Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)
ROLF GUNDLACH: Neferchaut - Chef der Wüstenpolizei unter Thutmosis III.
Soweit ist die gattungsmäßige Einordnung des Stückes unzweifelhaft. Bei der Frage nach der Herkunft und der Funktion der Stele beginnen aber schon die Schwierigkeiten. Diese Stele gehört zu der großen Zahl von gleichartigen Objekten, die frühzeitig, also vornehmlich im 19. Jahrhundert, aus Ägypten entfernt wurden, ohne daß der "Fund"ort verzeichnet worden war. Oftmals führte erst eine Analyse von Bild und Text einer Stele zu einer mehr oder minder überzeugenden Vermutung, woher das jeweilige Stück wohl stammen möge. Soweit Privatstelen noch in situ angetroffen wurden, war es immerhin möglich, Aufstellungsorte aufzulisten, die für Objekte in Frage kommen konnten, deren "provenance unknown" war: Privatgräber (hier insbesondere in Theben), Kapellen an Prozessionsstraßen (u.a. in Abydos) und Tempelareale (in Theben, auf dem Sinai usw.). Auch für die hier zu besprechende Stele ist Theben als Herkunftsort postuliert worden. 5 Dieser Frage ist weiter unten noch gesondert nachzugehen. Die Funktionen von Privatstelen reichen von Nebenkultstellen h in Privatgräbern 7 über grundsätzliche oder biographische Nachweisen des Königsdienstes'" bis zu Monumenten, die der Verknüpfung der jeweiligen Privatperson mit der Gottheit des betreffenden Tempels 9 oder Expeditionsortes 10 dienten. Eine Reihe von Stelen verbinden den Nachweis des Königsdienstes mit der Anrufung von Gottheiten. Wie zu zeigen sein wird, gehört unsere Stele zu dieser letztgenannten Klasse. Innerhalb dieser ist sie wiederum in den Rahmen des Sonnenkultes einzufügen. Doch davon später. An den Beginn der Analyse der Stele Budapest 51.2143 sind nicht Fragen nach Material und Größe zu stellen, denn diese sind bekannt," sondern nach Aufbau und Funktion des Bildfeldes - Ikonographie und Beischriften sowie Übersetzung und Struktur des Textes des Textfeldes einschließlich der dort abgebildeten Figur des privaten "Steleninhabers". Anschließend wird es um das Problem des möglichen ursprünglichen Aufstellungsortes der Stele gehen und schließlich um die Person, Familie und Funktion des Beamten. 5 PM F, 2. Auflage, S. 799. " Martin, a.a.O. (Anm. I), Sp. 3. vgl. allgemein z.B. A. Hennann, Die Sielen der iliebani.se/ien Felsgräber der /<V. Dynastie, ÄF 11, Glückstadt 1940, S. 23-25. * vgl. z.B. H. Guksch, Königsdienst - Zur Selbstdarstellung der Beamten in der 18. Dynastie, SAGA 11, Heidelberg 1994. " s. z.B. die Stelen am Aufweg zum Hathor-Tempel von Serabit el-Chadim im Sinai. "' E. Blumenthal, *Expeditionsberiehte. *Expeditionsinschriften, /..-( II, Sp. 59-62. " Roter Sandstein mit den Maßen 96x50 cm (E. Varga, Katalog des Museums der Bildenden Künste, Budapest 1971, S. 10).