Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 46-47. (Budapest, 1976)

BENESCH, OTTO: Maulbertsch als Radierer

MAULBERTSCH ALS RADIERER Das graphische Werk des größten österreichischen Barockmalers umfaßt nur wenige Blatt. Doch steht es an Größe der Erfindung und Unmittelbarkeit des Ausdrucks in der deutschen Graphik des 18. Jahrhunderts obenan und wir können die Radierungen des schwäbischen Österreichers Maulbertsch neben denen des Schwaben Johann Heinrich Schönfeld mit Fug als die schönsten des deutschen Barock bezeichnen. Franz Anton Maulbertsch als Radierer war nicht das, was man einen „vollendeten Techniker" zu nennen pflegt. Was das rein handwerkliche Geschick im Umgang mit der Radiernadel anbelangt, waren ihm seine Zeitgenossen Paul Troger und Martin Johann Schmidt, genannt Kremser Schmidt, entschieden überlegen. Das Instrument arbeitet in deren Händen viel geläufiger. Sie haben einen dem technischen Mittel reibungslos angepassten graphischen Stil mit typischen Darstellungsmöglichkeiten und wie­derkehrenden Formeln ausgebildet, lehr- und lernbar, der in breiteren Schichten der österreichischen Barockgraphik Schule gemacht hat. Das gilt von Maul­bertsch' graphischem Stil nicht. Er ist das Allerpersönlichste und Unmittel­barste, steht und fällt mit seinem Schöpfer. Scheinbar spröde ist die Nadel in Maulbertsch' Hand, besonders bei den frühen Blättern, die Materie scheint ihm mehr Schwierigkeiten entgegenzusetzen, als sie der landläufige Radierstil kennt. Aber letzten Endes wird die Materie doch viel mehr überwunden als dort, wo eine gangbare Formel über das Problem hinweghilft, weil jeder Strich der Materie ein Kampf um die Darstellungsfreiheit des innerlich Erschauten ab­gerungen, jeder Zoll des Werkes durchnervt und durchpulst ist. Gerade die Hemmungen, die ihm die Materie entgegensetzt, weiss Maulbertsch zu neuen Ausdruckswerten zu verwandeln, das spröde Kratzen der Nadel in ein Zucken und Flammen des Liniennetzes umzusetzen, das das wunderbarste graphische Korrelat des wogenden, leidenschaftlich erregten und ätherfeinen Farbenspiels seiner visionären Malerei ist. Doch wäre es falsch, den graphischen Stil des Maulbertsch nur als eine Anweisung auf seine malerischen Schöpfungen auf­zufassen. Er bleibt bei aller Eigenart und unbeschränkten Expansionsmöglichkeit dem Wesen graphischer Kunst völlig treu. Das Liniengefüge an sich ist Träger gesteigerten Ausdrucks, das Irrationelle, fieberhaft Erregte von Maulbertsch' künstlerischen Vorstellungen spricht aus jedem kleinsten Linienkompartiment. So kommt es, daß die Radierungen des Maulbertsch, obwohl sie nur sel­tene „Gelegenheitsarbeiten" in seinem Schaffen darstellen, auch als graphische Kunstwerke ungleich höhere Leistungen bedeuten als die der gewandteren Radierer unter seinen Zeitgenossen, denen die Nadel- und Stichelarbeit schon Manuskript aus dem Nachlaß von Otto Benesch. Herausgegeben von Eva Benesch. Die später publizierte Literatur erscheint in eckigen Klammern.

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