Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

HERMANN SCHLÖGL: Ein Beitrag zu den Anfängen der Arbeitersiedlung von Deir el-Medineh

Dieser Beruf gehörte zur Berufsgruppe der Maler. Der Vorzeichner hatte nicht nur Vorzeichnungen - vor allem Inschriften - anzufertigen, sondern zu seiner Aufgabe gehörte es auch, Bilder und Hieroglyphen auszumalen. 1 ' Dazu waren Kenntnisse des Lesens und Schreibens erforderlich, und sein sozialer Stand war dem eines Schreibers fast gleichgestellt. Zu der Turiner Stele kommt jetzt ein weiteres Denkmal, das den Namen des Tel nennt. Es handelt sich dabei um eine Schabti-Figur, die als ein kleines Kunst­werk bezeichnet werden darf, und deren Eigentümer Tel ist. Die Statuette - aus einer englischen Privatsammlung stammend - war auf der TEFAF im Herbst 1998 in Basel zu besichtigen und wurde in der Ausgabe "Basler Zeitung" vom 7./8. November des gleichen Jahres sowohl innerhalb eines Artikels über die Schau als auch mit einem Farbfoto gewürdigt. Die Figur (siehe Abb. 2-5.) ist aus Kalkstein gearbeitet, 24 cm groß, die maximale Breite beträgt 7 cm, die Tiefe 7,5 cm. Die ursprüngliche Bemalung in Rot, Grün, Blau, Gelb, Ocker sowie Weiß und Schwarz hat sich fast vollständig erhalten, sieht man von vereinzelten Bereibungen der Oberfläche und einigen Farbausbrüchen ab. Das rechte Fußteil ist abgesplittert und verloren. Das fein aus dem Stein geschnittene Gesicht ist vom Königsbildnis der frühen 18. Dynastie, dem sogenannten Thutmosidenstil geprägt, 12 das heißt, es zeigt Antlitzzüge, die sowohl bei der königlichen, als auch bei der Privatplasik der Zeitgenossen von Thutmosis I. bis zu Hatschepsut / Thutmosis III. anzutreffen sind. Eine dreigeteilte, mit dunklem Blau bemalte Strähnenperücke umrahmt das Gesicht, die einzelnen Strähnen sind durch gelbe Farbe hervorgehoben. Der Körper der Statuette ist mumienförmig, Arme und Hände sind nicht sichtbar. Unterhalb des breiten, mehrgliedrigen Halskragens ist eine sechszeilige, horizontale Hieroglypheninschrift, die um den Körper herum­fuhrt, sorgfältig eingraviert. Eingeschnittene Linien umrahmen den Text, der eine Version des 6. Spruches des Totenbuches 13 enthält: "Erleuchtung des Vorzeichners Tel, selig, er sagt: O Schabti, wenn man abzählt und wenn man zuteilt den Vorzeichner Tel, selig, zu irgendeiner Arbeit, die dort getan wird, als ein Mann in seiner Dienstverpflichtung, Übles ist ihm " R. Drenkhahn, Die Handwerker und ihre Tätigkeit im alten Ägypten, ÄA 31, Wiesbaden 1976, S. 70. Zur sozialen Stel­lung des Vorzeichners: Cerny, Community, S. 191 - 192, 340; E. S. Bogoslovsky, Hundred Egyptian Draughtsmen, ZÄS 107 (1980), S. 91-93. 13 Vgl. I. Lindblad. Royal Sculpture of Early Eighteenth Dynasty in Egypt, Medelhavsmuseet, Memoir 5, Stockholm 1984; E. R. Russmann-D. Finn, Egyptian Sculpture, Cairo-Luxor 1989, S. 80-95; A. Grimm-S. Schoske, Hatschepsut KöniglNÄgyptens, München 1999, S. 33-48. " Version IV C nach H. D. Schneider, Shabtis I, Leiden 1977, S. 10-102.

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