Szekessy Vilmos (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 57. (Budapest 1965)

Kretzoi, M.: Die Hipparion-Fauna von Györszentmárton in NW-Ungarn

phie-System eingestuft. Letzteres wird auch sonst von Faunistikern, die Unterschiede aller Art zwischen Hipparion-FRunen bloss als Fazies-Unterschied betrachten, ange­nommen. Anders steht es, wenn wir — wie es auch Verf. seit etwa 38 Jahren tut (KRETZOI 1927, 1961 usw.) — die Unterschiede zwischen verschiedenen Hipparion-Faunen nicht allein als Zeichen fazieller Unterschiede, sondern ebenso auch als Zeichen faunenge­schichtlich-chronologischer Abweichungen betrachten. Und schenken wir der faunis­tischen Zusammensetzung der einzelnen Hipparion-Faunen — undzwar so der quali­tativen Zusammensetzung — mehr Aufmerksamkeit, als üblich, so müssen wir die einzelnen Schritte der Entwicklung in der Zusammensetzung des Artbestandes und ihrer Dominanzverhältnisse daran erkennen — und werden wir es auch verstehen chronologisch besser zu werten. Diese Umwälzung im Faunenbild lässt sich in zwei Richtungen Verfolgen : er­stens im Verschwinden typisch miozäner Nachzügler-Formen und Auftauchen moder­ner Faunenelemente, andererseits im schrittweisen Zurückweichen der Waldstandort­bewohner und Vorstoss der Grasslandformen. Letzterer Vorgang ist an unserer Fauna nicht zu verfolgen ; dazu ist sie zu Arten- und auch Individuenarm. Dagegen kann über die einzelnen Arten der kleinen Faunengemeinschaft einiges festgestellt werden, was zu ihrer chronologischen Deutung wohl beitragen wird. Das erste, was uns in dieser Beziehung auffallen muss, ist der Anklang mehrerer Arten der Fauna (Chalieomys, Eomellivora, Procapra) an die ältere, dh. alt- oberpan­nonische, Fauna von Csákvár, im Gegenteil zu den jüngeren, d.i. jung-oberpannoni­schen Faunen Baltavár und Polgárdi. Inzwischen dürfen wir natürlich auch das nicht vergessen, dass zwischen letzteren und Győrszentmárton — oder wenigstens diesem und Polgárdi — fazieller Unterschied bestand; Polgárdi war eine Karsthöhle. Das war aber auch Csákvár! Ausserdem vergleichen wir nicht etwa das Verhältnis Cerviden : Gazellen, sondern nur die feinsystematischen Verhältnisse derselben Formen (d.h. Chalieomys zu Chalieomys, Gazelle zu Gazelle, usw.). In dieser Beziehung dürfen wir wohl einfach auf das im beschreibenden Teil aus­geführte zurückverweisen, indem wir eine Mittelstellung der Fauna zwischen Csákvár und Baltavár-Polgárdi annehmen, bzw. die mehr primitive Entwicklungsstufe der einzehlnen Formen von Győrszentmárton im Vergleich mit den entsprechenden Ty­pen der Faunen von Baltavár und Polgárdi unterstreichen, wobei nicht verschwiegen werden darf, dass diese Unterschiede sehr subtil sind und bei den meisten Formen, wie z.B. eben bei der Gazelle, infolge der Sonderstellung der Győrszentmárton-Form, keine Vergleichsbasis vorliegt. Das wir trotz diesen recht schwachen Argumenten an einer entschiedenen chro­nologischen Reihenfolge Csákvár, Győrszentmárton und Baltavár-Polgárdi festhal­ten, ist durch malakologische Befunde begründet; Győrszentmárton führt eine Mol­luskenfauna, die die Fundschicht der Wirbeltierreste ins Congeria balatonica-triangu­Zarä-Horizont, d.h. in den oberen Teil des Oberpannon verweist. (STRAUSZ, 1942: BARTH A, 1959 und mdl. Mitt.) Nachdem aber Baltavár zum Unio „wetzlerV -Tacheo­campylea-N'w eau des ausgehenden Pannon zuzuschreiben ist, besteht zwischen beiden entschieden ein Altersunterschied. Was dabei auch weiterhin ein Problem bleibt, ist die durch den relativ kleinen Unterschied in der Altersstellung nicht begründete grosse Abweichung in einzelnen Formen (Eomellivora, Procapra) zwischen Győrszentmárton und Baltavár-Polgárdi. Inwieweit dies mehr auf die Rechnung der ökologischen Verhältnisse zu schreiben ist, kann aber im Augenblick nicht entschieden werden.

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