Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)
HERMANN SCHLÖGL: Ein Beitrag zu den Anfängen der Arbeitersiedlung von Deir el-Medineh
finden. Ich machte Lehmfelder, um damit ihre Gräber in der Nekropole zu überziehen. Arbeiten waren es, die nicht von den Vorfahren geleistet wurden, ich aber war dazu verpflichtet.- Ineni rühmt sich also, einen Maluntergrund aus Lehm erfunden zu haben, mit dem die thebanischen Gräber versehen werden. 6 Von den Männern, derer Ineni bei der Durchführung seines Auftrags bedurfte und die mit ihren Frauen und Kindern die ersten Siedler waren, wissen wir so gut wie gar nichts, sieht man von den Gräbern in der östlichen Nekropole (Kurnet Murai) ab. 7 Im Jahre 1905 hat aber Ernesto Schiaparelli bei seiner Arbeit in Deir el-Medineh eine Stele aus Kalkstein gefunden, die aus der Zeit der Alleinregierung des Königs Thutmosis' III. (1458 - 1426 v.Chr) stammt und die heute im Museo Egizio di Torino aufbewahrt wird (siehe Abb. I). 8 Die Stele wurde vom königlichen Schreiber am Großen Platz, Amun-emipet, für seinen verstorbenen Vater, den Vorzeichner des Amun (am Großen Platz), Tnr (TI) 9 gestiftet. (Der Name des Gottes Amun wurde während der religiösen Revolution des Königs Echnaton getilgt.) Im zentralen Bild ist Tel dargestellt, wie er dem thronenden König Thutmosis III. feste Gebinde von Lotusblumen auf einem Stab 10 darbringt, dessen oberste Blüte die Nase des Herrschers erreicht. Das ungewöhnliche Stelenbild ist wohl auch mit der Absicht gewählt die Loyalität des Stifters und seiner Familie gegenüber dem neuen König auszudrücken. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit einer exakteren Datierung: Die Stele dürfte ganz kurz ,nach dem Beginn der Alleinherrschaft ThutmosisTII. um 1458 v. Chr. ediert worden sein. Vennutlich war Tel kurze Zeit zuvor verstorben. Der Name der Mutter des Amun-em-ipet fehlt, so daß man annehmen kann, daß sie bei der Abfassung des Denkmals noch am Leben war. Wenn man bedenkt, daß der Sohn bereits sein Amt als königlicher Schreiber am Großen Platz ausgeübt hat, könnte sein Vater (bei einem Sterbealter von 55-60 Jahren) schon in der Zeit König ThutmosisT. als Vorzeichner oder Umrißzeichner (zs-kdwt oder zhlw-kdwt) tätig gewesen sein. 5 K. Sethe, Urk IV, 57, 3-12. 6 M. Müller, Zum Werkverfahren an thebanischen Grabwänden des Neuen Reiches, SAK 13 (1986), S. 149-164. 7 Mc Dowell, a.a.O. (Anm. 1), S. 18. » PM I, Part 2, S. 735; M. Tosi-A. Rocatti, Stele e altere epigrafi de Deir el Medina, Turin 1872, S. 35-36, Taf. 263 (Stele N. 50004). ' Der Titel ist verkürzt wiedergegeben. Er lautet: zS-kdwt n Jmn m str ít vgl. R. Hannig, Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch - Deutsch (2800-950 v.Chr.), Wiesbaden 1995, S. 650. - Zum Namen Tnr (TI) : H. Ranke, PNI, 381, 18. Vielleicht weist der Name ,Tel' auf eine libysche Herkunft: W. A. Ward, Foreigners Living in the Village, in: L.H. Lesko a.a.O. (Anm. I), S.75. 10 Vgl. J. Dittmar, Blumen und Blumensträuße als Opfergabe im alten Ägypten, MAS 43, München 1986, S. 47, 73, 127.