Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 88-89.(Budapest, 1998)

SZENTKIRÁLYI, MIKLÓS: Die Konservierung und Restaurierung des Krafft-Gemäldes

daß die Ausfüllung größerer Fehlstellen mit Zeitungspapier überklebt war. So eine Stelle fand sich zum Beispiel am Hut Rudolfs. Nach der völligen Reinigung trugen wir auf die gemalte Fläche eine dünne Schutz­schicht aus Paraloid-B72-Lösung auf. Danach folgten erst die Arbeitsgänge der spezi­ellen Konservierung. Die Leinwand wurde wiederholt mit Kunstharz BEVA 371 von entsprechender Dicke und Temperatur durchtränkt. 8 Nach vollkommener Trocknung gewann die Leinwand ihre originale Elastizität zurück und zeigte sich entsprechend stabil. 9 Kleinere Risse und zahlreiche Insektenschäden wurden ebenfalls mit harz­durchtränkten Leinwandstücken befestigt. Das eventuell auf die Farbschicht gelangte Konservierungsmittel und der provisorisch aufgetragene Schutzlack wurde durch Lö­sungsmittel entfernt. Die Oberfläche früher aufgetragener Füllungen haben wir über­prüft, endgültig gefestigt und darauf die erste Schicht von Retuschelack aufgetragen. Ein wichtiger Schritt war die Bestimmung der Art der ästhetischen Wiederherstel­lung und des Ausmaßes der Retuschen. Die Frage war durch die Größe der Fehlstellen und ihren Charakter bedingt: sie erstreckten sich auf etwa 20% der gesamten Oberflä­che, zum Teil verliefen sie - infolge der Aufrollung - periodisch wiederholt, in hori­zontaler Richtung (Abb. 58). Nach Erwägung aller Möglichkeiten in mehreren Kon­sultationen haben wir uns schließlich für die Totalretusche entschlossen. Das schla­gende Argument lautete, die Fehlstellen berührten keine wesentlichen Elemente, und die Möglichkeit ihrer Ergänzung war nur in wenigen Fällen fragwürdig (Abb. 59). Wir waren bestrebt, die Ergänzungen sukzessive in das Original einzubringen, wodurch ständig kontrolliert werden konnte, ob sie die Erscheinung des Originals nicht be­einträchtigten. Als maßgebend galten immer die erhaltenen Originalteile, nach deren Zustand sich die Retuschen richten konnten, außerdem bot der Nachstich von Franz Kolb, der mit der Sammlung Esterházy in das Museum gelangt war, eine riesige Hilfe (Abb. 60). Im Laufe der Retuschen trugen wir noch zweimal je eine Lackschicht auf. Nach vollkommener Trocknung lösten wir das Gemälde vom Blindrahmen und führten die endgültige Konservierung der Trägerleinwand durch. Wir bügelten die breiten, von Kunstharz durchtränken, doppelschichtigen Spannränder auf, in die nach allen fünf Zentimetern ein Metallring befestigt war. Dadurch bestimmten wir geeignete Fixierungspunkte: statt den traditionell verwendeten Nägeln haben wir das Gemälde durch Schrauben am Blindrahmen befestigt. Die Bedeutung dieses Verfahrens liegt in den Ausmaßen des Gemäldes, denn derartig großformatige Bilder lassen sich nur über entsprechend großen Zylindern transportieren, und durch die Schrauben kann die Auf- und Abmontierung sicher und schonend durchgeführt werden. Dieses Ver­8 Daly Hartin, D., Michalski, S., Pacquet, C, Ongoing Research in the CCI Lining Project: Peel Testing of BEVA 371 and Wax-Resin Adhesives with Different Lining Supports, in Preprints to ICOM Committee for Conservation. 10th Triennial Meeting, Washington DC, 1993, Vol. 1, 128-134. 9 Aufgrund der Erfahrungen bei den Möglichkeiten der Erhaltung der Leinwandträger im Originalzu­stand, unter anderem auch bei der hier besprochenen Arbeit, hielt der Verfasser vorliegender Zeilen auf der XXIII. Landeskonferenz für Restaurierung des Jahres 1998 einen Vortrag unter dem Titel Doublieren oder nicht doublieren?

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