Csánky Dénes szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 10. 1940 (Budapest, 1941)

Nikolaus Csánky: Das Bartfelder Madonnen-Bild

das Jahr 1400, oder noch später, reichen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist Wien als Sitz dieser Werkstatt zu betrachten. Aus ihr gingen auch u. a. die acht, die Passion darstellenden Aussenbilder des Znaimer Altars (Wien, Kunsthistorisches Museum)" hervor. Diese deuten im Vergleich mit dem Bartfelder-Krakauer Meister bezüg­lich der Szenenanordnung, oder noch rich­tiger der Auffassung der architektonischen Kulisse auf wertvolle und wesensverwandte Anregungen. Besonders die Bilder der Kra­kauer Augustiner sind durch prunkvolle und kühn verkürzte architektonische Bestand­teile gekennzeichnet, innerhalb welcher die schwungvollen Bewegungen der Gruppen und einzelnen Figuren, die Draufsichten und Ver­kürzungen dem Ausdruck der dritten Dimen­sion dienen. Dabei sind Tumult, innere Span­nung und orientalischer Reichtum ebenso wesentliche Elemente des Stiles, wie etwa die schillernde, prunkvolle Kleidung der Gestal­ten, die bunten Brokatstoffe, die Teppiche und die märchenhafte Vielfarbigkeit der tek­tonischen Einzelheiten. Die Vertreter der fortschrittlichen Richtung der Wiener Male­rei haben Beziehungen zur Schule Hans von Tübingens unterhalten. Der für die Entwick­lung so bedeutende Jakob Kaschauer, sowie der mit ihm parallel wirkende unbekannte Meister von Schloss Lichtenstein drücken das Erschaute in der neuen Formensprache der Zeit aus, das im wesentlichen der Auffassung des später aufgetauchten Krakauer Meisters verwandt ist. Der in den fünfziger Jahren, noch genauer im Jahre 1456 entstandene Klosterneuburger Magdalenen-Altar weist auch in den Einzelheiten schon (weitoffene Tiafensicht der Landschaft mit emporragen­den Burgen, kleinen Bäumen und Wegen im Hintergrund, Pflanzen und Kieselsteinen im Vordergrund, dahinziehenden Wolken auf dem Himmel) eine an den Krakauer Meister gemahnende Naturbeobachtung auf. Dieser Altar ist, nach der Ansicht Otto Beneschs, als seltenes Bindeglied zwischen dem Albrechts­Altar und den im Wiener Maria Stiegen­Kloster aufbewahrten Tafeln zu werten. 33 Die Landschaftsauffassung lässt als Ursprungsort. des Stils den Oberrhein oder den Boden-See vermuten. Im deutschen Südwesten wird also die Aufmerksamkeit auf jenen grossen Stilum­32 Ludwig Baldass: Der Wiener Schnitzal­tar. Jahrbuch der kunsthistorischen Samm­lungen in Wien, 1935. S. 29—30. 33 Katalog der Kunstsammlungen des Stif­tes Klosterneuburg, 1937. S. 73. schwung gelenkt, der sich zu Beginn de3 15. Jahrhunderts vollzogen hatte. Die neuen künstlerischen Gedanken des Jahrhunderts hatten — den Einwirkungen des im nahen Burgund geborenen Naturalismus folgend — hier zum ersten Mal Gestalt gewonnen. Hier war die neue Kraftquelle der Malerei des Donaulandes entstanden, und Benesch da­tierte etliche Tafelbilder und Zeichnungen aus dem zweiten, entscheidenden Jahrzehnt des Jahrhunderts. 34 Die Werke sind vom Geist einer vornehmen, expressiven, westlichen Formenkultur durchdrungen. Die gewichtlo­sen, schlanken Gestalten, die zerfliessende Struktur entspringen einem verfeinerten Sinn für das Ornament. In den Massenkompositio­nen kündigt sich das dramatische Gefühl der neuen Welt, wohl noch zaghaft, im Zeichen des weichen Stils an. Diese Entwicklung geht den charakteristischen Bestrebungen der dreissiger und vierziger Jahre, dem „schwe­ren Stil" voran. Neue und kühne Initiativen werden ergriffen. Die kubische Gestaltung der Massen, die dem modernen Auge gefälli­gen Draufsichten, starken Verkürzungen, all dies dient der dreidimensionalen Wirkung der Körper. Die Farbgebung ist hell, die Zeichnung einfach; den monumentalen Aus­druck sichert die Dynamik der Bewegungen. Die Merkmale des schweren Stils sind in dem entfernten Mittel-und Südosteuropa im fünf­ten Jahrzehnt zu erkennen, hier entsprechen sie aber selbst in den sechziger und siebzi­ger Jahren noch den zeitgenössischen An­sprüchen, erweisen sich sogar als unversieg­barer Born künstlerischer Betätigung. Seine Elemente sind im Dickicht der zahlreichen Zwischenstationen, der Versuche und inmit­ten der neuen niederländischen Strömungen in das Gewand der lokalen Entwicklung ge­hüllt. Den ersten berufenen Vertreter dieses Stils erblickte Benesch in jener grossartigen Künstlerpersönlichkeit, deren Wirkung sich eben auch in jenen Knotenpunkten künstle­rischen Schaffens bemerkbar machte, wo wir gemeinsame Stileigentümlichkeiten mit den Bartfeld-Krakauer Denkmälern beobachten konnten. Name und Persönlichkeit des Malers blieben bis heute unbekannt, nach dem einzi­gen kleinen im New Yorker Worcester-Mu­seum aufbewahrten Tafelbild (245X195 mm) nannte ihn Benesch den Meister der Wor­cester-Kreuztragung. 85 Die bahnbrechende 3i Oesterreichische Handzeichnungen des 15. und 16. Jahrhunderts. Freiburg im Breis­gau, 1936. 35 a. a. O. S. 17—21, /

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