Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 90-91.(Budapest, 1999)
HÁMORI, KATALIN: Bronzestatuetten des Mercurius von Tiziano Aspetti
zefigur Aspettis aus der Sammlung Figdor den Flügelhut und tritt mit dem linken Fuß auf das Argus-Haupt. Die Linke greift nach dem herabhängenden Mantel, in der anderen Hand hielt er wohl ursprünglich sein inzwischen verlorenes Attribut, den Heroldstab. Minerva trägt den Löwenhelm, Brustpanzer und Mantel. Der rechte Fuß ruht auf einer Schemel auf dem Sockel. In der Linken hält sie den Schild mit dem Medusenhaupt, von der rechten Hand sind der zweite und der dritte Finger abgebrochen, dadurch ist auch ihr Attribut verloren, nach ihrer Handhaltung dürfte es ein Ölzweig gewesen sein. Nach der gegenseitigen Zuwendung der beiden Figuren darf man wohl auf einen, bei Pendant-Figuren üblichen sekundären Bedeutungsgehalt folgern. Die paarweise Darstellung von Merkur und Minerva beziehungsweise ihre Vergegenwärtigung in Gesellschaft anderer Götter war ein beliebtes Thema der Bildhauerei und der Malerei des venezianischen Manierismus. Das bekannteste Beispiel dafür sind die vier großformatigen Bronzefiguren Jacopo Sansovinos an der Fassade der Loggetta in Venedig, wo Pallas Athene, das heißt Minerva, Merkur, Apoll und Pax zusammen erscheinen. Die zeitgenössische Sinngebung der vier Figuren ist überliefert in der 1581 veröffentlichten Beschreibung in einem reiseführerartigen Buch von Francesco Sansovino, dem Schriftsteller-Sohn des Künstlers Jacopo Sansovino. 26 Vor der Loggetta zwischen dem Campanile und dem Dogenpalast war der Treffpunkt des venezianischen Adels (ridotto dei nobili). In Anbetracht der Wichtigkeit des Ortes kamen Skulpturen von Göttern an die Fassade der Loggetta, die die Tugenden der Republik Venedig und ihrer Aristokratie versinnbildlichen sollten. In diesem Sinne vertritt Minerva, die Göttin der Weisheit und des Sieges das weise Regiment der Republik. Merkur, der Bote der Götter und Gott des Handels, bedeutete die in Venedig hochgeschätzte Bildung und Redekunst. Apoll, der Gott der Sonne und der Harmonie symbolisierte die Republik, die durch ihre Gesetze die einzigartige Einheit und den Frieden sicherte. Pax, die Göttin des Friedens verkörperte den Frieden der Republik, die Grundbedingung für den Elandel auf Land und See, also den Reichtum von Venedig. Pax verweist außerdem auch auf das Symbol und auf den Schutzheiligen von Venedig, denn der Löwe des Evangelisten Markus wird im allgemeinen mit einem aufgeschlagenen Buch dargestellt, in dem der Gruß PAX TIBI MARCE EVANGÉLISTA MEUS (Friede mit dir, Mark, mein Evangelist) zu lesen ist. Das Thema Weisheit und Frieden, versinnbildlicht durch Merkur, Minerva und andere Götter, erscheint in gleichem Sinne auf den Gemälden von Jacopo Tintoretto in der Sala dell'Anticollegio des Dogenpalastes. 27 Außer diesen Beispielen der Monumentalplastik und der Monumentalmalerei verherrlichen zahlreiche Werke von kleinerem Format ebenfalls die Tugenden der Republik Venedig und ihrer Aristokratie. Die auffallende Häufigkeit der Merkurdarstellungen in der Themenwahl der Kleinbronzen läßt sich unter anderen darauf zurückführen. Der Vergleich 26 Sansovino, F., Venetia, cittá nobilissima et singulare descritta in XIV libri, Venezia 1581, III. — Vgl. Wolters, W. , Der Bilderschmuck des Dogenpalastes, Untersuchungen zur Selbstdarstellung der Republik Venedig im 16. Jahrhundert, Wiesbaden 1983, 24, 243-245, Abb. 12-14; Boucher, B., The Sculpture of Jacopo Sansovino, 1 -2, New Haven - London 1991, 73-88, Nr. 27, Taf. VI 11-IX, Abb. 210. 213, 217-218. 27 Wolters, a. a. O. (Anm. 26), 245-246, Abb. 252-255.