Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 9. (Budapest 1911)
Méhely, L.: Systematisch-phylogenetische Studien an Viperiden
188 L. v. J1ÉHELY viertes Material zur Hand, so wird es sofort klar, dass diese Form einen für sich abgeschlossenen, besonderen Typus darstellt, der von V. Ursinii unbedingt abgetrennt werden muss. Ich bin überzeugt, dass sich die Trennung auch in der Natur so scharf vollzogen hat, dass sich beide Formen, obwohl äusserst nahe verwandt, als besondere Arten gegenüberstehen : hierbei will ich aber zugelten, dass über die Artberechtigung der hercegovinischen Form unter Umständen viel Tinte vergossen werden könnte, da die Richtigkeit meines Standpunktes nur auf Grund eines reicheren Materiales und nur bei gehöriger Vertiefung in den Gegenstand erkannt werden kann. Wird man durch die im allgemeinen gewiss vollkommen richtige Anschauung beherrscht, dass zwei Formen, deren Schuppenreihen, Baucliund Schwanzschilder dieselbe Anzahl aufweisen und die einander auch im Gesamthabitus und den Hauptzügen ihrer Organisation nahe stehen, nicht zwei selbständigen Arten angehören können, so kann die hercegovinische Form nur für eine Subspecies von Vipera Ursinii gegolten lassen werden, sobald man aber die höchst interessante Thatsache erkannt hat, dass diese beiden Formen durch ganz entgegengesetzte Organisationsmerkmale gekennzeichnet werden, demnach Produkte entgegengesetzter Evolutions rieh tu n gen sind, die auch durch prinzipiell abweichende etliologisehe Eigenschaften getrennt werden, kann man keinen Augenblick im Zweifel sein, dass Vipera macrop s, wie ich die liercegovinische Peliatide benennen will, eine selbständige Art der Ursinii-Gruppe darstellt, die sich von V. Ursinii auch in der Beschaffenheit ihres Schädels deutlich unterscheidet. Um einen tieferen Einblick in die genetische Verkettung dieser Formengruppe zu gewinnen, war ich genöthigt auch das verwandte Material von V. Ursinii und U. Renardi in den Kreis meiner Untersuchungen zu ziehen, wobei ich seitens meiner Fachgenossen mit der grössten Liberalität unterstützt wurde. Aufrichtigen Dank schulde ich hierfür den Herren : Prof. WERNER, Hofrath Dr. STEINDACHNER und Prof. SIEBENROCK in Wien, Prof. CAMERANO und Graf PERACCA in Turin. A. BRAUNER in Odessa, Sanitätsrath Dr. BOEDIGER und 0. ZUR STRASSEN in Frankfurt a. M., Schulrath Dr. SCHREIBER in Görz und Dr. KRUMBACH in Rovigno, in erster Linie aber dem Herrn Hauptmann G. VEITH in Bilek, dessen Bemühungen ich das prächtige Material aus der Hercegovina zu verdanken habe. Aus meinen Untersuchungen ergab sich nun, dass der Formenkreis von Vipera Ursinii, mit den Arten : Ursinii, macrops und Renardi eine einheitlich geschlossene phylogenetische Gruppe bildet, die der bisher