Petrovics Elek szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 9. 1937-1939 (Budapest, 1940)
Erwin v. Ybl: Das Grabmal der Gräfin Stephan Károlyi
nova und Thorwaldsen. Das Károlyische Grabrelief (Abb. 2.) fusst auf ähnliche Werke dieser beiden Meister. Ferenczy wollte sich aber auch beim Entwurf und der Modellierung der Gestalt der Gräfin, die mit einem Schleier bedeckt ist, durch seine grosse technische Fertigkeit hervortun, wobei ihn die plastischen Werke des Spätbarocks ebenfalls beeinflussten. Obgleich das rechteckige, 180-7 cm lange und 107-5 cm hohe Relief sicherlich dem Schubart-Grabstein Thorwaldsens ähnelt, den dieser im Jahre 1814 im griechischen Reliefstil geschnitzt hat, so dürfte doch das Marchese d'Haro (Santa Cruz) Denkmal, das Canova im Jahre angefertigt hat, das unmittelbare Modell gewesen sein. (Abb. 3.) Darauf verweist noch nachdrücklicher das bereits erwähnte Szánthó-Grabrelief (Abb. 4.) Ferenczys, von dem er, wie wir wissen, behauptet hat, dass es mit der Idee des Károlyi-Relief s verwandt ist. Auf dem d'Haro- und dem Szánthó-Denkmal sind mehrere Gestalten sichtbar, während Ferenczy am KárolyiRelief nur zwei Personen dargestellt hat. Aber von der liegenden Toten abgesehen, stützt die Treue, die am KárolyiGrabmal vorne sitzt, ihr Haupt in der gleichen wehmutsvollen Art auf ihre rechte Hand, wie der Gemahl am d'Haro-Relief, der hinter der Toten steht. Auch die beiden Männertypen sind ähnlich. Das gemeinsame Schicksal der beiden Verstorbenen knüpft die zwei Grabdenkmäler gleichfalls zusammen. Marchese d'Haro hat seine junge Frau, die Marchesa Santa Cruz, unerwartet verloren, die — wie wir das auf dem Relief sehen, ausser dem Gatten noch von der Mutter und ihren drei Kindern beweint wird. So hat die Gräfin Georgine Dillon den jungen Grafen Stephan Károlyi auch schon in ihrem 28. Lebensjahre verlassen. Auf Grund dieser Analogie dürfte Ferenczy, als er den Auftrag Károlyis erhielt, an Canovas Werk gedacht haben, ja eine gewisse Episode mag beigetragen haben, dass er Canovas Werk besonders innig im Gedächtnis behielt. Jeder Biograph Canovas beschreibt die rührende Szene. 1- Graf Leopoldo Cicognara, der berühmte Förderer des Klassizismus und grosse Historiker der italienischen Bildhauerei besuchte im Jahre 1807, als er in Rom weilte, Canova und erblickte in einem abgeschlossenen Teil des Ateliers das erst vor kurzem vollendete d'Haro Grabdenkmal, in 13 A. G. Meyer: Canova (Künstlermonographien), S. 60. Vittorio Malamani: Canova, S. 111—112. dem der weltberühmte Bildhauer die Trauer der Familie der Marchesa mit erschütternder Wahrheit und doch edlen Zügen darstellt. Cicognara, der seine junge Gattin erst kürzlich unter ähnlichen Umständen gleichfalls verloren hatte, wurde durch das Grabmal derart gerührt, dass er Canova mit Tränen in den Augen umarmte. Im Zeichen dieses seelischen Schmerzes und dessen erhabenen Ausdruckes wurde die aufrichtige, bis zum Tode währende Freundschaft der beiden Männer geboren. Ferenczy, der Canovas auszeichnendes Wohlwollen besass, musste diese interessante Episode gekannt haben, und so ist es noch wahrscheinlicher, dass er die Komposition des d'Haro-Reliefs — allerdings in einer bescheideneren Gestaltung — für das Károlyi-Grabmal übernommen hatte. Sicherlich hat damals diese Idee auch dem Grafen gefallen, aber als es zur Aufstellung des Grabmals kam, da war wohl sein Schmerz über den Tod der ersten Frau schon verebbt. Wie wir bereits erwähnten, war er ja zu jener Zeit schon zum zweitenmale Witwer geworden. Der Relief-Stil des KárolyiGrabmales ist klassischer als bei dem Werke Canovas. Dies kann wohl dem Einflüsse Thorwaldsens zugeschrieben werden, dessen Gehilfe in Rom Ferenczy war, und der die Regeln, die aus der antiken Bildhauerei abgeleitet, wurden genauer als Canova befolgte. Teilweise bringt auch Ferenczy in seinem Relief jene Darstellung zur Geltung, die einen bestimmten Gesichtspunkt bedingt. So weisen die verkürzten Fusse des Empire-Schemmels der Treue darauf hin, dass sich der Blickpunkt des Reliefs, wo die perspektivischen Linien zusammenlaufen, in der Mitte der Marmortafel befindet. Im Gegensatz dazu und zu Canova stellt jedoch unser Meister das Totenbett völlig unabhängig vom Beobachter nach den Regeln des vollkommen Reliefstils der Antike dar. Wir können nur dessen vordere Füsse sehen. Auch der Aufbau des Totenbettes ist unorganisch. Sein Empirestil mischt sich mit spätantiken dekorativen Elementen und die Form der edelgeschwungenen, fleischigen Akantusblätter drückt die Belastung nicht aus. Aus Bronze gegossen könnten sie zwar das Gewicht tragen, aber veranschaulichen ihre Berufung nicht. Künstler, denen das richtige statische Gefühl mangelt, verfallen oft in diesen Fehler, wobei sie Teile von funktioneller Bedeutung durch dekorative Elemente ersetzen. Der gleiche spätantike Akantusblatt-Schmuck lugt auch zwischen den Kissen des Totenbettes hervor.