Cseri Miklós - Sári Zsolt (szerk.): Vidéki életmódváltozások a 20. században (Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2009)

Tamáska Máté: A puszták népének telepes községei 1945 után

Máté Tamáska Siedlungsdörfer nach dem jähr 1945 Im Jahr 1945 wurde ein Nationaler Bodenbereinigungsrat mit Péter Veres an seiner Spitze errichtet, der seinerseits ein eigenes Siedlungamt heimbrachte, dessen Hauptaufgabe die Errichtung von geschlossenen Bauerngemeinden am Ort der verstreuten - für den Großgrundbesitz typischen - Meierei- und Weinbergdörfer war. Die meisten dieser von Ingenieuren entworfenen Siedlungen befinden sich im heutigen Komitat Fejér, daher konzentriere ich mich auf dieses Komitat in meiner Studie. Ich beschäftige mich mit folgenden IDörfern: Besnyő, Mátyásdomb, 1 lantos, Kislók, Nagvlók, Nagykarácsony und Nagyvenyim. I )ie auf archivarischer und örtlicher Forschung basierende Bearbeitung überblickt die Entstehung der Siedlungsdörfer um drei Themen herum: Gesellschaftsbau, Dorfbau und Hausbau. Im Zusammenhang mit dem Gesellschaftsbau stellt sie fest, dass der Zweck der Errichtung der Siedlungsdörfer - über die starke Feindlichkeit dem Großgrundbesitz gegenüber hinaus - war die Organisiemng der Armbauer- und Knechtschicht der Jahre zwischen den beiden Weltkriegen in kleine Familienwirtschaften. Als Teil dieser Zielsetzung wurde nicht nur Boden verteilt, auch Kurse wurden organisiert und Siedlungsaufseher wurden in den ersten Jahren zur Kontrolle der individuellen Wirtschaft angestellt. Im Kapitel Dorfbau werden das Problem der Absteckung der neuen Gemeinden und die Grundriss-Besonderheiten überblickt. Das Siedlungamt wollte nicht nur mit dem Gebäudebestand des ehemaligen Großgrundbesitzes und seinem Siedlungserbe aufräumen, sondern auch mit den Volkstraditionen der Weinberge. Das Zentrum des an der Stelle des Ackerbodens errichteten regelmäßigen Straßennetzes bildete eine für ein großes Publikum abgesteckte Parzelle, wo zahlreiche Funktionen - von Kinderkrippe über Wohnungen für Intellektuelle und Gemeindehaus bis zum Sportplatz ­untergebracht wurden. Die Grundprinzipien der modernen Baukunst zur Organisierung der Siedlung dominieren in den Plänen: die frei stehenden Bauten sind in großzügige öffentliche Parkanlagen geplant. Es ist eine andere Frage, dass die als Musterinvestierung geplanten neuen Gemeinden nie voll verwirklicht worden sind, mit der positiven Folge, dass viele, ursprünglich zum Abbau verurteilten Schlösser, Herrenhäuser und Meiereibauten Teile der neuen Gemeinden geworden sind, auch wenn mit neuen Funktionen. Die dritte Einheit des Gedankenganges ist der Hausbau; hier werden die Grundmerkmale der gleichzeitig volkstümlichen aber auch modernen Standardhäuser studiert. Diese in der ersten Hälfte der vierziger Jahre ausgedachten Entwürfe wollten die bäuerliche Lebensweise mit architektonischen Mitteln rationalisieren. Die heutigen Dorfbilder anschauend können wir sagen, dass von den besuchten Orten am saubersten Mátyásdomb die ursprüngliche Siedlungsform bewahrt hat, anderswo ist die Baugeschichte der vergangenen 60 Jahren - mit örtlichen Besonderheiten bereichert - auffallend. Schlussfeststellung des Aufsatzes ist, dass sich das bis zum Äußersten geregelte Programm der Siedlungsdörfer zeitlich rückblickend der ONCSA-Aktion anschließt, gleichzeitig jedoch stärkere und mehr radikale Änderungen mit sich brachte. Daraus folgt, dass die Siedlungsdörfer nicht als sozialistische Gemeinden zu betrachten sind, da der grundlegende Zweck ihrer Errichtung nicht die Kollektivierung, sondern die Erzeugung von Kleinwirtschaften war. 117

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