AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1965-1966. Budapest (1967)

IV. Könyvtörténet, könyvtártörténet, művelődéstörténet - Dezsényi Béla: Gratzer Frauenjournal Österreichs und Hungariens Töchtern gewidmet… Egy XVIII. századi női folyóirat helye az osztrák és a magyar sajtó történetében - Gratzer-Frauenjournal, Oesterreichs und Hungariens Töchtern gewidmet… Die Bedeutung einer Frauenzeitschrift vom XVIII. Jahrhundert für die österreichische und ungarische Pressegeschichte

Journal, Oesterreichs und Hungariens Töchtern gewidmet von neun Freundinnen ihres Ge­schlechts. Im Artikel werden die drei Oktavbände nach zwei Gesichtspunkten untersucht, namentlich werden erstens die ungarischen Belange erörtert, zweitens die Stellung der kleinen Zeitschrift in der allgemeinen Geschichte der Frauen periodik, mit besonderer Berücksichtigung Österreichs und Südosteuropas. Es stellt sich heraus, dass das Frauen journal nicht in die Kategorie der Blätter eingereiht werden kann, welche zwar in Österreich (Wien) verlegt und gedruckt wurden, deren Inhalt aber ausschließlich oder fast ausschließlich die damaligen Länder der ungarischen Krone betraf (als solche waren von jeher die Allergnädigst privilegier­ten Anzeigen von Tersztyánszky bekannt, und dasselbe gilt auch von den Ephemerides Vin­dobonenses). Es liegt aber auf der Hand, dass die Absicht, Leser und auch Mitarbeiter, ja sogar Anzeigenkunden aus Ungarn (vorwiegend von den deutsch als Muttersprache sprechenden ungarischen Stadtbürgern) zu werben, bestanden hat. Aus dem Inhalt von ungarischem Belang sind nicht sowohl die von unbekannten ungarischen Damen eingesandten, ohne Verfassernamen erschienenen literarischen Produkte (ein Vers, eine Erzählung, eine philosophische Plauderei) zu erwähnen, als die Berichte über Vostellungen des deutschen Theaters in Ofen und Pest, zumal aus diesen frühen Jahren der deutschen Schauspieler-Truppen sonst keine ausführliche Rezensionen bekannt sind. Was die zweite Frage betrifft, gibt Verfasser der Vermutung Ausdruck, dass das Frauen­journal vielleicht einer näheren Untersuchung als frühe und verhältnismässig langlebige Vertreterin ihrer Gattung würdig ist. Es wurde bisher unseres Erachtens nicht genügend erwogen, dass das Frauenjournal unter verschiedenen Namen (der erste Titel lautete Journal für Damen und andere Frauenzimmer, in der Literatur wird zumeist nur dieser Titel angeführt) sechs Jahre lang hartnäckig sein Leben behauptete, und das in einer Zeit wo im Habsburger­reich die Zeitschriften der Aufklärung den Behörden immer weniger beliebt waren. In Wien schrumpfte die unter Joseph IL aufgeblühte Zeitschriftenliteratur ganz zusammen, in Graz behauptete sich das kleine Frauenjournal bis tief in die polizeilich jeweilig strenger über­wachten neunziger Jahre hinein. Dabei hat es gar kein Hehl aus seiner aufklärerischen, franzosenfreundlichen Gesinnung gemacht — worin sie übrigens mit der gleichaltrigen un­garisch-sprachigen Presse in Wien auf gleichem Fusse stand. Eine vollgültige Wertung des interessanten kleinen Blättchens ist aber an Hand unseres unvollständigen Exemplars nicht möglich. 407

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