AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1967. Budapest (1969)

II. Az OSZK történetéből - Berlász Jenő: Az Illésházy-könyvtár. Fejezet az Országos Széchényi Könyvtár állománytörténetéből - Die Illésházy-Bibliothek (Ein Kapitel aus der Bestandsentwicklung der Széchényi Nationalbibliothek)

Jahre 1792 — 1799, die andere ist eine Widerspiegelung des Bibliothekszustandes in den Jahren 1806 — 1832. Die Überprüfung musste sich vorzugsweise auf das letztere Akzessions­verzeichnis stützen, da hierin auch der frühere Bestand der Bibliothek verzeichnet ist. In Anbetracht des komplizierten und unklaren Inventarisierungsverfahrens der AkzessionsVer­zeichnisse jedoch mussten alle statistischen Erhebungen und qualitativen Wertschätzungen mit grosser Vorsicht aufgestellt werden. Andererseits konnte wegen des grossen Bestandsumfanges (das erwähnte zweite Akzes­sionsverzeichnis umfasst 7 Foliobände) von einer individuellen Beschäftigung mit den einzel­nen Bänden der Bibliothek nicht die Rede sein. Das heisst, der Verfasser musste eine Methode finden, die es über die wissenschaftlich-fachliche Klassifizierung der Sammlung hinaus mög­lich machte, repräsentative Werke auszuwählen, die geeignet waren, die literarische und wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung des Materials, auch in Hinsicht aiif die ungarische kulturgeschichtliche Entwicklung, zum Ausdruck zu bringen. Bei der quantitativen Einschätzung stellte sich heraus, dass die Illésházy-Bibliothek in ihrer vollkommensten Form um 1832 fast 6000 Werke in ungefähr 8000 Bänden umfasste. Dieser Bestand setzte sich zusammen aus 93,9% gedruckter Bücher, 3,4% Atlanten und Land­karten, 1,9% Inkunabeln und Rara sowie 0,8% Handschriften. Der Buchbestand umfasst fünf Wissenschaftsgebiete : Religion, Rechtswissenschaft, Medizin, Philosophie und Philologie. Die Bibliothek war also dem damaligen Stand der Kultur entsprechend eine universale Sammlung, d. h. sie erstreckte sich auf alle damals bekannten Gebiete der Wissenschaften, sowie auf die damalige Produktion der sich ausserhalb der Wissenschaften entwickelnden Belletristik. Die sog. Fachgruppe „Philologie" umfasste weniger sprach- und literaturwissenschaftliche Werke, eher Literatur sui generis, Werke der Poesie, Dramen- und Romanliteratur. Unterteilt nach den einzelnen Fachgruppen bringt der Verfasser eine Übersicht über wissenschaftliche Werke der Sammlung, aufgeschlüsselt prozentual in 1. chronologische Ein­teilung nach Jahrhunderten 2. geographische Ursprungsorte nach Ländern und den wichtig­sten Druckerorten und 3. sprachliche Gliederung. Mit diesen Angaben versucht der Verfasser einerseits den Prozess der geschichtlichen Entwicklung der Bibliothek zu motivieren und andererseits Grösse und Kraft der kulturellen Einflüsse, denen die ungarische Kultur unterlag, zu bewerten. Über diese quantitativen Beurteilungsmasstäbe hinaus bringt das zweite Kapitel auch eigene qualitative Einschätzung­en. Innerhalb der grossen Fachgruppen ist der Verfasser sorgfältig bemüht, Teilwissenschaf­ten und Disziplinen zu erschliessen imd ihre wissenschaftsgeschichtlichen Vertreter vorzu­stellen, um zu veranschaulichen, inwieweit die Illésházy-Sammlung den Prozess der Entfaltung der europäischen bzw. ungarischen Wissenschaftsliteratur widerspiegelt. In der Fachgruppe Theologie z. B. zeigt sich in den Buchtiteln der Kampf der Aufklärung bzw. des Absolutismus mit dem barocken Jesuitismus. In der Rechtswissenschaft kommt der Einfluss der aufgeklär­ten Rechtsideen auf die Universitätslehre, die Gesetzgebung und die Rechtssprechung zum Ausdruck sowie der parallel mit der Kapitalverbindung des wirtschaftlichen Lebens verlau­fende Übergang der traditionellen Jurisprudenz in die moderne Staats- und Rechtswissen­schaft. In der Fachgruppe Medizin zeigt sich der Wettstreit zwischen den modernen wahren wissenschaftlichen Bestrebungen und den pseudowissenschaftlichen Richtungen. Die Gruppe Philosophie veranschaulicht den Übergang der alten Naturwissenschaftsphilosophie zu Grund­lagenwissenschaften, angewandten Wissenschaften und praktischer Technologie. In der Gruppe Philologie schliesslich zeigt sich die teilweise Abwendung von den wissenschaftlichen Kultur der Aufklärung und die mächtige Emanzipation der poetischen Künste. Neben dem allgemeinen Buchbestand bringt das Kapitel auch mit zahlreichen Abbil­chingen eine genaue Information über die Inkunabeln und Rara der Sammlung sowie über die Handschriften, unter denen sich mehrere mittelalterliche Kodizes und auch ein Corvin­Kodex (Ranzanus : Epitome rerum Hungaricarum) befinden, weiterhin informiert es über den karthographischen und graphischen Teil, in dem aiich Stiche von Jacopo Strada, David Tenters und Johann Ulrich Kraus enthalten sind. Das dritte Kapitel rekonstruirt gestützt auf biographische, geneologische und schul­ungsgeschichtlichtliche Angaben, sowie auf authographische Notizen aus einzelnen Stücken der Illésházy-Sammlung den geschichtlichen Prozess der Gestaltung der Dubnicer Bibliothek. Die Bibliothek ist das Ergebnis der Sammlertätigkeit von sieben Generationen, ihre ersten Anfänge liegen zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert. Abschliessend soll betont werden, dass zum Zustandekommen der Sammlung eine andere alte ungarische Aristokratenfamilie bei­getragen hat, u. z. die teilweise Erwerbung der humanistischen Bibliothek des Grafen Thurzó. 7 Évkönyv 97

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