AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1971-1972. Budapest (1973)
III. Az OSZK gyűjteményeiből és történetéből - Berlász Jenő: Jankovich Miklós könyvtári gyűjteményeinek kialakulása és sorsa - Werdegang und Schicksal der Bibliothek von Miklós Jankovich
nur so befreien, daß er 1832 seine Bibliothek samt seiner übrigen Sammlungen für 120 000 silberne Gulden dem Ungarischen Nationalmuseum und seiner Bibliothek, der SzéchényiNationalbibliothek verkaufte. III. Die kulturhistorisch so bedeutende Sammeltätigkeit JANKOVICH'S war jedoch mit diesem Akt nicht abgeschlossen. Auf die Ausübung seiner edlen Leidenschaft konnte er nicht verzichten. Nachdem er seine Schulden beglichen hatte, begann er wieder zu sammeln. Diese zweite Periode, die von 1833 bis 1846 dauerte, kam der Bedeutung der ersten Etappe bei weitem nicht nach. Nicht nur deshalb, weil eben er selbst die einheimischen Quellen hinsichtlich alter und seltener „Hungarica" in den vergangenen Jahrzehnten in solchem Maße ausschöpfte, daß ähnliche Ergebnisse überhaupt nicht mehr erzielt werden konnten, sondern auch deshalb, weil der verarmte Bibliophile solcher materiellen Investitionen wie früher, nicht mehr fähig war. Innerhalb eines Jahrzehntes hat er jedoch wieder eine Bibliothek von mehreren tausend Bänden, anderthalbtausend Urkunden, eine reiche Stich- und Münzensammlung und einen kleinen, etwa ein Dutzend zählenden, jedoch aus wertvollen Stücken bestehenden, mittelalterlichen Handschriftenbestand zusammengebracht. Leider können wir in dieser zweiten Sammlung solche festgesetzte Kategorien, wie bei der ersteren, nicht mehr feststellen. Auch wenn solches geplant wurde, konnte es infolge des zweiten, endgültigen Bankrotts nicht mehr durchgeführt werden. Die Gläubiger stellten den namhaften Bibliophilen unter Kuratel und ließen alle seine Einnahmequellen beschlagnahmen. Körperlich und geistig gebrochen starb JANKOVICH im Frühjahr 1846, im Alter von 74 Jahren. Auf seinen kulturellen Nachlaß hat das Ungarische Nationalmuseum — aufgrund einer fehlinterpretierten L T rkünde — Anspruch erhoben und hat gegen die Erben Klage eingereicht. Nach einem mehrjährigen Prozeß wurde die Klage jedoch zurückgewiesen, und die Familie erhielt freies Verfügungsrecht. Da aber das Museum die zweite Bibliothek JAJCKOVICH'S mit allen ihren Beständen nicht ankaufen wollte — seine materielle Lage hätte es ihm auch nicht erlaubt — ließen die Erben sie an einer öffentlichen Auktion versteigern. Während der im Jahre 1852 zu Pest erfolgten Versteigerung hat sich die Széchényi-Bibliothek aufgrund ihres Vorkaufrechts nur einige Teile der Sammlung erworben: 12 mittelalterliche Kodizes, 10 alte und seltene Drucke, 90 Bände bzw. Bündel neuzeitliche Hss. und 1448 Urkunden. Den weiteren Teil der Sammlung, obwohl nicht den vollständigen Rest, haben Buchhändler und Privatsammler aufgekauft. IV. Die Széchényi-Nationalbibliothek hat die solcherweise erworbenen jAXKOViCH'schen Sammlungen über vier Jahrzehnte lang als „Corpus separatum" aufbewahrt, getrennt sowohl von der ursprünglichen SzÉCHÉNYi-Sammlung als auch von anderen, neueren Bestandteilen. Während der Reorganisation der Bibliothek zwischen 1869—1875 wurde diese Trennung leider aufgehoben: Die „Jankovich-Klasse" wurde mit anderen historischen Sammlungen (SZÉCHÉNYI-, ILLÉSHÁZY-, HoRVÁT-Bibliothek) vermengt. Die so entstandene, vereinheitlichte Bibliothek wurde dann nach den Klassen des Münchener Systems geordnet und neu aufgestellt. In diesem System zerfiel die JANKOVICH-Bibliothek auf ihre Bestandteile. Nicht nur die Struktur der vielfachen, komplexen Sammlung verschwand endgültig, sondern auch die Zugehörigkeit der einzelnen Stücke ist zumeist nicht mehr festzustellen. Die JANKOViCH'sche Provenienz ist nämlich bei einer Handschrift oder bei einem Druck nur in dem Falle erkenntlich, wenn darin sein Besitzervermerk oder Stempel aufzufinden ist. Ein Vermerk über die Provenienz wurde nämlich während der Neuordnung der Bibliothek nirgends eingetragen. Diese Pietätslosigkeit den JANKOViCH'schen Sammlungen gegenüber erwies sich nicht nur in der Zerstörung der ursprünglichen Strukturprinzipien, sondern auch in der Veräußerung einiger Bestandteile. Während des vergangenen Jahrhunderts wurden auf Anordnung der obersten staatlichen Behörden einige Gruppen der Sammlung wiederholt ausgesondert und anderen Institutionen übergeben. Solches Schicksal wtirde den Urkunden, der Sektion der öffentlichen und Privatakten, sowie den Stichen zuteil. Es kam auch vor, daß 232 Handschriften der ehemaligen JANKOViCH'schen „Bibliotheca Germanica" aus dem 14—16. Jh. als Tauschobjekte für das Hunyadi-Archiv 1896 dem Königlichen Bayerischen Archiv überlassen wurden. Die so zerfallenen JANKOViCH'schen Sammlungen wollte der vorliegende Aufsatz in ihren Umrissen — mindestens „pro memoria" — rekonstruieren. 173