Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

PETER KAPLONY: Pachom als Nachfolger der altägyptischen Weisen und Zauberer - eine Textrekonstruktion

Ist es alten und neueren Theologen erlaubt, Sinnzusammenhänge herzustellen, kann es auch dem Forscher nicht verwehrt sein, den Sinnzusam­menhang, die Konsistenz, die innere Logik fragmentarischer Texte zu rekon­struieren. Der Respekt vor den Texten, besonders vor einem theologischen Text, zwingt zur Annahme, dass er eine innere Konsistenz hat oder hatte, es sei denn, das Gegenteil davon lasse sich beweisen. Ein von Elanskaya 1991 3 und 1994 4 ediertes koptisches Textfragment in Moskau enthält eine Lobrede auf Pachom, davor aber - so die Herausgeberin - "a mention of ancient Egyptian beliefs (the veneration of Amente, the nether­world, hell in Ancient Egypt)". Das sei "noteworthy". Elanskaya hat ihre Beobachtung m.W. nicht weiter verfolgt: Es bleibt vor allem auch offen, wie sich die Beschreibung der Amente (ich lasse den Begriff unübersetzt) mit der Lobrede auf Pachom verträgt. Der Text steht zweifellos in Zusammenhang mit einem 1997 von G. Schenke edierten Kölner Text, der über Ägyptens Sonderstellung vor allen anderen Ländern handelt. G. Schenke 5 hat das erkannt und beschreibt den Moskauer Text wie folgt: "(Er) spricht von der Rechtfertigung Ägyptens durch Christus, der die ägyptische Unterwelt überwindet und auf diese Weise das von allen Ländern am meisten verachtete Land Ägypten rehabilitiert und zu neuem Ansehen bringt." Zur Frage des Zusammenhanges zwischen der Amente-Beschreibung und der Lobrede auf Pachom und seine Mönche hat sich auch G. Schenke nicht geäussert. Diese Lobrede wird in 8a, 15ff. durch einen merkwürdigen Em­des pachomianischen Schrifttums von ursprünglich "heidnischen" oder "halbheidnischen" Elementen sein. Zum möglichen Nachwirken hier des gnostisch-hermetischen Schrifttums, wie er sich in den in der Nähe von Pbow gefun­denen Codices von Nag Hammadi manifestiert, vgl. W.-P. Funk, Ein doppelt überliefertes Stück spätägyptischer Weisheit, ZÂS 103 (1976), S. 8. und bes. B. Van Eideren, in: Nag Hammadi, 77i<? Oxford Encyclopedia of Archaeology in the Near East IV, New York - Oxford 1997, S. 89: "The issuance of his (des Athanasius) canonical list in the Easter letter of 367 (vgl. L. Th. Lefort, Les vies coptes de Saint Pachôme et ses premiers successeurs, Bibliothèque du Muséon 16, Löwen 1943, S. 334 und Anm. 65) may have occasioned the removal of the extracanonical Gnostic papyri and their owners from the Pachomian community." Dies würde die Verbindung zwischen dem unten zitierten Hermes Trismegis­tos-Text und unserem Moskauer Text besser verständlich machen. 1 A.I. Elanskaya, An Encomium on Pakhom the Great / I.l.b. 661, Coptic Literary Texts of the Pushkin State Fine Arts Museum in Moscow, Studia Aegyptiaca 13, Budapest 1991, S. 162ff, Tf. 43f. 1 A.I. Elanskaya, An Encomium on Pakhom the Great, I.l.b. 661 (5685, Copt. 30), The Literary Coptic Manuscripts in the A.S. Pushkin State Fine Arts Museum in Moscow, Supplements to Vigiliac Christianae 18, Leiden - New York - Köln 1994, S. 85ff, Tf. 34f. 5 G. Schenke, Über Ägyptens Sonderstatus vor allen anderen Ländern, Inv. 20912, Kölner Papyri (P. Köln) 8, Abh. der Nordrhein­Westfälischen Ak. der Wissenschaften, Sonderreihe Papyrologica Coloniensia VII / 8, Opladen 1997, S. 185 und Anm. 8.

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