Cseri Miklós, Tárnoki Judit szerk.: Népi építészet a Kárpát-medencében a honfoglalástól a 18. századig - A 2001. október 9-10-én Szolnokon megrendezett konferencia anyaga (Szentendre; Szolnok: Szabadtéri Néprajzi Múzeum; Szolnoki Damjanich János, 2001)
SABJÁN Tibor: Késő középkori lakóházak rekonstrukciói (Sarvalyi példák)
Rekonstruktionen von spätmittelalterlichen Wohnhäusern (Beispiele aus Sarvaly) TIBOR SABJÁN Der Autor will in seinem Aufsatz die Rekonstruktionspläne von zwei Wohnhäusern vorstellen, die im 16. Jahrhundert im Dorf Sarvaly vernichtet wurden. Die archäologische Aufdeckung des ehemaligen Dorfes in der Mitte Transdanubiens (in der Nähe der heutigen Stadt Sümeg) führten Imre HOLL und Nándor PARÁDI aus. Von den durch sie freigelegten und dokumentierten Häusern aus dem 15. Jahrhundert (Nr. 15. und 17.) hat der Autor zum Zweck der Fertigung von Modellen zwei mit allen Details rekonstruiert. Sein Aufsatz behandelt die Erfahrungen dieser Arbeit und die fachlichen Probleme in diesem Zusammenhang. Haus Nr. 15. gehörte zu den charakteristischen Rauchhäusern mit Keller des Dorfes. Die Einteilung des Hauses war: Rauchhaus-Wohnkammer-Schupfen-Keller. Der Keller lag etwas tiefer, darüber konnte noch ein Speicherraum sein. Das Rauchhaus war mit einem großen, viereckigen Steinofen geheizt. Haus Nr. 17. war bereits mit einer rauchfreien Stube mit Ofen gebaut, es ist aber auch möglich, dass zu einem älteren Rauchhaus eine Stube und eine Kammer angebaut wurden. Die Hauseinteilung ist: Stube mit Ofen-Wohnkammer-Rauchküche-Schupfen-Keller. Eine Laube begleitete die Kammer und die Küche, über dem Keller war wahrscheinlich auch hier ein Speicherraum. Ein Wirtschaftsflügel schließt sich dem Haus in L-Form an, ein Zeichen dafür, dass der wohlhabende Besitzer eine bedeutende Wirtschaft hatte. Die Fußböden, Heizvorrichtungen, Keller mit Steinwand sowie die Steinfundamente unter den Sohlenbalken der ehemaligen Häuser wurden archäologisch erschlossen. Überreste von Balken aus Laubbäumen (Eiche, Buche) deuten darauf, dass die Häuser Bohlenwände hatten. Die Wände waren nicht mit Lehm beworfen. Ein Beweis dafür ist, dass die Archäologen kaum Lehmreste gefunden haben, die vom Lehmbewurf stammen würden. Die Funde ließen uns nicht auf Dach, Dachstruktur und Dachverschalung deuten, so stützte sich der Autor in diesen Fragen auf die Erfahrungen und strukturellen Lösungen in Blockhäusern in Westungarn. Mehrere kleine Details lassen uns auf Türen und Fenster schließen. Beim Haus Nr. 17. deutete die Vielzahl von krummen Nägeln an der Stelle von Türen darauf, dass die Laschen in Querrichtung mit Schmiedeeisennägeln zu den dicken Brettern der Tür befestigt waren. In den anderen Häusern dienten wahrscheinlich Holznägel diesem Zweck, da keine Eisennägel gefunden waren. Die Türen wurden mit Hilfe eines Schlosses geschlossen, größere Tore waren mit einem Fallriegelschloß versehen. (Der Schlüssel wurde gefunden.) Die Rauchhäuser hatten wahrscheinlich rechteckige Wandöffnungen, die uns aus der Volksbaukunst wohl bekannt sind, die durch Zuschieben eines Brettes geschlossen wurden. In der Stube mit Ofen wurde ein Riegel gefunden, ein Beweis dafür, dass das Fenster Flügel hatte. Als Fensterscheibe diente wahrscheinlich Rindermagen, da kein Glas unter den Funden entdeckt war. Der Ofen im Haus Nr. 15. war völlig aus Stein gebaut, vor seiner Öffnung war keine Feuerstelle, weil wahrscheinlich auf dem Ofen gekocht wurde. Der Grundriß des Ofens war viereckig, drinnen aber war der Feuerraum oval. Auch in der Küche des Hauses Nr. 17. war ein großer viereckiger Ofen, bei diesem war aber nur der Unterteil aus Stein, der Oberteil bestand aus einer Art Lehm. Beim Ofenmund war eine lehmbeworfene Feuerstelle. In der rauchfreien Stube blieb der steinerne Unterteil des Ofens fast unversehrt. Dieser große Unterbau diente als Bank oder Liegestätte. Die Fragmente des bekachelten Oberbaus lagen um den Ofen herum. Der Unterbau war viereckig und bestand aus Schüsselkacheln und Eckkacheln. Der runde Oberbau bestand aus Kacheln in Form von Trinkgläsern und aus Lehm. Der Giebel wurde aus dreieckigen Schüsselkacheln gefertigt, leider kennen wir aber ihre Anordnung nicht. Die zwiebeiförmigen konvexen Kacheln waren Teile der Kuppel. Neben den Plänen der Häuser von Sarvaly hat der Autor den Hof des Hauses Nr. 17. mit den Wirtschaftsbauten graphisch rekonstruiert sowie das axonometrische Bild des Dorfes Sarvaly erstellt. Mit dem Überblick der bekannten und vorausgesetzten Details der Wohnhäuser hat die Rekonstruktionsarbeit viele neue, noch nicht behandelte Probleme aufgeworfen, was hoffentlich einen fachlichen Dialog fördern wird.