AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1971-1972. Budapest (1973)

III. Az OSZK gyűjteményeiből és történetéből - Berlász Jenő: Jankovich Miklós könyvtári gyűjteményeinek kialakulása és sorsa - Werdegang und Schicksal der Bibliothek von Miklós Jankovich

Werdegang und Schicksal der Bibliothek von Miklós Jankovich J. BERLÁSZ Die Széchényi-Nationalbibliothek entledigt sich mit dem vorliegenden Aufsatz des Verfassers einer alten moralischen Schuld. Die reichhaltigen und vielfältigen Sammlungen Miklós JANKOVICH'S bilden ja den bedeutendsten Teil jener Bestände der Nationalbibliothek, die am Anfang des vorigen Jahrhunderts zu den Grundbeständen gerechnet werden konnten. Sie sind wertvoller als der eigentliche Grundstock der Bibliothek, mit dem Graf Ferenc SZÉCHÉNYI 1802 die Institution begründete. Die Széchényischen Bücher- und Handschrif­tenbestände waren nämlich dem damaligen Verhältnissen nach im allgemeinen rezenten Charakters, sie umfaßten zumeist den im 18. Jh. entstandenen Teil unserer geistigen Produk­tion, von den früheren einheimischen Drucksachen, geschweige von Kodizes ungarischer Provenienz, enthielten sie nur wenige Stücke. Diese große Lücke wurde im Jahre 1832 durch die Erwerbung der JANKOviCH'schen Sammlungen gefüllt. Durch diesen Kauf erwarb sich die Nationalbibliothek solche Mengen altungarischer Büeherschätze, die sie sich durch eigene Sammeltätigkeit kaum je aneignen gekonnt hätte. Die Bibliothek versäumte damals jedoch, diese wertvollen Anschaffungen zu registrieren. Später konnte man — aus technischen Gründen — nicht mehr verzeichnen und ermessen, was sie für die Nationalbibliothek bedeutet haben. Der Verfasser versuchte nun, nach annähernd anderthalb Jahrhunderten, diese wichtige Frage aufgrund von Archiv- und Aktenforschungen zu klären. Er ist aber z. T. auch weiter­gegangen, indem er sich nicht nur die quantitative und qualitative Feststellung dieser Samm­lungen zum Ziele setzte, sondern im Zusammenhang mit den bisher kaum geklärten Lebens­umständen JANKOVICH'S auch die Entstehung seiner Bibliothek untersuchte. Der Aufsatz gliedert sich auf vier Hauptteile. Der erste (I) behandelt die Abstammung und das Erwachen des kulturellen Sendungsbewußtseins JANKOVICH'S; der zweite (II) schil­dert seine erste Sammeltätigkeit zwischen 1790—1832, die Entstehung und die Struktur seiner Sammlungen sowie ihren Verkauf an die Nationalbibliothek. Im dritten Hauptteil (III) werden die Entstehung und die Auflösung einer zweiten Sammlung zwischen 1833 — 1846 geschildert. Der vierte Teil (IV) gibt schließlich einen Überblick über die Schicksale der in die Nationalbibliothek geratenen Sammlungen. I. Miklós JANKOVICH entstammte einer zur Zeit der türkischen Invasion im 16—17. Jh. nach Nordungarn eingewanderten Familie kroatischen Ursprungs. Seine zunächst armen und unbekannten Vorfahren gewannen durch Studium, militärische Verdienste und glückliche Heiraten an Bedeutung, erwarben sich in der Nähe von Buda-Pest ausgedehnte Adelsgüter und spielten sowohl in der Provinz als auch in der Hauptstadt eine bedeutende Rolle im gesellschaftlichen Leben. Miklós JANKOVICH wurde 1772 geboren. Seine Schul- und Univer­sitätsausbildung fielen in die Regierungszeit JOSEPH II., in die Zeit der josephinischen Auf­klärung. Auf ihn übten die gelehrten Professoren der Budapester Universität, besonders Dániel CORNIDES, aber auch andere hervorragende Literaten, wie Márton György KOVACHICH, der unermüdliche Erforscher altungarischer Rechtsquellen, eine große Wirkung aus. Diese Männer erweckten in ihm das Interesse für alte Bücher, Handschriften, Urkunden und andere historische Schätze. II. JANKOVICH war noch kein Zwanziger, als er bereits begann, aus wissenschaftlichem Interesse und aus bibliophiler Neigung, Bücher aber atich Münzen und andere Antiquitäten zu sammeln. Seine zunächst ohne ideelle Zielsetzungen begonnene Sammeltätigkeit gewann in den 90er Jahren des 18. Jhs., als das nationale Bewußtsein auf die Wirkung der franzö­sischen Revolution auch im ungarischen Adel erwachte, eine patriotisch fundierte Richtung : die Rettung der kuturellen Schätze der ungarischen Vergangenheit. Auch er, wie Graf Ferenc SZÉCHÉNYI, hat sich die Schaffung einer möglichst vollständigen Hungarica-Sammlung zum Ziel gesetzt. Er war zu bedeutenden Opfern bereit, um die Bücher, Manuskripte, den geisti­gen Nachlaß verstorbener ungarischer Sammler, Gelehrten und Literaten zu erwerben. Um die Wende des 18—19. Jhs. kaufte er eine ganze Reihe berühmter und wertvoller Sammlungen auf, etwa den vollständigen geistigen Nachlaß von K. WAGNER, K. FEJÉRVÁRY, Z. T. den von S. KAZAY, die auf verschiedenen Gebieten des Landes lagen. Innerhalb einiger Jahrzehnte entwickelte sich seine „Bibliotheca Hungarica" zu einem Hort hervorragender Bücherschätze. Ihm gelang das, was SZÉCHÉNYI nicht erreichen konnte : das Zusammenbringen einer Anzahl ungarischer Frühdrucke. Außerdem machte er viele mittelalterliche Handschriften ungarischer 171

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