Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 53. (Budapest, 1979)

CIFKA, BRIGITTA: Gemälde von Friedrich Gauermann in Ungarn

GEMÄLDE VON FRIEDRICH GAUERMANN IN UNGARN Friedrich Gauermann (1807—1862) war einer der produktivsten Maler des österreichischen Biedermeier. Wohl ist sein Oeuvre viel einseitiger als das seines berühmten Zeitgenossen und Freundes F. G. Waldmüller, doch ist diese Einschichtigkeit nicht ohne kunstgeschichtliche und kulturhistorische Bedeu­tung. Zum einen ist Gauermann einer der ersten, die in langen Gebirgstouren die charakteristische Schönheit der Alpen und die attraktive Lebensweise ihrer Bewohner entdecken; indem er diese Eindrücke bildlich verarbeitet, wird er einer der Mitbegründer österreichischer Landschafts- und Genremalerei. 1 Zum anderen ist er auch einer der ersten, die im erst unlängst entstandenen öster­reichischen Kunsthandel mit einem stabilen Gemäldetyp erscheinen, den der Name des Künstlers kennzeichnet. Wenn „ein Gauermann" zur Sprache kam, vermochte sich jedermann mit mehr oder weniger Genauigkeit eine Gebirgs­landschaft mit Hirten und Vieh, oder eine Szene aus dem Kampf von Raub­tieren vorzustellen. Wie bereits erwähnt, schildern diese Bilder in ihrer überwiegenden Mehr­heit auch geographisch genau lokalisierbare Landschaften — hauptsächlich die engere Heimat des Künstlers Miesenbach und das Salzkammergut —, dennoch beherrscht die Natur nicht die figuralen Szenen, sondern interpretiert vielmehr die Idylle des Dorflebens. Die Unwirtlichkeit der Felsengrate, oder der Sturm, der das Vieh verjagt — das alles bleibt doch nur ein alltägliches Ärgernis und wird nie der Bote einer heranbrechenden Katastrophe oder das Symbol un­bezwingbarer Elemente. Auch in seiner Darstellungsweise verzichtete Gauermann auf schrille Ef­fekte und kräftige Farbenkontraste — im Unterschied zu seinen Farbenskizzen —, ebenso auf scharfe Trennungen von Licht und Schatten, dies im Gegensatz zu seinen lavierten Tuschzeichnungen. Mit seinen Werken, die hauptsächlich aus verschiedenen braunen und grünen Farbtönen entstanden, paßte er sich viel besser der beliebten „Galerie"-Tönung seines Zeitalters an als Waldmüller mit seinen frühesten Landschaftsbildem. Trotz seiner thematischen und stilistischen Einschichtigkeit malte Gauer­mann niemals mechanisch, ohne den Hintergrund des Erlebnisses — Sein ge­diegener Geschmack, sein kultiviertes Kolorit und seine edle Zurückhaltung be­wahrten ihn davor. Die Tatsache, daß er von der Schönheit der Landschaft immer wieder mitgerissen wurde, verlieh selbst seinen vielfach variierten 1 Siehe Schwarz, H.: Salzburg und das Salzkammergut. Die künstlerische Entdeckung der Stadt und der Landschaft im 19. Jahrhundert. Dritte Auflage, Wien — München, 1958.

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