Petrovics Elek szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 9. 1937-1939 (Budapest, 1940)

Erwin v. Ybl: Das Grabmal der Gräfin Stephan Károlyi

DAS GRABMAL DER GRÄFIN STEPHAN KÁROLYI EIN UNBEKANNTES WERK STEPHAN FERENCZYS IN FÓT Im Jahre 1828 schrieb der k. k. Haupt­mann im Ingenieurkorps Karl Petrozai Tratt­ner im zwölften Jahrgang des Tudományos Gyűjtemény (Wissenschaftliche Sammlung), das in der ersten Hälfte des vorigen Jahr­hunderts erschienen ist und von Michael Vörösmarty redigiert wurde, einen begeister­ten und ausführlichen Artikel über Stephan Ferenczy. Der Titel lautete: „Heimatliche Kunst. Das Atelier des ungarischen Bild­hauers Ferenczys in Buda, Wasserstadt N. 62, Erdgeschoss". Nachdem Trattner die aus­dauernde und schliesslich erfolgreiche For­scherarbeit Ferenczys gewürdigt hat, die die­ser im Interesse der Auffindung des unga­rischen Marmors jahrelang leistete, be­schreibt er die Gipskopien, die er in der Werkstätte des jungen Künstlers gesehen hat, und darunter auf Seite 132 auch das Grabmal der Gräfin Stephan Károlyi mit folgenden Worten: „Eines der grössten Werke Ferenczys ist jener Grabstein, den der verwitwete Graf Stephan Károlyi zur Erinnerung an seine Ehegattin anfertigen liess. Die Selige ruht in einem deckellosen Sarg und ist mit einem Schleier bedeckt, der aus der Welt der Rosen gewebt zu sein scheint. Daneben sitzt, in tiefer Trauer versunken, die Treue auf einem Schemmel. Der Sarg und Schemmel sind wunderschön verziert. Auf dem Gesicht der Entschlafenen spiegelt sich die ergreifende Wahrheit, dass sie sich jenseits von Furcht und Hoffnung, Schmerz und Freude befindet. Auf ihrem Antlitz ruht der stille Friede, und deshalb wirkt die tiefe erschütternde Wehmut der Statue, welche die Treue darstellt, umso stärker." Graf Stephan Károlyi dürfte das Grabmal in der zweiten Hälfte des Jahres 1827 oder im Anfang 1828 bei Ferenczy bestellt haben, weil seine erste Frau, das Kind des Obersten Graf Eduard Dillon und dessen Gattin Geor­gine, Tochter des französischen Gesandten in Florenz, nach zweijähriger Ehe am 3. Mai 1827 im 28. Lebensjahre gestorben war. Fe­Évkönyv. renczy schreibt 1 schon am 29. März in einem Briefe an seinen jüngeren Bruder Josef: „Mit dem Grafen Stephan Károlyi habe ich wegen neuer Arbeiten verhandelt; er will für seine Frau ein Denkmal setzen, ich habe das Modell bereits angefertigt, aber die Sache ist noch nicht sicher". Der Graf musste also das Monument zwischen dem Todestag der Gräfin und dem Datum des erwähnten Briefes bestellt haben Karl Trattner hat im Laufe des Jahres 1828 be­reits das fertige Gipsmodel gesehen, aber das Grabmal aus Marmor von Ruszkabánya konnte in 1831 noch nicht fertig gewesen sein, weil wir in einem zweiten Briefe Fe­renczys, vom 4. Juli 1831, der gleichfalls an seinen jüngeren Bruder gerichtet ist, 2 fol­gendes lesen: „Die Denkmäler Ürményis, Kulcsárs und Károlyis schreiten rüstig vor­wärts". Auch Simon Meiler 3 schreibt in sei­nem Buche, dass im Jahre 1832 das Marmor­relief fast beendet war. Seine Feststellung gründet sich wahrscheinlich auf die Anga­ben des vorgenannten Briefes. Stephan Ferenczys erwähnt dieses Werk noch dreimal in seinem Briefwechsel.* Am 5. Juni 1834 schreibt er in Verbindung mit dem Denkmal, das im Kecskeméter Kolle­gium für Frau Martin von Szánthó errichtet wurde, dass „dessen Idee der Frau Károlyi­schen ähnelt". Im Briefe an Andreas Fáy 5 vom 16. Dezember 1839 führt er folgendes an „Mit der Gräfin Brunswik, dem Grafen Stephan Károlyi, Graf Stephan Fáy, Forray, Marczibányi hatte und habe ich keinerlei 1 Simon Meiler: Das Leben und die Werke Stephan Ferenczys. S. 181. 2 Stephan Ferenczy, der Künstler, an sei­nen lieben Bruder, Josef Ferenczy, Hörer der Theologie in Ultrajektum. Siehe Dr. Desi­derius Wallentinyi: Die Briefe Stephan Fe­renczys, S. 230. Joseph Ferenczy war damals Theologiestudent in Utrecht. 3 Wallentinyi: Op. cit. S. 255. 4 An seinen jüngeren Bruder. Wallentinyi: Op. cit. S. 264. 0 Wallentinyi: Op. cit. S. 312.

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