Csánky Dénes szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 10. 1940 (Budapest, 1941)
Nikolaus Csánky: Das Bartfelder Madonnen-Bild
Schreibung Ipolyis fand ich es — zu meiner grossen Überraschung — kürzlich in einem ungarischen Bildernachlass wieder. Das Werk stellt die auf felsigem Wegrand sitzende Mater Dolorosa dar, den sterbenden Sohn im Schosse. Die Muttergottes presst die Linke des Erlösers an sich, während seine Rechte schlaff herabhängt. Der neu vergoldete Hintergrund des Bildes gleicht dem Muster der Tafeln von Leutschau und Okolicsnó. Der Maler dieses Werkes dürfte eine hervorragendste Persönlichkeit der Leutschauer Malerschule des beginnenden 16. Jahrhunderts gewesen sein. Die gefühlvolle Auffassung der Pietà-Gruppe, die kühne Pinselbehandlung, die feine, auf Einzelheiten eingehende Zeichnung, sowie die Typen stehen der Zipser Kapitel-Savniker Bilderreihe und den in diesem Zusammenhang erwähnten Hauptaltären von Káposztafalva und Szepesszombat, etc. recht nahe. Nach dieser kurzen Aufzählung der oberländischen Rahmenbilder will ich als letztes den Gegenstand der vorliegenden Untersuchung nennen, das einstige Madonnen-Bild der St. Ägidius-Kirche in Bartfeld (Abb. 6), welches Werk dank der künstlerischen Zusammenhänge, wie auch der entwicklungsgeschichtlichen Stellung seines Meisters wohl eine eingehende Würdigung verdient. Auch werden die künstlerischen Beziehungen auf die eine oder die andere Wendung in der Hochblüte der Kaschauer und Krakauer Malerei und auf die inneren Impulse des Stils ein Licht werfen, die wohl mit den im Westen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hervorgebrachten künstlerischen Ergebnissen von so entscheidender Bedeutung zusammenhängen. Das Madonnen-Bild von Bartfeld entstammt der unvergleichlich reichen gotischen Einrichtung der Kirche und soll früher vor dem Mettercia-Altar gestanden haben. 6 Im Jahre 1916 hatte die Kirchengemeinde von Bartfeld das Bild dem Budapester Nationalmuseum geschenkt. Gegenwärtig wird es im Museum der Bildenden Künste aufbewahrt. Die ohne Krone, als Halbfigur dargestellte Maria stützt sich auf ein graues Steingesims. Sie trägt einen blauen Mantel, der ihre Tunika aus bunten Brokatstoff freigibt. Mit den Armen drückt sie das auf dem Gesims knieende und unten in einen durchsichtigen weissen Schleier gehüllte Kind an sich. Sie 8 Die freundliche Mitteilung verdanke ich dem Herrn bischöflichen Vikar Géza Zsebráczky. hält ihm ein rotgebundenes Buch vor, worin der Jesusknabe mit der rechten Hand blättert. Auf dem Goldgrund des Hintergrundes ist ein Rankenmuster zu sehen. Den gleichfalls vergoldeten, rotgeränderten Rahmen schmücken acht, wahrscheinlich nach den Vorlagen gegossene Reliquienbehälter, welche verglast sind. Die Reliquien jedoch sind schon längst nicht mehr vorhanden. Die Rückseite der Tafel ist von einheitlich rotvioletter Farbe; den grünen Rahmen verziert ein ursprünglich versilbertes, heute aber schon gänzlich verblasstes Blumenmuster. Die Seiten des Rahmens sind wurmstichig. Der innere rote Rand ist an mehreren Stellen schadhaft, die Rahmenkante wurde links, sowie unten aus lediglich eigenem Material ergänzt. Kleinere Ergänzungen finden sich noch auf dem Heiligenschein und zwischen den Reliquienbehältern, an Stelle der verlustigen Ornamente. 7 Dieses Rahmenbild ist der Aufmerksamkeit unserer ersten Kunsthistoriker noch gänzlich entgangen. In der archaeologischen Beschreibung der St. Ägidius-Kirche der im Jahre 1879 erschienenen umfangreichen Arbeit Viktor Myskovszkys suchen wir vergeblich nach einem Hinweis. Das wissenschaftliche Interesse hatte sich erst in der nahen Vergangenheit diesem Werke zugewendet. Die sich damit beschäftigenden Verfasser 8 vertraten — dem Hinweis Elemér Varjus folgend — die Ansicht, dass der Maler des Rahmenbildes ungarischen oder polnischen Ursprungs sei. In den beiden der Krakauer Marienkirche — oder genauer der Kürschnerkapelle — entstammenden und gegenwärtig im Krakauer Nationalmuseum befindlichen Bildern, deren Rahmen ganz ähnlicherweise mit Reliquienbehältern versehen sind, erkannten sie nämlich den Pinselstrich des Bartfelder Meisters. Gegenstand dieser Bilder ist die „Verkündigung" und die „Krönung Mariae". Als Werk der gleichen Hand kann jedoch nur die Krönung betrachtet werden, während das erstgenannte Bild einem anderen Maler zuzuschreiben ist. Die ersten Beobachtungen haben eine richtige 7 Das Rahmenbild wurde von Dr. Ladislaus Váli konserviert. Das Bildformat beträgt: 42X27 cm, mit Rahmen 59X44 cm. 8 Ivan Fenyő und Stephan Genthon: Die Flügelaltarbilder des Ungarischen Nationalmuseums. (A Magyar Nemzeti Múzeum szárnyasoltárképei.) Ungarische Kunst (Magyar Művészet), 1931. S. 452—455. — S. Genthon: Die altungarische Malerei. (A régi magyar festőművészet.) Vác, 1932. S. 54.