Petrovics Elek szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 9. 1937-1939 (Budapest, 1940)

Nikolaus Csánky: Zwei spätgotische Wiener Tafelbilder im Museum der Bildenden Künste

ZWEI SPATGOTISCHE WIENER TAFELBILDER IM MUSEUM DER BILDENDEN KÜNSTE Die altdeutsche Kunst im Donauland, die Werkstätten der Maler und Bildhauer in den Ländern der mittelalterlichen Ostmark erfreuen sich als Forschungsgebiet der neueren deutschen kunstgeschichtlichen Schriftsteller einer stetig zunehmenden Be­liebtheit. Die systematische Bearbeitung ist erst seit zwei Jahrzehnten im Gange, sie hat aber nicht bloss viele wichtige Detailfragen, sondern auch mehrere grosse schicksal­entscheidende Probleme der Klärung zuge­führt. Man hat die besondere künstlerische Bedeutung der spätmittelalterlichen Ostmark erkannt. Eine Unmasse von Abhandlungen, Studien, Aufsätzen ist erschienen, den neue­ren Feststellungen folgten neuere Wider­legungen, die vielen Dissertationen und Syn­thesen gaben Ansporn zu weiterer Unter­suchungsarbeit. Im Konservieren und Sam­meln der Bilder ging das Wiener Kunst­historische Museum voran, bald nach der grossen Wiener Ausstellung vom Jahre 1926 wurde dort eine selbständige Sammlung er­richtet. Das Bild der mittelalterlichen Kunst­entwicklung vervollständigt sich mehr und mehr. Diese rührigen Untersuchungen sind bezeichnend für das Interesse unserer Zeit, in das sich auch die übrigen Kunstzentren der Ostmark einschalteten. Durch den gross­deutschen Anschluss wurden mit einem mal alle Rahmen erweitert. Die zugerüstete Schriftstellergarde legte auf der voriges Jahr in Wien veranstalteten Ausstellung „Alt­deutsche Kunst im Donauland" die neuesten Ergebnisse vor. Die künstlerische Bedeutung der Ostmark wird nunmehr vom Gesichts­punkte des gesamten deutschen Donaulandes aus betrachtet. Das Bild der Entwicklung aber tritt uns in Persönlichkeiten vor Augen, deren Werke mehrere wichtige Wendepunkte der grossdeutschen Kunst kennzeichnen. Die künstlerische Schatzkammer des Un­gartums, das Budapester Museum der Bil­denden Künste, hat ihre heute bereits nam­hafte altdeutsche Sammlung erst allmählig durch Geschenke, zu kleinerem Teil durch Käufe und nicht durch systematisches Sam­meln ausgebaut. Den Grundstock bilden die Sammlungen Nikolaus Jankovich' und Arnold Ipolyis, die Hauptmasse aber entfällt auf die Denkmäler des Donaulandes und der Ungarn benachbarten ostmärkischen Schulen. Der gegenwärtige Generaldirektor des unga­rischen Museums bemüht sich mit besonderer Sorgfalt um die Vermehrung dieser in schö­ner Entwicklung begriffenen Sammlung. Je drei der Tiroler, und zwar der Brixener, Schule angehörige Bilder aus der Mitte des XV. Jahrhunderts gelangten schon bei der Neuordnung der Gemäldesammlung zur Aus­stellung. Die vierte, eine auf beiden Seiten bemalte Tafel, schmückt heute den ostmärki­schen Gotiksaal des Wiener Museums. Aus der Budapester Sammlung weiland Ludwig Emsts wurde die betreffende Abteilung des ungarischen Museums durch Bilder unga­risch-historischen Belangs von Bernhard Strigel und Jakob Seisenegger vermehrt. Das Bruchstück einer weiblichen Heiligenstatue, ein der Richtung Jakob Kaschauers ange­höriger andächtiger Kopf, hat das Museum im Kunsthandel erworben. Das Bruchstück ist noch von der Wiener Sammlung Franz Kieslingers her bekannt, 1 das verstümmelte Gegenstück ist in das Graner Christliche Museum gelangt.* In den jüngstvergangenen Jahren war für den Zuwachs der Sammlung die Christi Geburt-Tafel (s. Neuerwerbungen, T. III.), die seit Wilhelm Suidas Besprechung 3 als von dem Wiener Meister des sogenannten Albrechtsaltares stammend gilt, eine der be­deutendsten. Die Tafel befand sich in Stuhl­1 Belvedere 1923, IV. Band, Heft 16/17. S. 107, Abb. 57. 2 Die Budapester Büste wurde im Museum von Dr. Ladislaus Váli mit. Sachkenntnis und Erfolg konserviert. 8 Österreichs Malerei in der Zeit Erzherzog Ernst des Eisernen und König Albrecht II. Wien, 1926. S. 36.

Next

/
Thumbnails
Contents