Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 88-89.(Budapest, 1998)
POSZLER, GYÖRGYI: Die Figuren eines Kärtner Flügelaltars in Budapester Sammlungen
Stellungen von Ritter- und Soldatenheiligen. Die Beliebtheit dieser Heiligen ist auch dadurch bezeugt, daß ihre Zahl im Spätmittelalter durch bislang unbekannte Figuren oder durch zu Rittern umgeformte Märtyrer erweitert wurde, sogar die Darstellung einzelner Könige und Fürsten wurde diesem Typ angepaßt. 33 Die Heiligen treten in der modischen Ritterrüstung, mit Schild, Schwert oder Lanze auf, nicht selten besiegen sie irgendein symbolisches Ungeheuer. 34 An einem der repräsentativsten Altäre der jüngeren Villacher Werkstatt, dem zwischen 1519 und 1522 bereits erneuerten Hochaltar St. Wolfgang in Grades, findet sich an der Rückseite des Altarschreins das gemalte Bild dreier Ritterheiligen in voller Rüstung. Das illusionistische Gemälde der Rückseite scheint den Darstellungstyp der Schreinfiguren zu wiederholen (Abb. 43). 3:) In der Mitte steht der heilige Georg, der am häufigsten dargestellte, beliebteste Ritter, der die Eigenschaften dieses Ideals am ausgeprägtesten und offensichtlichsten in sich vereinte. An der rechten Seite erscheint in der gewohnten Weise mit Fahne und aus dem Bottich Wasser ausschüttend der römische Offizier Florian, der sich zum Christentum bekehrte und deshalb den Märtyrertod starb. An der linken Seite tritt der heilige Achatius in Erscheinung, der zum Christentum bekehrte heidnische Fürst, der unter Kaiser Hadrian mit seinem ganzen Heer auf dem Berg Ararat den Märtyrertod starb. In den Jahren um 1500 wurde er häufig in Rüstung dargestellt, allein in der Reihe von Ritterheiligen, und neben dem heiligen Georg auch als Schreinwächter, als Hinweis auf sein Martyrium mit einem Dornenzweig in der Hand. Die drei aneinandergereihten bekehrten römischen Soldaten am Altar von Grades, dargestellt nach dem beliebten ikonographischen Typ des Spätmittelalters als Ritterheiligen, stellen sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Gestaltung der Figuren und auch der Tracht sehr nahe Parallelen zu den Budapester Figuren dar. Es läge auf der Hand, den dritten Budapester Ritter mit Achatius gleichzusetzen. Als Hinweis auf seine vornehme Abstammung erscheint er oft mit Fürstenhut oder wie hier - mit hermelinverbrämtem Hut, zuweilen statt der Rüstung in adeliger oder fürstlicher Tracht, jedoch niemals mit eindeutiger Königskrone. 36 Sehr beliebt in den österreichischen Landen, so auch in Kärnten, war ein weiterer Ritterheiliger, der römische Soldat Eustachius, dessen Leben reich an romantischen Details war, und der zum Christentum bekehrt ebenfalls den Märtyrertod starb. Er hält im allgemeinen den Schädel eines Hirsches in der Hand, der auf die Geschichte seiner Bekehrung hinweist, trägt entsprechend seiner vornehmen Abstammung oft ein Barett 33 LCI8, 381-382. 34 Schmidt, L., Kunstwerke aus Kärnten als Zeugnisse mittelalterlicher Volksfrömmigkeit, in: Kärntner Kunst des Mittelalters aus dem Diözesanmuseum Klagenfurt, Wien 1971, 38. Zuweilen erscheinen auch Heilige, von denen fast gar keine gesicherten Lebensdaten bekannt sind. 35 Dehio, Kärnten, a. a. O. (vgl. Anm. 16), 178-181; Demus, a. a. O. (vgl. Anm. 16), 355-372, Abb. 435.; Fritz, a. a. O. (vgl. Anm. 16), 34; Höfler, a. a. O. (vgl. Anm. 18), 6. Im Schrein reihen sich drei Heilige aneinander, sie stehen einzeln in Nischen, die mit Pflanzenornamentik gerahmt sind. 36 Braun, J., Tracht und Attribute der Heiligen in der deutschen Kunst, Stuttgart 1943, 19-22; LCI 5, 16-21; als Schreinwächter erscheint er unter den angeführten Analogien zum Beispiel in der Kirche Sankt Leonhard in Murau, siehe Anm. 33.