Kaposy Veronika szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 45. (Budapest, 1975)
KNAB, ECKHART: Über Maulbertsch und Gran
sten Male mit der Ölskizze zum Altarbilde der hl. Elisabeth in der Wiener Karlskirche (1730 — 37) und den daneben ausgestellten Skizzen Maulbertschs vergleichen konnte, denen sie wesentlich näher steht. Die Maulbertsch-Ausstellungen dieses Jahres bekräftigten meine Vermutung, daß die Budapester Aurora-Skizze ein Werk Maulbertschs sei und zwar der mittleren oder späteren Fünfziger beziehungsweise der Sechziger Jahre, in Temperament und Farbigkeit etwa den Ölskizzen für die im zweiten Weltkriege zerstörten Fresken in der Pfarrkirche von Schwechat vergleichbar. 13 Man darf sie als» modelletto« oder besser als Paraphrase auf ein auch in der Kunstliteratur der Zeit gerühmtes Werk Daniel Grans ansprechen, einer Zeit, die von übertriebener Originalitätssucht noch unbelastet war und in der »originelle Copien« dieser Art nicht selten waren, ja zur künstlerischen Ausbildung und Vervollkommnung zählten. So darf in der bisher Gran zugeschriebenen Aurora-Skizze des Museums der Schönen Künste ein Gruß und ein Verneigung eines Größeren vor einem verdienten Vorgänger gesehen werden, den er in seinem späteren Schaffen noch öfter »zitieren« sollte. Zwei Ma ulbertschzeich nungen in der S t a d t b i b 1 i o t h e k von Rouen Frankreichs Provinzmuseen sind ein fruchtbarer Boden für unerwartete Entdeckungen. So konnten Peter von Baldass und Boris Lossky vor mehr als fünfundziwanzig Jahren im Museum von Tours eine Altarbildskizze von Maulbertsch zum Hochaltar der ehemaligen Trinitarierkirche von Trnava (Nagyszombat) in der Slowakei entdecken, eine »Anbetung der hl. Dreifaltigkeit durch die Begründer des Trinitarierordens«, die den seltener und gewiß wegen anderer Ziele an die Loire gelangenden Reisenden aus Mitteleuropa einen Willkommensgruß der Heimat entbietet. 14 Die Kenntnis der beiden Studienblätter Maulbertschs in Rouen, die beide weibliehe Genien auf Wolken darstellen, verdanke ich einem 1970 von Pierre Rosenberg und Antoine Schnapper verfaßten Ausstellungskatalog der dortigen Stadtbibliothek (Abb. 31—33). Sie wurden darin der venezianischen Schule des achtzehnten Jahrhunderts zugewiesen mit der Hoffnung, »que leur présentation permettra de leur donner une paternite.« 15 Das zweite Blatt (Abb. 32.) läßt sich gegenständlich näher deuten: es stellt offenbar die Rosen streuende Morgengöttin (Aurora) und die Blumengöttin (Flora) dar, welche einen Korb trägt. Die schwingenden diagonalen Bewegungszüge der Figuren und die atmosphärisch gelöste Zeichenweise legten die Bestimmung »venezianisch« von vornherein nahe und es war nicht das erste Mal, daß Schöpfungen österreichischer oder süddeutscher Meister der venezianischen Schule zugeschrieben wurden. Bestanden doch mannigfaltige künstlerische Beziehungen zwischen Venedig und Wien schon seit der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts, die sich auch auf andere süddeutsche Schulen, einschließlich Böhmens und Mährens, Ungarns und Polens erstreckten. 16 Die besagten Studienblätter, die mittlerweile in der 13 G a ras: Maulbertsch, Abb. 146, 148, 151. - Maulbertsch. Wien, 1974. Nr. 57, (Abb. vor S. 1) Nr. 56 (Abb., S. 203), Nr. 59 (Abb., S. 71). 14 Lossky, B.: Une Esquisse de Franz-Anton Maulbertsch au Musée de Tours, in: Gazette des' Beaux Arts VI/ 55, 1960. S. 51 ff. 15 R o s e n b e r g, P. - S c h n a p p e r, A. : Bibliothèque Municipale de Rouen, Choix des dessins anciens. Rouen, 1970, Nr. 93, 94. 1(i Vgl. M u r a r o, M.: Novità su Francesco Guardi, in: Arte Veneta, 1949 S. 123 ff. — M u r a r o, M.: Astrischi Guardeschi, in: Probleme Guardeschi. Venezia, 1967. S. 161 ff. 1 49