Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 46-47. (Budapest, 1976)

BENESCH, OTTO: Maulbertsch als Radierer

Das Ganze gleicht einem Adler mit entfalteten Schwingen. Das Antlitz der Verklärten ist ein weißer Fleck, den nur das Kopftuch von der leeren Lichtzone ihrer Glorie abgrenzt. Gerade in seinem fragmentarischen Charakter sagt uns dieses Blatt so unendlich viel. Zunächst vermag es uns besser als irgendeines über Maulbertsch' Arbeitstechnik Aufschluß zu geben. Bei der Anlage seiner Radierungen ging der Künstler niemals von den Konturen, sondern von den farbigen Flecken und Flächen aus. Er legte seine Platten so an wie der geborene Maler, der vor der grundierten Leinwand steht und das Bild in großen Zügen „untermalt", ohne sich mit umständlicher Kreide- oder Kohlezeichnung zu befassen, der Einge­bung des schöpferischen Augenblicks das Werden der ihm ungefähr vorschwe­benden Komposition überlassend. Er komponierte in Hell-Dunkelflächen, den leeren Grund als positives Lichtfluidum wertend, durch dessen mähliche Ab­deckung er die schattige Plastik der Formen gewann. In wogend bewegten Schraffenlagen legte er die Flächen der Gewänder an, in kurzen, energischen Kreuzlagen ließ er die Schattenplastik eines sonst strahlend hellen Kinderkör­pers erstehen, durch bohrende Schattendrücker furchte und wölbte er die Ge­sichter, in schwebend gerundeten, sich kreuzenden Halbtönen formte er die nackten Engelsleiber. Und zwischen den Formen wogt und qualmt es von Nebeln in flimmernden Lichtabstufungen; irisierende Äthermassen lösen das tektonisch Feste auf, dehnen den gebauten Raum. Alles Greifbare scheint aus diesen Helldunkelnebeln geboren zu werden. Es ist ein einziges andächtiges Flammen und Brennen. Nirgends finden wir durchgezogene Konturen. Überall stößt das ungebundene Gitter- und Schraffenwerk toniger Flächen an das gleichfalls farbige Weiß. Und so wirkt schließlich auch das Unvollendete des Blattes fast eher als Steigerung denn als Mangel. Wie links eine große weiße Zone wie eine aus dem Sarg herausschlagende sturmgepeitschte Lohe die bärti­gen Apostel auslöscht, wie das Antlitz Mariae leer steht, als ob sein überirdi­sches Strahlen dem irdischen Auge das Sehen verwehrte, wird das Visionäre dieses Meisterwerks zu nicht überbietbarer Intensität des Ausdrucks religiöser Ergriffenheit gesteigert. OTTO BENESCH

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