Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)
MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst
oder New York MMA 29.3.3 109 als Beispiele nehmen: Wir blicken in ein ganz glattes, rundliches Gesicht, das eine Spur breiter als hoch ist - vom Kronenansatz bis zur Kinnspitze gemessen. Die Augen liegen in der Mitte zwischen Scheitel und Kinnspitze, (wie man an Köpfen mit Königskopftüchern nachprüfen kann), sie sind gross, ihre Achse steht ausgesprochen schräg und die Braue hält einen grossen Abstand zum Oberlid. Die Lidränder und die Brauen beschreiben hannonische Kurvcnlinien, die in Symmetriebeziehung zueinander stehen. 110 Der Nasenrücken ist schmal, die Flügel knapp, die Nasenbasis angehoben. Die Breitenausdehnung des Mundes ist gering, der obere Lippenrand neigt zur M-Form, der untere zum Viertelskreis. Das Kinn ist kurz. Die seitlichen Umrisslinien des Gesichts laufen von den Ohren bis zur Kinnspitze ziemlich stark zusammen. - Dieses Antlitz entspricht verblüffend genau dem "idealen" weiblichen Gesicht, das von einem modernen Forschungsteam aus den digitalisierten Mittelwerten von mehreren, von Probanden als schön beurteilten Gesichtern konstruiert wurde. 1 " Wir möchten es daher als den Idealtypus der "schönen jungen Frau" bezeichnen. Für alle folgenden Könige der 18. Dynastie wurden Varianten ausgebildet, die in Linienführung und Proportionen in jeweils spezifischer Weise minim abweichen. Thutmosis III., Amenophis II. und Thutmosis IV. sehen sich bekanntlich derart ähnlich, dass die Unterscheidung oftmals schwer fallt. Das Antlitz Thutmosis' IV. der Statue Kairo JE 43611 mit den "Katzenaugen", d.h. den ungewöhnlich schräg stehenden Augenachsen, und dem nach unten V-förmig zusammenlaufenden Gesichtsumriss wirkt sehr feminin. 112 Der Grundtypus bleibt aber derselbe. Einzig Echnaton mit seinem langen, ausgesprochen V-förmigen Gesicht und den weit oben sitzenden Augen fallt aus dem Schema heraus. 113 Die Amarnazeit stellt, was das Königsbildnis angeht, auch insofern eine Ausnahme dar, als das königliche Porträt weit realistischer und modellnäher aussieht als sonst üblich, und dass nun auch den weiblichen Angehörigen des Herrschers ein eigenständiger, individueller Porträttyp zugestanden ""K.-H. Priese (Hrg.), Ägyptisches Museum. Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, Nr. 44; Tefilin, a.a.O. (Anm. 81). Tf. II, und passim. " Ü M. Müller, Die Kunst Amenophis'III. undEchnatons, Basel 1988, Bd. I S. 37f. "'Richter, a.a.O. (Anm. 3). S. 118-120, Abb. 31; Eibl-Eibesfeldt, a.a.O. (Anm. 6), S. 905. " 2 Thutmosis III.: B. Fay, Tuthmoside Studies, MDAIK 51 (1995), S. 11-22, Tf. Il-IX; Amenophis IL: H. Sourouzian. A bust of Amenophis II. at the Kimbelt Art Museum, JARCE 28 (1991 ), S. 55-74, Abb. I -28; Thutmosis IV: Amenophis III, a.a.O. (Anm. 89), Abb. V.23 (Kairo JE 43611). '"M. Müller, a.a.O. (Anm. 110), Bd. I - S. 88-91.