Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 56-57. (Budapest, 1981)

GARAS, KLÁRA: Christian Seybold und das Malerbildnis in Österreich im 18. Jahrhundert

Kette vor sich. Es wurde angenommen, es handle sich um die Medaille, die Fürst Josef Wenzel von Liechtenstein dem Künstler in Anerkennung seiner für die Galerie gelieferten Werke verehrt hatte. Tatsächlich wird in den alten Katalo­gen (1767, 1780) der Liechtenstein-Sammlung dieses Ereignis erwähnt und ein Selbstbildnis Seybolds beschrieben, das ihn mit der goldenen Kette um den Hals, die Medaille in der Hand darstellt. Das Wiener Bild war demnach von dem Warschauer verschieden, auch größer, und ist derzeit verschollen. 32 Die Bildnisse mit den Medaillen sind wohl von Ende der fünfziger Jahre zu datieren, die beiden Stücke nämlich, für die der Maler vom Fürsten be­schenkt wurde, wären in seinem 58 Lebensjahr entstanden. Von den beiden, auch heute noch in Liechtensteinschem Besitz befindlichen kleinen Gemälden zeigt das eine — ein Charakterkopf-Selbstbildnis des Künstlers — tatsächlich dieses Lebensjahr in der nachträglichen Beschriftung, doch auch das vermeint­lich irrtümliche Datum 1761. 33 Mit dem kleinen Liechtensteinschen Bildniskopf und dem späten Budapester Selbstbildnis verwandt sind das 1759 datierte Brust­bild Seybolds im Germ. Nationalmuseum in Nürnberg 34 und sein berühmtes Selbstbildnis im Louvre. Er scheint zwar auf dem letzteren um einige Jahre jünger zu sein, doch ist der Bildgedanke, der Darstellungstyp, ähnlich. 35 Es handelt sich auch hier um ein knappes Brustbild vor schimmerndem neutralem Hintergrund. Das von dem hellen und lockeren Hemdkragen und dem weichen gefalteten Hut umfaßte Gesicht ist scharf beleuchtet, hart, immobil, der Blick aufmerksam und Aufmerksamkeit fordernd. Das unermüdliche Streben nach Selbstbetrachtung und Ausdruck führt Seybold zu immer neuen Versuchen, von nüchtern präzisen Darstellungen auch zu fast karikaturenhaften Posen. Das bisher unerkannte Selbstbildnis Seybolds aus der Sammlung Tronchin in Genf muß wohl in diesem Sinne gedeutet werden. Obwohl das Bild von dem Schweizer Arzt und Sammler François Tronchin 1778 aus Mannheim als ein Werk Denners erworben wurde, besteht kein Zweifel, daß der Maler mit dem allzu langen Kopf, dem hageren Gesicht, der unter einem breiten Hut fast spöttisch uns anblickt, in der Tat Seybold ist. 36 Haltung und Ausdruck, doch auch die malerische Be­handlung des breiten Überwurfes sind ähnlich, wie auf Seybolds 1760 datierten und bezeichneten „Mann mit Schwartenwurst" in Budapest. Die Übersicht der wichtigsten Selbstbildnisse Seybolds ermöglicht auch eine relativ verlässliche Rekonstruktion seiner künstlerischen Herkunft und 32 S. Anmerkung 13. 33 Vaduz (ehem. Wien) Sammlung Fürst Liechtenstein, öl, Kupfer, 40X31 cm, bezeichnet rechts „C. Seibolt pinxit/alt 58: Ano 1761/geb: zu Mayntz". Das Gegenstück dazu sog. Tochter des Künstlers, öl, Kupfer, 40X31 cm. S. Fanti: a.a.O. und Description a. a. O. S. 63, Nr. 171—172. 34 Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Inv. Nr.: 465, öl, Leinwand, 55X44,7 cm, bezeichnet „Ch. Seibold, fc: 1759". S. Katalog der Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts ... Nürnberg, 1934. S. 66. Früher in der Sammlung Hertel, Nürnberg, s. Parthey, G.: Deutscher Bildersaal. Berlin, 1864. II. S. 545. 35 Paris, Louvre, Inv. Nr.: 1839, öl, Leinwand, 44X36 cm. Laut Katalog Villots (Paris, 1855, 1884. Nr. 485) aus der „ancienne collection". Schon 1793 in der Sammlung (Inv. Nr.: 468). 3G S. Loche, R. : Catalogue des collections de François Tronchin (1704—1798). Genava, XII. (1974) S. IX. 23, Nr. 44, als Denner Portrait d'un artiste, öl, Leinwand, 75,6X62,1 cm, 1778 vom Kunsthändler Vigneux in Mannheim als Werk Denners er­worben. Bis 1928 im Nachlaß der Familie Tronchin in Bessinge. Eine Kopie davon von J. P. P. de Saint Ours als Portrait d'un peintre italien, 1798 im Musée des Beaux­Arts, Lausanne, Nr. 214.

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