Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 60-61. (Budapest, 1983)
GARAS, KLÁRA: Sammlungsgeschichtliche Beiträge zu Raffael. Raffael-Werke in Budapest
Es gibt nur eine einzige ältere Abbildung der Esterházy Madonna: die Komposition kommt mit unveränderter Figurengruppe auf einem 1524 verfertigten Maiolica von Casteldurante vor. (Arezzo, Museo, Abb. 37.) Den Hintergrund bildet hier anstatt der Landschaft ein ausseinandergezogener Vorhang. Nach Praxis der umbrischen Werkstatt hatte man wohl auch in diesem Falle eine Zeichnung Raffaels als Vorbild benutzt, vielleicht die schöne, vollendete Zeichnung der Offizien, wahrscheinlicher aber eine andere, etwas abweichende Variante. 18 Die Entwurfszeichung in den Uffizien wurde gelegentlich auch zur Deutung der Entstehungsgeschichte des Bildes herangezogen, sie ist von entscheidender Bedeutung bei der Lösung der Frage, wann und wo die Esterházy Madonna entstanden und warum sie unvollendet geblieben ist. Die mit dem Bild fast gleichgrosse, quadrierte und durchpunktierte Federzeichnung, die bei der Ausführung vermutlich als Karton diente, zeigt die Komposition mit der Figurengruppe von Maria, dem Jesuskind und dem kleinen Johannes bereits in seiner endgültigen Form, nur ist die Landschaft im Hintergrund zum Teil abweichend gestaltet (Abb. 38). Anstatt der Bäume erscheint auf dem Bilde links hinten eine halb zerfallene Gebäudegruppe, die nach Ansicht der meisten Forscher mit Ruinengebilden Roms in Zusammenhang steht (Abb. 39). 19 Woraus gefolgert wurde, dass die Zeichnung mit der toskanischen Landschaft noch in Florenz, das Gemälde jedoch erst nach Raffaels Reise und Ubersiedlung nach Rom, etwa 1508 ausgeführt worden sei. Bei genauerer Prüfung stellen sich jedoch dieser allgemein verbreiteten Annahme Zweifel gegenüber. Die von den meisten Forschern vorgeschlagene Identifizierung mit den Ruinen des Nerva Forums (Foro Transitorio) ist nur teilweise berechtigt. Die Ubereinstimmung des auf der Esterházy Madonna dargestellten Gebäudekomplexes mit tatsächlichen Überresten, dem Minervatempel, dem Tempel des Mars Ultor, dem Torre delle Milizie etc. ist, wie das die genauen zeitgenössischen Darstellungen zeigen (Abb. 40), nur gering, es handelt sich eher um eine summarisch skizzierte Andeutung. Genau von derselben Sicht und übereinstimmend flüchtig selle, G. B. (Raphael, his life and works. London, 1882. I. S. 365) erwähnten eine weitere Kopie in der Sammlung Thiene in Vicenza. Eine Wiederholung in England war schon 1876 vermerkt worden, (s. R u 1 a n d, C: The works of Raphael Santi as represented in the Royal Library at Windsor Castle. London, 1876. XXII. S. 66), vermutlich die selbe, die dann in den dreissiger und in den fünfziger Jahren — mit einigen Prätentionen auftauchte. Ein weiteres Exemplar war 1935 in Florenz bei S. Volterra genannt. Alle diese Varianten sind als unvollendet beschrieben, sie zeigen nur geringe Abweichungen vom Original. Eine Fra Bartolommeo zugeschriebene Variante der Komposition (ohne dem kleinen Johannes) befindet sich etwa seit Anfang des 18. Jahrhunderts in den Uffizien in Florenz (S. Gli Uffizi. Catalogo generale. Firenze, 1980. S. 148, p. 144). 18 S. Raffaello. L'opéra, le fonti, la fortuna. L i v e r a n i, G.: La fortuna di Raffaello nella maiolica. Novara, 1968. S. 691, 700, Abb. 19. Guidobaldo II. Herzog von Urbino „fatta raccolta grande di quante bozze pote avère di Raffaello, di Giulio Romano e degli altri suoi Scolari, le propose per modelli e le distribui agli arttefici delle sue officine di maioliche ..." (s. Longhena a. a. O. S. 170). 19 Crowe und C a v a 1 c a s e 11 e (a. a. O. I. S. 317) wurden an den Tempel des Vespasian dabei erinnert, F i s c h e 1, O. (Raphaels Zeichnungen. Berlin, 1913—1941. IV. S. 203) wies auf Raffaels Zeichnung in Weimar hin (Darstellung des Colosseums). Von anderen Forschern (Dussler, Shearman, u. a.) werden sie als Ruinen des Nervaforums erkannt. Shearman, J.: Raphaels Cartoons in the Collection of her Majesty the Queen and the tapestries for the Sistine Chapel. London, 1972. S. 52. Die Zeichnung in den Uffizien, Inv. Nr. 539, Feder mit Tinte, 28,5X19. Gestochen von S. Mulinari, 1784. Nachzeichnungen: Windsor, Royal Library. Inv. Nr. 4326, schwarze Kreide, 22,6X17,8; Colonel J. Weld, Lulworth Manor, 10 1/8X6 3/4 inch.