Csánky Dénes szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 10. 1940 (Budapest, 1941)

Nikolaus Csánky: Das Bartfelder Madonnen-Bild

den mit Reliquienbehältern versehenen Rah­men bedecken Juwelen verzierte, vergoldete und punzierte Metallplatten. Der Überliefe­rung nach handelt es sich um eine von böh­mischen Mönchen aus Rudnik hierherge­brachte Importarbeit. Feliks Kopera datierte das Werk um die Wende des 14—15. Jahr­hunderts, 25 während Walicki es letzthin um 1420 ansetzte. 26 Nach einer eingehenden Prü­fung unternahmen wir kürzlich den Versuch, die Tafel den Werken des Bartfelder —Kra­kauer Meisters einzuordnen. Der Kopftypus des Kindes nämlich, die Betonung der feinen Hände entsprechen vollkommen der eigen­artigen Vortragsweise des Meisters. Auch die Grösse des Bildes, 42 5X28 cm, gleicht den Massen des Bartfelders. Der fremde Ton mag der Ubermalung zuzuschreiben sein, der neue, liniierte, vergoldete Saum und die Fransie­rung des Mantels Mariae ahmt den der be­rühmten, frühen Brüxer Madonna 27 nach. Auch die hingestreuten Sterne, wie »das Muster des die Beine des Kindes bedecken­den roten Tuches sind in der Art böhmischer Gnadenbilder wiedergegeben. Die Modellie­rung der Gesichter spricht jedoch für das 15. Jahrhundert und auch der für die böhmi­schen Madonnenbilder so bezeichnende, weiche, kaskadenartige Faltenwurf fehlt. Ge­rade deswegen haben wir — noch vor der richtigen Konservierung des Bildes für die Zukunft — die Möglichkeit einer Urheber­schaft unseres Meisters aufgeworfen. Das in den obigen Ausführungen rekon­struierte oeuvre des Meisters besteht also zahlenmässig aus zwei Rahmenbildern und 32 Tafeln, wobei letztere auf fünf Altäre zurückzuführen sind. Aus diesen Werken spricht eine entwicklungsfähige Persönlich­keit von hohem Können und breitem Hori­zont, ein Meister, der es verstanden hat, die Anteilnahme seiner Werkstatt und Gesellen in den Dienst einer einheitlichen Bildwir­kung zu stellen. Die wichtigsten Denkmäler stammen aus Krakau, oder aus der gleichen Diözese, das auf die Jahre um 1460 und 1470 entfallende Wirken unseres Malers gehört also in der Kunstgeschichte der polnischen Königsstadt mit zu den schönsten Kapiteln. Die lokale Note seines Stils mag — den ober­ungarischen Resultaten gleich — der gemein­samen Krakauer Tradition entspringen. Als 25 Dzieje malarstwa w Polsce I. Krakow, 1925. S. 152. 29 La peinture etc. a. a. O. S. 2. — Ma­larstwo Polskié etc. a. a. O. S. 57. 27 A. Matéjőek: Gotische Malerei in Böh­men. Prag, 1939. S. 50—51. Abb. 3. unmittelbare Vorläufer seiner Kunst hatte Walicki jene in der Krakauer Dominikaner­kirche erhaltene Bilderserie erwähnt, 29 die heute im Nationalmuseum aufbewahrt wird. Offenbar sind diese elf Tafeln Reste eines mächtigen Altars, für dessen ursprüngliche Masse und Einteilung — meiner Ansicht nach — der mehr als ein Jahrzehnt später errichtete Kaschauer Hauptaltar einen An­haltspunkt zu bieten vermag. 29 Der Krakauer Altar mag wohl nur zweiflügelig gewesen sein, doch jeden Flügel dürften innen wie aussen je sechs, paarweise übereinander­angeordnete Bilder geschmückt haben. Die Innenbilder der beiderseitig bemalten Tafeln entnehmen ihren Gegenstand der Passion, während die der Aussenseite das Leben Mariae darstellen. Eine restlose Gruppierung in iko­nographischer Reihenfolge kann nur nach dem Muster des Kaschauer Altars vorgenom­men werden. (Schema der Anordnung s. S. 68.) Es fehlt nur eine einzige Tafel des ehe­maligen Altars, und zwar die, mit der der Passionszyklus in der obersten Reihe des linken Flügels beginnen sollte. Diese Szene dürfte den Einzug Christi in Jeru­salem dargestellt haben, zumal sich als Gegenstück das Abendmahl ergibt. Auf dem rechten Flügel oben der ölberg und der Judaskuss, in der mittleren Reihe links Christus vor Pilatus und Geisselung, rechts Dornenkrönung und Ecce Homo, während unten die Kreuztragung und Beweinung Christi, bzw. Grablegung und Auferstehung folgten. Vom Marienleben fehlt das Aussen­bild der in Verlust geratenen Tafel: die Heimsuchung. Der Zyklus beginnt nämlich mit der Verkündigung und dürfte mit der Krönung Mariae aufgehört haben. Das For­mat der Tafeln (133X93 cm) übertrifft sogar das der stilverwandten Kaschauer Bilder (1265X81 cm). Den riesigen Altarschrein hat vermutlich die noch fehlende und wichtigste Szene der Passion, die holzgeschnitzte Gruppe der Kreuzigung ausgefüllt. Die Blütezeit der 28 La peinture etc. a. a. O. II. Kap. 1. und 2. T. — Malarstwo Polskié etc. a. a. O. IV. Kap. 1. u. 2. T. — Die Bilderreihe wurde von Jerzy Mycielski als Frühwerk Jan Polaks eingehend behandelt. Jan Polak malarz polski w Bawarji. Prace Komisji Historji Sztuki. Tom. IV., 1926. 29 Die ursprüngliche und richtige Reihen­folge der Kaschauer Bilder hatte Emmerich Henszlmann veröffentlicht: Die Hauptaltar­bilder der Kaschauer Kirche der Hl. Elisa­beth von Ungarn (Magyarországi Szent Er­zsébet kassai templomának főoltárképei). Un­garische Literarische Revue (Magyar Szép­irodalmi Szemle), 1847.

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