Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 5. (Budapest 1907)

Méhely, L.: Archaeo- und Neolacerten. (Erwiederung an die Herren G. A. Boulenger, F. R. S. und Dr. F. Werner)

492 L. v. M ÉH ULY Übrigens bin ich in der Lage die Richtigkeit meiner Charakteri­sierung auch durch sehr wichtige morphologische Thatsachen unter­stützen zu können. Der Schwanz der Archaeolacerten ist nämlich gewöhnlich zart, lang, dünn, mehr oder weniger peitschenförmig, dabei äusserst gebrech­lich und sehr empfindlich, da eine jede obere Schwanzschuppe in der Nähe ihres Hinterrandes mit einer — bisher unbekannten — Sinnes­knospe versehen ist Am schärfsten tritt dies bei Lacerta graeca BEDR. zum Vorschein, aber die Erscheinung ist auch bei anderen platy­cephalen Arten stets deutlich wahrzunehmen. Bei den Neolacerten hingegen ist der Schwanz kräftiger, kürzer und gedrungener, mehr rübenförmig, dabei weniger gebrechlich und auch viel weniger empfindlich, da die Sinnesknospen mehr oder weniger rück­gebildet, öfters sogar ganz verschwunden sind. Dem gemäss werfen die Archaeolacerten ihren Schwanz mit der grö8sten Leichtigkeit, oft schon bei der zartesten Berührung ihrem Ver­folger zum Opfer hin. so z. B. Lacerta Danfordi und Apdtliya cappa­docica, deren im Sonnenschein hellgrün glitzernder Schwanz laut Dr. A. LENDL'S Mittheilung 1 bei der leisesten Berührung und öfters in mehreren Stücken am Boden liegen bleibt. Der Schwanz der Neola­certen ist aber bedeutend kräftiger, so dass das Thier oft beim Schwanz erfasst aus seinem Schlupfwinkel herausgezogen werden kann, ohne dass derselbe Schaden leidet. Hieraus geht klar hervor, dass der Schwanz der Archaeolacerten ein passives Vertheidigungsorgan darstellt, der der Neolacerten aber zu einem activen Bewegungsorgan geworden ist, welches beim Lauf und Sprung als Balancierstange zur Verwendung kommt, ähnlich, wie der steif ausgestreckte Schwanz des springenden Eichhörnchens. 2 Diese constitutionelle Verschiedenheit spricht ebenfalls unverkenn­bar für die Richtigkeit meiner ethologischen Skizze, da es zweifellos sein dürfte, dass die kräftigeren, hurtigeren Arten eben infoige ihrer schnelleren Bewegung den kräftigeren, weniger gebrechlichen und weniger empfindlichen Schwanz erworben haben. + 1 Természet, Budapest, IX, 1907, p. 278. 2 Auf letztere Verwendung des Lacerten-Schwanzes hat schon Prof. LEYDIG in seinem classischen Werke («Die in Deutschland lebenden Arten der Saurier», 1872, p. 165) hingewiesen.

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