Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 46-47. (Budapest, 1976)

BENESCH, OTTO: Maulbertsch als Radierer

Der Bau der Komposition ist ein ausgesprochen steiler. Abschüssige Schrä­gen steigen gegen Himmel •— eine Fahne. Männer in langen Mänteln wie Pleurants von einer spätmittelalterlichen Grabtumba — steile gekappte Kegel­formen. Selbst die ganze Gruppe Christi und seiner Jünger schließt sich zum Komplex eines mächtigen stumpfen Kegels zusammen. Die Körper schieben sich so hinter- und ineinander, daß es Überlegung kostet, jedem Rumpf sein Haupt, seine Hände zuzuteilen. Doch alles sitzt, trotz kühnster Verkürzung und Verschränkung, mit unfehlbarer Sicherheit an seinem Platz. Ein Apostel scheint sich ganz an den Heiland anzuschmiegen: er stützt Haupt und Hände auf einen Stab und bohrt seinen Blick in die Szene; die beiden hinter ihm disputie­ren erregt über das Geschaute. Diese Männer sind eine geistige Einheit mit Christus als ragendem Exponenten — auch seelisch ein Ganzes. Doch lösen sie sich räumlich durch Hin- und Widerneigen der Köpfe, durch das locker tastende Gestenspiel der aus der Gruppe herauswachsenden Männer so, wie sie sich auch psychisch differenzieren. Welche Überzeugungskraft da in jedem Kopfe, jeder Hand leben muß, um die Lösung zu vollziehen, leuchtet ein. Der sanfte Christus mit dem Piazzettakopfe ist ganz Güte und Verstehen. Schimmerndes Licht ergießt sich über die Gruppe, die Konturen auslöschend; die Schatten stehen im durchsichtigen Grau fliegender Gerader, die in spitzem Winkel un­ablässig sich kreuzen. Dieser fliegende, vibrierende Rhythmus geht durch das ganze Blatt, verleiht ihm etwas von dem Übergangslichte, das entsteht, wenn rasche Wolken über die Sonne huschen. Nur höchste Sicherheit im Erfassen der farbigen Lichtwerte vermag bei so transitorischer Skizzierung die Deutlich­keit des kompositionellen Wuchses aufrecht zu halten. Wie die Rechte Christi aus den Mantelfalten hervorwächst, wie das Antlitz des bärtigen Apostels nur aus wenigen Schattendrücken in fast ungegliederter heller Fläche besteht! Der Hauptmann, zottig an Bart und Helm, sinkt wie vom Blitz getroffen vor dem Heiland ins Knie. Daß das Blatt viel von G. B. Piazzetta, diesem Schicksals­mann der österreichischen Barockmalerei hat, ist natürlich. Doch auch Anklänge an G. Bazzani enthält es; der geknickte Hauptmann ist (im Gegensinn) der hl. Dominicus einer Santa Conversazione des Mantuaner Meisters, 4 der auch für die ganze Komposition von Bedeutung gewesen sein dürfte. 5 Der verwun­derte Signifer gleicht einem volkstümlichen österreichischen St. Florian. In dem schmalen Spalt zwischen ihm und den Aposteln taucht der suggestivste Kopf des Blattes auf: ein spanischer Hidalgo mit steifer Halskrause, Bart à la Henri IV und in namenlosem Staunen gotisch hochgezogenen Augenbrauen, der aus einem Bild von El Greco zu kommen scheint, aber wohl in irgendeinem Werk des heimischen Manierismus sein Vorbild haben dürfte. Mächtige Disteln, stachelig wie der Bart des Erstaunten, wuchern in den Ecken. 1765 datiert ist die von Maulbertsch mit Fresken geschmückte Schwechater Pfarrkirche. 1 ' Von den Skizzen hiezu in Wien, Österreichische Galerie, ist die der «Himmelfahrt Mariae» eine der kühnsten und freiesten Schöpfungen Maul­bertsch'. 7 Schon einmal früher hatte ihn das Problem der aus dem Sarge auf­schwebenden Gottesmutter als Gegenstand einer großen Komposition beschäf­4 Städel Jb. 1924, Abb. 110. — [Benesch, O. : Collected Writings IV, pp. 31, 34, fig. 33.]. 5 Maulbertsch' Zusammenhänge mit der älteren und gleichzeitigen Kunst des italienischen und nordischen Barock habe ich bereits früher erörtert (Städel Jb. 1924, pp. 135 ff.) — [B e n e s c h, O.: Collected Writings IV, pp. 28 ff.]. 6 [B e n e s c h, O. : Collected Writings IV, p. 19, p. 365 Notes 23, 24, 25.] 7 Städel Jb. Abb. 102. — [B e n e s c h, O.: Collected Writings IV, pp. 20, 22, 24, 34, fig. 16.].

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