Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 50. (Budapest, 1978)

GARAS, KLARA: Kupezky Studien. Unbekannte Bildnisse aus Kupezkys Wiener Periode

geborene Händl war aber zu jener Zeit noch ein Jüngling. Es wäre natürlich mög­lich, daß Händl ein früheres Bildnis seines Meisters — eventuell schon in den vierziger Jahren — als Vorbild benützt hat. Das etwas unorganische Nebenei­nander der beiden Figuren, mit Kupezkys zu langem Arm, die räumliche Un­sicherheit sowie auch der abweichende Maßstab der beiden Köpfe, scheinen diese Annahme zu unterstützen (Abb. 77). Eng verwandt mit der jüngeren Gestalt des Budapester Doppelbildnisses ist der Dargestellte auf einem weiteren Porträt in Budapest, das 1904 in Privat­besitz und dann in das Museum der Bildenden Künste gelangte. :!/ Es stellt einen vor der Staffelei sitzenden Maler in prächtiger ungarischer — oder polnischer­Kleidung dar, — er trägt einen pelzgesäumten Dolman mit Goldknöpfen, eine federgeschmückte Mütze, hält mit der Rechten den Pinsel und mit der Linken die Palette. Auf der Staffelei rechts sieht man ein Bild mit Johannes d. T. (Abb. 78). Die weiche und lyrische Darstellungsweise, das Mangeln der für Kupezky charakteristischen Intensität und des Ausdrucks müssen uns überzeugen daß es sich nicht um ein Werk Kupezkys, sicher aber um eine ihm eng verbundene Arbeit handelt. Die von Thöne veröffentlichten, und im vorangegangenen be­stimmten Werke Händls sowie die Verwandtschaft mit seinem Selbstbildnis machenen wahrscheinlich, allenfalls möglich daß der Autor unseres Gemäldes mit dem in herrschaftlichen Kreisen und vom Hof viel beschäftigten, einst be­rühmten Wiener Bildnismaler, dem Kupezky —Schüler Max Händl identisch ist. 3 « Neben Händl erwähnt Füssli als besten Schüler Kupezkys den aus Ansbach gebürtigen Gabriel Müller; er arbeitete in Wien und dann in Nürnberg neben Kupezky. Der Werkstattpraxis der Zeit gemäß malte er die Draperien auf den Gemälden seines Meisters, verfertigte auf Wunsch Kopien von einzelnen Wer­ken für die Auftraggeber; er wurde der „Kupezky-Müller" genannt. Von den Kupezky-Bildnisvarianten können einige ihm authentisch zugeschrieben wer­den, so die Wiederholung des H. Ch. Hochmann Porträts aus der Sammlung Ebner (Nürnberg), und auf Grund der unlängst veröffentlichen Dokumente die Variante in Roztoky (d. i. Zabehlice) des Questenberg-Bildnisses von Jarome­rice. 30 Zur genaueren, verläßlicheren Bestimmung von Kupezkys Oeuvre brauchen wir aber nicht nur eine Darlegung der Tätigkeit seiner Schüler und Nachfolger, ;!7 Budapest, Museum der Bildenden Künste, Inv. Nr. 58. 91, öl, Leinwand, 145,5 x 94, Ankauf 1958. S. Pigler, A. : Katalog der Galerie alter Meister. Budapest, 1967, 91, „böhmisch, erste Hälfte 18. Jahrhundert". Derzeit als Leihgabe in der Na­tionalgalerie. Die Vorgeschichte des Bildes s. Nyári, S.: Egy ismeretlen Kupeczky kép. Vasárnapi Újság, 1904 781; Nyári, S.: Kupeczky János és Mányoki Ádám a Szép­művészeti Múzeumban. Művészet, 1906 251; Ernszt-Múzeum Kiállításai XIII. (35. sz.) Budapest, 1913; Safafik a. a. O. 93 Nr. 113 (nicht von Kupezky). :w Ein Selbstbildnis Max Händls war auch in der berühmten Malerbildnis — Sammlung des Grafen Laktanz Firmian in Schloß Leopoldskron verzeichnet (1809) s. österreichische Kunsttopographie, Die Denkmale des Gerichtsbezirkes Salzburg. XI. Wien, 1916, 298. Nach neuesten archivalischen Funden war Händl auch in Preßburg tätig, er malte die Bildnisse Kaiserin Maria Theresias und Franz von Lothringens, s. Staatsarchiv, Budapest, Familienarchiv, Esterházy, Tata, Familiarum fasc, 93 p. 708. M Füssli a.a.O. 48; Fidler in Sbornik Praci a. a. O. 86. Daselbst auch J. und A. Schmutzers Questenberg —Bildnisstich erwähnt. In Zusammenhang mit dem Werk­stattbetrieb betreffs Bildnisvarianten s. die bezeichnenden Daten bei Endel, P.: Les livres de comptes de Hyacinthe Rigaud. Paris, 1910.

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