Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 56-57. (Budapest, 1981)
GARAS, KLÁRA: Christian Seybold und das Malerbildnis in Österreich im 18. Jahrhundert
und herz. Lotharingischen Hof und Kammermaler Christian Seybold" und die durch den Sohn, den Jesuitenpater Jakob Seybold, zelebrierten Feier. Im Oktober selben Jahres erscheint dann in derselben Zeitung die Todesnachricht des Malers, der im Alter von 78 Jahren in seinem Haus Am Hof zur kleinen Weintraube verschieden ist. 14 Der Nachlaß des Künstlers, darunter 40 signierte Bildnisse, kamen in Besitz der Witwe und der Tochter Franziska, während im Namen des Sohnes, Pater Jakob, der Jesuitenorden auf die Erbschaft verzichtete. 15 Dieser knappe, den Lebenslauf und die Tätigkeit Seybolds nur lückenhaft v/iedergebende Tatbestand kann mit Hilfe eines eingehenden Studiums der erhaltenen und der in den Quellen zitierten Werke um einiges ergänzt werden. Von größter Bedeutung sind in dieser Beziehung die zahlreichen Selbstbildnisse des Künstlers, sie scheinen einen überwiegenden Teil seines Schaffens ausgemacht zu haben und verdienen auch dem künstlerischen Wert nach besondere Beachtung. Wir wollen uns hier vor allem mit dieser Gattung beschäftigen, die andere Gruppe der Werke Seybolds, die feinen kleinen Charakterbilder von Jünglingen und Mädchen, die runzeligen Greisen und alte Frauen in Denners Art, die genremäßigen Halbfiguren müßten noch in einem anderen Zusammenhang untersucht werden. Das Gesamtwerk erscheint auf jeden Fall viel umfassender zu sein, als bisher vermutet: wir können derzeit etwa 50 Bilder Seybolds nachweisen und haben aus den verschiedenen Quellen insgesamt von etwa 60 Nachricht. Vieles ist bis heute noch verborgen, manches falsch, eventuell mit dem Namen Denners, Pesnes u.a. bezeichnet. Von Selbstbildnissen Seybolds sind etwa zwei Dutzend erhalten, um weitere zehn werden in der älteren Literatur, in Quellen u.a. angeführt. Leider sind nur ganz wenige datiert oder — durch einen besonderen Umstand — datierbar. Der sorgfältige Vergleich der Darstellungen und das Erwegen der Umstände ermöglichen eine wenigstens bedingte chronologische Aufstellung und eine ungefähre Schilderung der stilistischen Entwicklung. Als Ausgang können uns vier Selbstbildnisse des Meisters in Budapest dienen. Aus der ehemals Wiener Sammlung des Grafen Edmund Zichy gelangte ein Brustbild in das Museum der Bildenen Künste, das vielleicht als das früheste erhaltene Selbstbildnis Seybolds betrachtet werden kann (Abb. 80). 1(i Es stellt einen jungen Mann in rechtem Dreiviertelprofil dar, über die etwas schräggehaltene Schulter wendet sich das Antlitz dem Betrachter mit scharfem Blick zu, durch Kontrast von Licht und Schatten ist das Gesicht wirkungsvoll modelliert. Der Kopf ist auffallend lang und schmal, die Stirne hoch, die Augenbrauen dicht, das braune Haar weich und hier schon etwas schütter. Die Züge sind dieselben, die uns dann später schärfer und ausgemergelt auf den bekannten Selbstbildnissen Seybolds begegnen. Einstellung und Tracht, mit der legeren Jacke und Halsbinde und dem weich gefalteten Barett erinnern an einige frühe Selbstbildnisse Kupezkys (Bratislava, Budapest), dessen Werk auch für den nüchtern 14 Wienerisches Diarium 1768. Nr. 46 von 8. Juni. Nr. 80 vom 5. Okt, Nr. 98 vom 7 Dez. 15 S. Fleischer: a.a.O. S. 100, 116; Baum: a.a.O. S. 646. 1769 wurden von der Tochter des Malers, Franziska Seybold mehrere Stücke für das Kaiserhaus erworben. Nach dem Wortlaut des Dokumentes und dem Preis zu urteilen („vor gemachter 5 kleinen Porträts", 2 Dukaten pro Stück) handelte es sich wahrscheinlich um Miniaturen die Franziska nach Bildern des Vaters verfertigt hat. lfi Inv. Nr.: 53.429, öl, Leinwand, 53,5X44,5 cm. Aus der Sammlung der Grafen Eugen Zichy, Budapest, und Edmund Zichy, Wien. S. Pigler, A.: Katalog der Galerie Alter Meister. Budapest, 1967, S. 639.