AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1967. Budapest (1969)

II. Az OSZK történetéből - Ferenczyné Wendelin Lidia: Az Országos Széchényi Könyvtár ún. világháborús- és proletárdiktatúra-gy?jteménye - Geschichtliches über die Sammlungen „Weltkrieg" und „Diktatur des Proletariats" in der Széchényi Nationalbibliothek

nenden Druckerzeugnisse wurde aufgrund von Aufrufen in den Tagesblättern, durch Schenkun­gen und durch Ablieferungen von seiten der Behörden garantiert. Aber die Beschaffung der unübersehbaren Menge der ausländischen Dokumente überstieg im Laufe der Jahre die finan­ziellen Mittel, die der Bibliothek zur Verfügung standen. Das bewies zuerst innerhalb der Bestandserweiterung eine Verschiebung der Proportionen zum Nachteil der ausländischen Standardwerke mit nicht militärischem Inhalt und brachte ein Absinken des wissenschaft­lichen Niveaus der Nationalbibliothek mit sieh. Später jedoch infolge des zahlenmässigen Anwachsens der Kriegsliterafrur imd der gleichzeitigen Abwertung der ungarischen Währung waren ausländische Bestellungen immer mehr eine Quelle wachsender Besorgnis. Die be­deutendste Verbindung kam mit dem Genfer Argus Suisse de la Presse zustande, das die wich­tigsten ausländischen Tageszeitungen, Zeitungsausschnitte über auf Ungarn bezügliches Artikelmaterial und ausländische militärische Bücher lieferte, in so grossen Mengen, dass die Széchényi Nationalbibliothek erst fünf Jahre nach Beendigung des Krieges durch eine besondere finanzielle Unterstützung der Regierung in der Lage war, ihre Schulden zu be­gleichen. Danach vom Jahre 1918 an war es natürlich nicht möglich, an eine weitere metho­dische Entwicklung der damals auf 133 519 Einheiten angewachsenen Sammlung zu den­ken. Die angefangenen Schriftenreihen und Zeitschriften blieben als ein ewiges Fragment im Bestand. Das in vier Hauptgruppen (1. amtliche Druckerzeugnisse 2. nichtamtliche Drucker­zeugnisse 3. Bücher 4. Manuskripte) geordnete Material, das anfänglich innerhalb der Biblio­thek fast eine selbständige Bibliothek bildete, wurde in den späteren Jahren nach formalen Gesichtspunkten getrennt und kam zur Aufbewahrung in die zuständigen Magazine, so fand dieses im Anfang von einer wissenschaftlichen Zielsetzung geleitete, aber in seinen Möglich­keiten und Bedingungen nicht durchdachte Bibliotheksunternehmen ein Ende. Die zweite ehemalige Sondersammlung, die sog. Sammlung „Diktatur des Proletariats" wurde schon von realeren Vorstelhmgen ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe war zu Anfang die Bewahrung der Druckerzeugnisse der Ungarischen Räterepublik des Jahres 1919, dieser Sammelkreis wurde später teils auf Dokumente der Geschichte der ungarischen Arbeiter­bewegung vor 1919, teils auf illegale Presseerzeugnisse aus der Zeit nach dem Sturz der Räte­republik, sowie auch auf aLisländische Emigrantenliteratur erweitert. Die Grundlage für die Sammlung bildete das Material des Proletarischen Museums, das zur Zeit der Räterepublik gegründet worden war. Am 29. September 1919 kam es auf amtlichem Wege in den Besitz der Nationalbibliothek Széchényi. Aber zu ihrer Weiterentwicklung musste schon das ganze System der Beschaffungsquellen aiisgebaut werden, da der weisse Terror die Beschlagnahme der kommunistischen und linksgerichteten Presseerzeugnisse, später sogar ihre Verbrennung anordnete. Als Ergebnis mehrmaliger Verhandlungen und Eingaben erlangte die Bibliothek das Recht, sowohl die vom Postverkehr ausgeschlossenen und deswegen vereinnahmten, wie auch die im Laufe verschiedener Prozesse beschlagnahmten Presseerzeugnisse, weiterhin die von der Staatsanwahltschaft zensierten und zur Verbreitung nicht zugelassenen Exemplare auszuwählen, und entsprechend ihrer Aufgabe als Nationalbibliothek für die Nachwelt auf' zubewahren. Neben den inländischen Erwerbungsquellen gelang es durch im Ausland leben­den ungarischen Mittelsmännern, die bedeutende ausländische Emigrantenliteratur zu be­schaffen. Der so zusammengetragene vollständige Bestand (Bücher, Fotografien, Manus­kripte, Broschüren und Periodica) umfasste 19 713 Bucheinheiten. Seine Benutzung war bis zum Jahre 1945 an eine Genehmigung des Direktors gebunden. Später nach stufen weiser moderner Einarbeitung verschmolz die Sammlung mit dem Grundbestand der Bibliothek, die auf diese Weise die literarische Produktion eines bedeutenden Zeitabschnittes der unga­rischen Geschichte bewahrt. 277

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