Radocsay Dénes - Gerevich Lászlóné szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 22. (Budapest 1963)
BENESCH, OTTO: Über den Werdegang einer Komposition Rembrandts
Formulierung in einer noch unbekannten Zeichnung, die sich einst in der Sammlung E. V. Utterson befand und neulich in englischem Privatbesitz aufgetaucht ist (Abb. 47). Sie gibt sich als eine der seltenen Zeichenproben aus Rembrandts allerletzten Jahren zu erkennen. Wie die « Auferweckung der Tabitha » in Dresden (Benesch 1068) kann sie nur schätzungsweise in die Jahre 1662—65 datiert werden. Die Zeichnung misst 175x207 mm und ist mit breiter, strahliger Rohrfeder gezeichnet, die häufiger Deckweisskorrektur unterworfen wurde. Sie stellt die Szene der Begegnung Christi mit Martha und Maria nach dem Tode Lazari laut Evangelium Johannis Kap. 11, Vers 30—35 dar. Mit grösster Deutlichkeit hat Rembrandt die Trauer Christi um Lazarus, das Weinen der umstehenden Juden und die Dringlichkeit der Worte der Schwestern geschildert. Martha entgegnet, mit sprechender Gebärde der Hände, dem Herrn, der sie ruhig belehrt : « Habe ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen? » Diese Lehre ist ebenso klar zum Ausdruck gebracht wie die an die Ehebrecherin und ihre Verkläger gerichtete. Damit spinnt sich der Gedanke der Zeichnungen von Köln und München hier weiter. Und Maria ist ganz tief und demütig zur Erde gesunken wie Tobit in den Zeichnungen des Engelabschieds. So vereinigt diese Zeichnung Kompositionsideen und vom Inhalt getragene Gestaltungsmotive aus mehreren Schöpfungsreihen der früheren Jahrzehnte zu einer symphonischen Synthese, deren Stärke und Tiefe des Ausdrucks alles Frühere überbietet. OTTO BENESCH (Wien)