Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst

Heranziehen literarischer Quellen, die den menschlichen Körper direkt oder mit­tels Metaphern beschreiben. Ein vielversprechender Ausgangspunkt ist sicher diejenige Göttin, die wir hier der Kürze halber als Liebesgöttin bezeichnen wollen, da sich die Vermutung, dass sie als schön galt, bei Sichtung der Bild- und Schriftquellen rasch bestätigt. Allerdings haben wir in Ägypten bekanntlich nicht mit einer isolierten Liebesgöttin zu tun, sondern mit einem Kreis von Liebes- und Muttergöttinnen, die, um es auf die knappste Formel zu bringen, seit dem Alten Reich durch zwei ihnen gemeinsame Epitheta, nämlich "Gottesmutter" (mwt ntr) und "Sonnenauge" (irt r*), zusammengehalten werden, und deren Funktion durch die Partnerschaft mit dem König definiert ist. In der Tat verhelfen die dies­bezüglichen Bild- und Schriftquellen zu einem Einstieg in das Thema. ALTES REICH Die Belege stammen vorwiegend aus dem Bereich des Jenseitsglaubens, d.h. der Reliefs und Statuen aus den königlichen Pyramidenanlagen und privaten Mastabas. Dazu kommen die Tempel, wovon aber nur das Sonnenheiligtum Niuserres grössere Reliefmengen bewahrte. Insgesamt sind nur wenige Darstel­lungen von Königen und Gottheiten erhalten, die den Körper nicht zu stark ver­hüllen. Eine männliche Figur sollte nur einen kurzen Schurz tragen und stehen, um für unsere Untersuchung geeignet zu sein; das hautenge Frauenkleid hinge­gen enthüllt den Körper fast mehr als dass es ihn verhüllt. Was die königlichen Aufträge betrifft, so gehen wir bei der Suche nach Anzeichen eines erotischen Schönheitsideals von den Darstellungen des Königs im Umgang mit den Liebes- und Muttergöttinnen aus. Auch die Fruchtbarkeitsgottheiten, wie sie seit Snofru gerne in der Sockelzone von Tempelräumen erscheinen, sind für unser Thema relevant, und schliesslich sind es die Bilder des Königs im Kult­lauf. Im Bereich der privaten Kunst sind repräsentative Paar- oder Einzel­darstellungen von Grabinhabern und ihren weiblichen Angehörigen auf Schein­türen, Türgewänden oder in Form von Grabstatuen häufig anzutreffen. Es sei ein Zitat aus den Pyramidentexten, das die Begegnung der schönen Westgöttin mit dem vergöttlichten König beschreibt und wegen seiner sexu­ellen Metaphorik als der älteste erotische - oder doch erotisch konnotierte ­Text bezeichnet werden kann, vorausgeschickt (Pyr. 282):" "Behold, she " R.O. Faulkner, The Ancient Egyptian Pyramid Texts Translated into English, Oxford 1969, §282-284.

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