch zu einer Sozialphilosophie betrachtet werden, wenn auch in loser, literarischer Form. Zugleich verrät das für einen kleinen Kreis bestimmte Büchlein Bestreben zur Aufrechterhaltung der ungarischen Sprache. Es zeigt deutlich, dass Sozialphilosophie und Bestrebung für die Wiederbelebung der ungarischen Nationalsprache auch in Ungarn — gegenüber einer allgemein verbreiteten Ansicht — nicht Mitgefährten der Aufklärungsepoche sind, sondern schon im Zeitalter des Barocks zur Geltung kommen. 345