Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 90-91.(Budapest, 1999)
HÁMORI, KATALIN: Bronzestatuetten des Mercurius von Tiziano Aspetti
in ihrem heutigen Zustand (Abb. 52). Das Schicksal des Stückes läßt sich zwischen 1935 und 1992 nicht weiter verfolgen. In der Londoner Auktion von Sotheby's im Jahr 1992 wurde das Stück als eine Arbeit von Aspetti aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts katalogisiert, und dürfte einst, laut Autoren des Katalogs, einen Feuerbock geziert haben. 8 Diese Bestimmung wurde auf die stilistische Ähnlichkeit der Statuette mit zwei, Aspetti zugeschriebenen Mars-Figuren begründet, von denen sich eine im Wiener Kunsthistorischen Museum befindet, und die andere aus der einstigen PierpontMorgan-Sammlung in die Frick Collection von New York kam. Im Londoner Versteigerungskatalog wurde die Provenienz der Statuette nicht angegeben. Das Museum der Bildenden Künste erwarb die Statuette des Merkur 1994 vom Kunsthändler László Nudelman. Die Neuerwerbung wurde 1995 im Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts als Unbekleidete Männerfigur von einem Nachfolger Aspettis besprochen, 9 sodann 1996 in der Gazette des Beaux-Arts als Merkurfigur um 1600 aus dem Umkreis des Aspetti veröffentlicht. 10 Für letztere Bestimmung dienten die im vorliegenden Aufsatz veröffentlichten Angaben als Grundlage. Ein Teil der Forscher hält die Merkurstatuette nicht für eine eigenhändige Arbeit Aspettis. Mangels authentischer Signatur und konkreter schriftlicher Quellen lassen sich die näheren Stilzusammenhänge der Statuette nur anhand der Einstellung der Figur, des Gesichtstypus, der plastischen Gestaltung, der technischen und ikonographischen Charakterzüge bestimmen. Die S-förmige Figur legt das Körpergewicht auf das linke Bein, das andere Bein berührt im Vergleich zum traditionellen Kontrapost mit einer etwas wippenden Bewegung die erhöhte Stelle auf der runden Plinthe. Der nach der linken Schulter gewendete Kopf und die Richtung des Blicks nach der Seite weisen daraufhin, daß die Statuette möglicherweise ein Pendant hatte. Im Vergleich zur detaillierten Bearbeitung des Oberkörpers und des schmalen Gesichts ist die Gestaltung der stämmigen Arme und besonders der kräftigen Beine großzügiger. Die aufgrund der Einstellung der Figur, ihrer Gestaltung und ihres ikonographischen Typs nachweisbaren Analogien, vor allem venezianische Arbeiten um 1600, lassen sich in zwei größere Gruppen einteilen. Einerseits zeigt sich an der Budapester Statuette unter wertvolle Skulpturensammliing des Künstlers nicht an den Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums in Berlin, Wilhelm von Bode, sondern 1914, nach Zurückweisung bedeutender Kunsthändler, für eine bescheidenere Summe an das Budapester Museum der Bildenden Künste, wo die international anerkannte Sammlung der Abteilung Alte Skulpturen auf diese Weise aus der erstrangigen Sammlung Ferenczy durch Werke von Leonardo, Riccio, Algardi, Donner u. a. bereichert wurde. Faragó kaufte im Inland, und bei seinen häufigen Reisen auch im Ausland regelmäßig Kunstwerke. Sein umfassendes Interesse zeigte sich in seiner Wohnung, die von Gemälden. Skulpturen, Grafiken von musealem Wert, von Porzellan, Tcppichen, Möbel, Waffen und sonstigen Produkten des Kunstgewerbes geschmückt war. - Über das Leben und die Kunstsammlung von Ödön Faragó: die Einleitung unter dem Titel Emlékezés [Erinnerung] mit vier Fotos in: Az Ernst-Muzeum (wie Anm. 6); Géber, A., Magyar gyűjtők [Ungarische Kunstsammler] 1-2, Budapest o. J. (Eine Kopie des unvollendeten Manuskriptes befindet sich seit 1985 in der Bibliothek des Museums der Bildenden Künste); Művészeti Lexikon 2, Hrsg. Zádor, A. - Genthon, L, Budapest 1981,21-22 (Stichwort von Koos, J). x Sotheby's. European Sculpture and Works of Art, London 9th July 1992, Nr. 112, mit Abb. 9 BulMusHongrBa 83 (1995) 105, 160. 10 Gazette des Beaux-Arts, Mars 1996, 85, Abb. 338.