Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 5. (Budapest 1907)
Méhely, L.: Archaeo- und Neolacerten. (Erwiederung an die Herren G. A. Boulenger, F. R. S. und Dr. F. Werner)
478 l. Y. MÉHELY Herr B OULENGER hat sich sowohl in seiner früheren Arbeit,* als auch in seinen «Bemarks» ** vollkommen der EiMER'schen Ansicht angeschlossen und meint, dass ich meine Behauptung durch Argumente zu stützen versuchte, die ihm «auf dem Missverstehen der Entwickelung der Charaktere des Schädels zu beruhen scheinen.» Betreffs dessen habe ich schon im vorhergehenden Abschnitt zu beweisen versucht, dass meine Anschauungen hinsichtlich der phyletischen Entwickelung des Lacerten-Schädels wohl begründet sind, die gegenteilige Ansicht des Herrn BOULENGER aber bloss auf willkürlicher Annahme beruht. Hieraus aber ergibt sich mit zwingender Logik auch die Unhaltbarkeit der EiMER'schen Erklärung des Farbenkleides. Wir finden bei allen Archaeolacerten einen primitiveren Schädelbau, e'.n primitiveres Schuppenkleid, ferner sowohl bei jungen, als bei alten Thieren, ohne Bücksicht auf das Geschlecht, einen ähnlichen Typus des Farbmusters. Dieser Typus besteht der Hauptsache nach aus unregelmässig gelagerten schwarzbraunen Schnörkelflecken, die sich bei den meisten Arten zu einer mehr oder weniger deutlichen Beticulation verbinden. Die dunkle Beticulation schliesst meist helle Tropfenflecken ein, die schon bei sehr primitiveren Formen (so bei Lacerla anatolica, L. Danfordi , L. saxirola, L. reticulata, L. oxycephala, etc.), die Tendenz einer Längsreihung erkennen lassen, aber niemals zu deutlichen Supraciliar-, Subocular- und Mandibularstreifen verschmelzen. Eine Ausnahme bildet nur L. hisjianica , bei welcher Art die besagten Streifen, wohl zufolge der Abnahme der Körpergrösse, durch secundäre Zusammenschiebung der hellen Elemente, scharf hervortreten. Die Neugeborenen sind — mit Ausnahme von L. hispanica — durchwegs reticuliert. Ich betrachte demnach das un regelmässig gefleckte Farbenkleid für die phyletische Ausgangsform und werde in meiner grösseren Arbeit an einer Beihe treffender Beispiele darlegen, wie sich dieses Farbenkleid stufenweise, und zwar Hand in Hand mit dem Fortentwickeln des Schädels und des Schuppenkleides, zu einem längsgestreiften umbildete. Die tiefer stehenden, phyletisch älteren Neolacerten (z. B. Lacevta tiliguerta und nigriveatris) sind noch meist in beiden Geschlechtern reticuliert; die mehr fortgeschrittene L. muralis ist schon gewöhnlich nur im männlichen Geschlecht reticuliert, im weiblichen aber längsgestreift ; die noch mehr fortgeschrittene L. serpa ist schon in beiden Geschlechtern gestreift-gefleckt ; endlich sind bei den phyletisch jüngsten * Transact. Zool. Soc. of London, XVII, 1905. ** L. e„ p. 40.