Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 88-89.(Budapest, 1998)

POSZLER, GYÖRGYI: Die Figuren eines Kärtner Flügelaltars in Budapester Sammlungen

bezeugen, daß alle drei Stücke aus dieser Sammlung stammen. In Ausstellungen oder Auktionen schienen sie nach unseren heutigen Kenntnissen nie auf, auch Antal Géber, der ausgezeichnete Kenner der Sammler und Sammlungen der Zwischenkriegszeit hatte keine Kenntnis davon. 13 Zwei dieser Figuren, der heilige Florian und der König, ka­men nach dem Zweiten Weltkrieg als Leihgabe in das Museum der Bildenden Künste, der heilige Georg befindet sich auch heute im Budapester Privatbesitz. 14 Diese Figu­ren sind nicht nur durch die gemeinsame Provenienz miteinander verbunden. Die Tracht der drei Figuren ist beinahe die gleiche. Sie erscheinen als Ritter in voller Rüstung. Der Oberkörper wird durch einen stark vorgewölbten Brustharnisch geschützt, der an der Königsfigur in der Mitte durch fächerförmige Rippen geschmückt ist. Die Bewegung der Arme war durch eine Plattenzone unter den Achseln ermög­licht, die an den Figuren durch betont geformte Horizontalen angedeutet ist. Auf dem Bruststück liegt der Stoßkragen auf, der die beiden Schultern bedeckt und dessen Rand sich an der Floriansfigur und am König nach außen wölbt. Ursprünglich konnte daran der Helm befestigt werden. Der Hals der Ritter war durch das Kinnreff geschützt. Die beiden Teile des Armzeugs sind an allen drei Figuren durch Armkacheln verbunden. An das Bruststück schließt sich der aus breiten Platten bestehende, die Bewegungen erleichternde Panzerschurz. Die beiden Stücke des Beinzeugs sind durch Kniekacheln verbunden, die von außen durch Diechlinge von bezeichnender Form geschützt sind. Das obere Stück des Beinzeugs ist bei der Königsfigur - wie das untere Stück des Armzeugs bei Florian - vertikal gerippt. Die Ritter tragen durch plastische Rillen an­gedeutete Eisenschuhe, Georg und der König auch aus Platten zusammengestellte Panzerhandschuhe mit konischem Knöchelkachel. Die ganze Rüstung läßt sich an­hand der einzelnen Elemente, deren Aufkommen und Mode, ziemlich genau datieren. Die beschriebenen Einzelheiten sind in der Ritterrüstung frühestens um 1500 aufge­kommen, es handelt sich dabei um Neuerungen vom Anfang des 16. Jahrhunderts. 15 Diese Figuren können also unmöglich vor diesem Zeitpunkt entstanden sein. Bei allen drei Figuren war die gesamte Oberfläche der Rüstung versilbert, ausge­nommen die Arm- und Kniekacheln sowie den Stoßkragen, die vergoldet waren. An der bräunlich-roten Bolusgrundierung, die das heutige Aussehen der Figuren bestimmt, lassen sich stark abgewetzte und nachgedunkelte Spuren von Silber erkennen. An den glatten Flächen, so an den Brustharnischen, ist die Form und die Anfügung der Silber­platten gut zu erkennen. 13 Hugó Kónyi schenkte 1939 seine Madonna aus Cserény, die auf die Zeit um 1480-1490 datierbar ist, dem Museum der Bildenden Künste. (Heute im Besitz der Ungarischen Nationalgalerie, Inv.-Nr. 7843). An dieser ist ein ähnlicher Zettel heute nicht mehr erkennbar. Wenn die drei Holzfiguren tatsächlich nicht in Ausstellungen oder Auktionen auftraten, dann ist es fraglich, wer, wann und zu welchem Zweck sie mit diesem Besitzerzeichen versah. 14 Auf die beiden Figuren im Museum der Bildenden Künste hat mich Mária Verő aufmerksam ge­macht. Für diesen Hinweis und für weitere wiederholte freundliche Hilfen möchte ich ihr an dieser Stelle meinen Dank aussprechen. Der hl. Florian: Lindenholz, gefaßt. H.: 88 cm. Leihgabe von Hugó Kónyi: L 4088. Der König: Lindenholz, gefaßt. H.: 88 cm. Leihgabe von Hugó Kónyi: L 4089; der hl. Georg: Lindenholz, gefaßt. H.: 85 cm. Privatbesitz. 15 Zur Beschreibung der Rüstung siehe Kalmár, J., Régi magyar fegyverek [Alte ungarische Waffen], Budapest 1971, 284-288.

Next

/
Thumbnails
Contents