Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 60-61. (Budapest, 1983)

GARAS, KLÁRA: Sammlungsgeschichtliche Beiträge zu Raffael. Raffael-Werke in Budapest

zelheiten übereinstimmen. Hätte Raffael, wie angenommen, das fragliche Ob­jekt in der Tat gesehen, so hätte er doch etwas von den wirklichen Elementen festgehalten, etwa von den kannelierten, korintischen Säulen des Tempels — anstatt der gedrungenen runden etc. Die Tatsache, dass er dasselbe bringt wie die Zeichnung und dieselben Abweichungen von der Wirklichkeit wiederholt — (s. auch die Fenstereinteilung des Campanile etc.) deuten dahin, dass ihm nicht der aus Autopsie bekannte Tatbestand oder die eigene Zeichnung, sondern irgendeine fremde Darstellung als Vorbild diente. Die Frage des Verhältnisses von Raffael zum Codex Escurialensis wurde in der letzten Zeit von J. Shearman untersucht, die Ubereinstimmungen — auch bei der Ruinendarstellung der Esterházy Madonna — führten den Verfasser zur Annahme, Raffael wäre schon vor seiner Übersiedelung nach Rom, etwa 1506 und vielleicht auch 1504 in der ewigen Stadt gewesen — da der Kodex sich nachweislich schon 1509 in Süd­spanien, la Calahorra befand. 21 Doch zeigt gerade der Vergleich des Codex­blattes und der Ruinendarstellung der Esterházy Madonna mit dem tatsäch­lichen Denkmalbestand, dass es sich hier keineswegs um eine unmittelbare Beziehung Raffaels zu römischen Architekturdenkmäler handelt, vielmehr um die Benutzung gewisser — gemeinsamer — Vorbilder. 22 Genauer gesagt, Raffael muss Zeichnungen von Rom gekannt und benutzt haben, jene die auch im Codex als Vorbild dienten, oder was auch nicht auszuschliessen ist gerade jene, die im Codex in Florenz zusammengestellt worden sind. Mehreres spricht dafür, dass dies noch in Florenz, unabhängig von einer Romreise geschehen ist — so erscheint zum Beispiel die Torre delle Milizie ähnlich wie auf der Esterházy Madonna auch im Hintergrund des etwa 1505 enstandendenen Hl. Georgsbildes (Washington). 23 Raffael kann die Landschaft des Madonnenbildes durchaus noch in Florenz von der Vorlagezeichnung der Uffizien abweichend gestaltet haben. Tatsächlich muss es so gewesen sein, denn das kleine Bildchen ist wie aus einem 21 Shearman, J.: Raphael. Raphael and the Codex Escurialensis. Master Drawings, 1977 XV S. 107. Über die Darstellung auf Fol 27 v. des Codex mit dem Foro Transitorio (Nervae) „. . . unquestionably shares a common prototype with the background of the little Esterházy Madonna in Budapest. In some particulars Ra­phael was less accurate ... in certain important respects he shows himself ... to have a much better grasp of the nature and relationship of parts, but there is no firm basis in this fact for an argument that the original veduta was his." Ich möchte hier nicht auf die viel diskutierte Frage der Raffael zugeschriebenen Pantheon Zeich­nungen und auf ihr Verhältnis zu den übereinstimmenden Blättern des Escurialco­dexes eingehen, doch scheinen für mich auch in diesem Fall die Einzelheiten für die Benutzung eines gemeinsamen Vorbildes, und nicht unbedingt für das Studium der Wirklichkeit zu sprechen. Als erwägenswert sei hier auch die Ansicht von Loránd Zentai erwähnt. Ihm zufolge könnte die Architekturdarstellung der Esterházy Ma­donna als Hinweis auf den im Gebäudekomplex unterbrachten Sitz des Johanniten­ordens (Cavalieri di Rodi) gedeutet und eventuell in diesem Sinne ausgelegt werden. S. auch F i o r i n i, G. : La Casa dei Cavalieri di Rodi al Foro di Augusto. Roma, 1951. Abb. 8, 17. 22 S. in diesem Sinne auch Kruft, H. W.: Concerning the date of the Codex Escurialensis. The Burlington Magazine, 1970 CXII. S. 44. 23 Es ist durchaus keine Seltenheit, dass einzelne landschaftliche und architekto­nische Elemente auf verschiedenen Gemälden von Raffael wiederholt werden: s. zum Beispiel das merkwürdige Felsgebilde mit Kirchenturm auf dem „Traum des Ritters" (London, N. G.) und im Hintergrund der „Madonna im Grünen" (Wien, Kh. Mus.). Musterbücher bzw. Skizzensammlungen mit Zeichnungen nach römischen Denkmä­lern, antikisierenden Elementen, Ruinen u. a. waren in den florentinischen Malerwerk­stätten um 1500—1515 als Vorlagen zu Gemälden allgemein benutzt (s. dazu auch Franciabigios „Madonna del Pozzo", Florenz etc.).

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