Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 82. (Budapest, 1995)
URSULA V. FISCHER PACE: Carlo Cesi als Zeichner
CARLO CESI ALS ZEICHNER Der aus Antrodoco gebürtige Maler, vor allem als Stecher bekannte Carlo Cesi, ist bislang sowohl als Maler als auch als Zeichner noch weitgehend unbekannt. Eine 1987 von der Gemeinde Antrodoco herausgegebene Kurzmonographie bietet zum ersten Mal einen Überlick seines Schaffens als Maler, Stecher und auch als Zeichner. 1 Sein malerisches Œuvre ist demnach recht knapp bemessen, die Tätigkeit des Stechers steht unbedingt im Vordergrund, Zeichnungen sind bisher wenige bekannt. Bevor ich im folgengen einige Zeichnungen vorstelle, die Cesi zugeschrieben werden, zunächst einige Angaben zu seiner Biographie. Carlo Cesi wurde laut dieser jüngsten Forschungen 1622 als Sohn des ortsansässigen, aus einer bedeutenden Familie stammenden Malers, später auch als Goldschmied tätigen Francesco Cesi in Antrodoco geboren. Gegen 1628 zog die Familie in das benachbarte Rieti. Carlo und sein ebenfalls als Maler tätiger Bruder Antonio erhielten wohl ihre erste Unterweisung durch den Vater. Nach dem Tod des Vaters, im September 1645, übersiedelte Carlo nach Rom, wohlmöglich im Gefolge eines ebenfalls in Antrodoco tätigen, aus Florenz stammenden Malers Lattanzio Niccoli, der in diesen Jahren das Amt eines Assistente an der Accademia di S. Luca in Rom innehatte. 2 Lione Pascoli, der einzige Biograph Cesi's, überliefert in der Folgezeit eine Lehre bei Pietro da Cortona, nach 1647, seiner Rückkehr aus Florenz. In den folgenden Jahren entstehen wohl die ersten kleineren Werke für private Auftraggeber. Von weittragender Bedeutung war sicher 1657 Cesi's Beteiligung an der Ausmalung der Galleria Alexander's VII. im Quirinalspalast unter der Leitung Pietro da Cortonas. Cesi malte das Ovalfresko mit dem Urteil des Salomon. Neben ihm waren an der Ausmalung Fabrizio Chiari, Giovanni Angelo Canini, Egidio Schor, Lazzaro Baldi, Francesco Grimaldi, Pier Francesco Mola, Carlo Maratta, Francesco Murgia u.a. beteiligt. In der Folgezeit übernimmt Cesi bedeutende Ämter an der Accademia di S. Luca. 1673 wird er mit den Anatomievorlesungen beauftragt, 1675 zum Principe ernannt. Zur Illustration seiner Vorlesungen liefert er eine Reihe anatomischer Zeichnungen, von denen neun erhalten sind. 1679 werden nach ihnen 18 Tafeln gestochen und unter folgendem Titel veröffentlicht: Cognizione de' muscoli del corpo umanoperuso del disegno, a cura di François Collignon. Dieser Beitrag wurde teilweise durch Mittel des italienischen CNR, Comitate* Nazionalc Scienza e Technológia Beni Culturali (Forschungsprojekt "Discgni barocchi romani") finanziert. Terez Gerszi und Andrea Czére danke ich an dieser Stelle für Ihre mir so großzügig gewährte Gastfreundschaft im November 1992 in Budapest. In Wien und Düsseldorf wurden meine Studien auf unbürokratische Weise von Veronika Birke und Bettina Baumgärtel unterstützt. 1 Di Flavio, V. - di Nicola, A., et alii, Carlo Cesi. Pittore e incisore del Seicento tra ambiente cortonesco e marattiano 1622-1682, Antrodoco (Rieti) 1987; zuletzt auch: Garofoli, M., in Pascoli, L., Vite de'pittori, scultori, ed architetti moderni, Edizione critica, Perugia 1992, 617-626. 2 Zu Lattanzio Niccoli: Barrocro, L. - Colonnclli, L.S., Pittura del' 600 a Rieti, Rieti 1991, 85; Barroero, L., LTncoronazionc della Vcrginc' in S. Pietro a Lconessa. Quadro di Giulio Bianchi pittore sabino, Bolletino d'Arte 72 (1992) 124.