Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 88-89.(Budapest, 1998)

POSZLER, GYÖRGYI: Die Figuren eines Kärtner Flügelaltars in Budapester Sammlungen

aufgrund der nahen Stilverwandtschaft mit dem unversehrt erhaltenen, von Peisch sig­nierten Flügelaltar von Ried - die bereits erwähnten Figuren aus Abfaltem, deren Schnit­zer sich gerade zur Zeit der Ausführung dieser Arbeiten, also um 1515/17 aus der Werkstatt des Meisters Heinrich austretend verselbständigte. Die fraglichen Figuren schuf er entweder noch in Villach oder bereits in der neuen Werkstatt in Lienz. 26 Die im Vergleich zu Abfaltern erheblich kleineren und weniger anspruchsvollen Altäre von Irschen und Pleßnitz lassen sich ebenfalls an diese „Werkstattfiliale" binden, we­nigstens was die Schreinerarbeit, die Ornamentschnitzerei und die Gemälde betrifft. Diese Figuren unterscheiden sich aber nicht nur durch ihre geringere Qualität von den übrigen Arbeiten der Werkstatt, sondern auch durch die starre Körperhaltung, die re­duzierten Bewegungen, die vereinfachten Formen, die eckigen Gesichter und den eher ausdruckslosen Blick - also durch eben jene Züge, die diese zu den nächsten Analogi­en der Budapester Figuren machen. Der Schnitzer dürfte ein unidentifizierbarer Mei­ster gewesen sein, der gelegentlich, für jeweils eine Aufgabe an die Lienzer Werkstatt berufen wurde. 27 Demus hält auch die Murauer Schreinwächter und die Figuren des Altars von St. Martha für Arbeiten eines Schnitzers, der aus der Villacher Werkstatt von Meister Heinrich hervorging und als selbständiger Meister mit den Stilrichtungen der Steier­mark Verwandtschaft verrät. 28 Aufgrund dieser Stilverbindungen sowie der Untersuchungen zur Organisation der Altarbauer-Werkstätten beziehungsweise zum Verhältnis und zur Filiation der Werk­stätten ist es naheliegend anzunehmen, daß die drei zusammengehörigen Budapester Holzfiguren aus der Sammlung Kónyi Arbeiten eines Kärntner Schnitzers der zweiten Linie aus der Zeit um 1520 sind, dessen Gestaltungsprinzipien und dessen Stil mit der großen Villacher Werkstatt im Zusammenhang stand, der vielleicht aus jener hervor­ging, aber hinsichtlich der künstlerischen Qualität seinen Vorbildern erheblich nach­stand. Er dürfte ein ständiges oder nur fallweise eingestelltes, näher nicht bestimmba­res Mitglied einer der kleineren provinziellen Werkstätten - berücksichtigt man die nächste Stilverbindung, die Figuren aus Pleßnitz, dann gerade der Lienzer - gewesen sein. Diese Werkstätten wurden durch den massenhaften Anspruch auf Flügelaltäre um 1500 ins Leben gerufen und regelmäßig durch Aufträge versehen. Die Verbindung zur Werkstatt von Villach oder die Herkunft aus derselben bedeu­tete aber für die „Werkstattfilialen" nicht nur stilistische Vorbilder, sondern auch vor­geformte neutrale, den konkreten Aufgaben anzupassende, zur Aufnahme verschiede­ner ikonographischer Programme geeignete Altartypen. Die häufigsten Altäre der Villacher Werkstatt sind wenig gegliedert, ihre Erscheinung ist geschlossen und ein­heitlich. Die Altarschreine verkörpern meistens den Kastenschrein-Typ, fallweise mit 26 Zur Gliederung der Villacher Hauptwerkstatt zwischen 1510 und 1525, zur Ausscheidung der „Fi­lialen" und zu den selbständig gewordenen Schülern vgl. Demus, a. a. O. (vgl. Anm. 16), 186; zur Tätig­keit und Werkstatt von Peter Peisch siehe Egg, a. a. O. (vgl. Anm. 19), 224—232; Höfler, a. a. O. (vgl. Anm. 23), 26. und Anm. 23; bezüglich Abfaltern siehe Anm. 20. 27 Siehe Anm. 16 und 17. 28 Siehe Anm. 21 und 22. Der Altar von Kojsko ist vermutlich die Arbeit einer von Villach abhängigen „Werkstattfiliale" (vgl. Anm. 22).

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